Spacer Januar & Februar 2009: Lesungen & Veranstaltungen in Henris Bar, Berlin
Mit vielen neuen und besuchenswerten Terminen wartet "Henris Bar" Berlin zum neuen Jahresstart auf. Unsere Empfehlung am 25.02.2009: die Lesung "Blut zu Blut". Die junge Autorin Silberne Klinge liest ihre Kurzgeschichten, die tief unter die Haut gehen. Einlass ab 20h; Eintritt frei – Spende erbeten. Dies und mehr unter http://www.henris-bar.com/

 

 

 

 

LustSchmerz Story Preis 2000


1.Preis
Die dunklere Geliebte
Autorin: Lil P. Hechler

Das war´s dann wohl.
Sagst du. Hörbar verlegen. (Es wäre wohl besser, wenn du mir nicht mehr schreibst) Denn: Es ist aus mit uns.

Ruf nicht mehr an.
Nach all der Zeit. Geduldigen Wartens. Sagst du so. In die anonyme Muschel eines fremden Telephons.

Und das graue Plastik des Hörers fließt mir furchtsam aus der Hand. Als ich mich krümme um die letzten Reste verzweifelter Hoffnung zu erbrechen.

Mein Herr kannst du nicht länger sein.
Nach all der Zeit.
Warum? Frage ich nicht.
Weil mich der Sinn flieht. Und ich an meine Liebe denke, die stark ist wie ein gefällter Baum. Nach all der Zeit doch immer noch: Dein.

Ich will dich besitzen mit Haut und Haar! Sagtest du.
(So glücklich)
Und lehrtest mich sprechen; - geduldig, bis mein Gesicht entflammte vom Rücken deiner Hand. Geduldig warst du. Beim Maßnehmen. Und zärtlich dann wieder. Nicht zu sehr doch, denn: Nachgiebigkeit ist nicht, was dir gerecht wird! So sagtest du. Und daß ich perfekt sei.

Du wußtest es besser, längst bevor ich es lernte. (Was bist du? Eine geile Sau, mein süßes Spielzeug.) Nichts weiter als eine kleine, geile Masofotze, das war es, was ich zu sein lernte.

Schnell.
Auch daß ich meinen Mund nie zuvor benutzt hatte.
Eine Offenbarung! So nanntest du mich. Enthusiastisch: Die perfekte Ergänzung deiner dunklen Leidenschaften.

Ich brannte wie eine Kerze unter deinen Peitschen. Goß mein siedendes Wachs in deine Hände. Vertrauensvoll, deine „kleine Verrückte“. Die nach mehr schrie, immerzu mehr - Denn kein Schmerz schien groß genug, Ausdruck meiner Hingabe zu sein.

Dein Eigentum wurde ich gern. Leibeigen, Herzeigen. Gebrauchsgegenstand dir, kaum mehr als das Gefäß, das du mit deiner Lust fülltest. Bis zum Rand. Wann immer du wolltest. Wie viel ich verschlang von dir!

Nicht immer ganz freiwillig. Am Anfang. Später dann voll Gier: Zeichen meiner Hingabe. Die du völlige Unterwerfung nanntest, bedingungslose Kapitulation. (Liebe)

Grenzen überschreiten, Mauern falscher Scham schleifen! - das wolltest du. Innig. Und hießest mich, Erfüllung deiner kühnsten Träume zu werden. Wie froh du warst!

Als du mir dein Zeichen in den Schenkel schnittest, mit schartiger Klinge. Wie entschlossen: Für immer!
Sagtest du.
Und: Endlich eine Frau, die mich versteht ...

Dankbar wickelte ich meine Zunge um dein Messer, schmeckte Erdbeeren aus Stahl. Und schrie Jubel, schrie Lobpreisung deiner Herrlichkeit in den Himmel, als du mich die Klinge schmecken ließest an anderer Stelle.

(Schon mal gefickt worden von nem Messer? Schon mal gekommen mit was wirklich scharfem in der Fotze, du Sau?!) Ich dachte, das wäre die Ewigkeit. Die da herauslief aus mir, als mein Schoß sich staunend schloß in Ekstase. Kein bißchen rot. Ich war unverwundbar. In Liebe.

In der Nacht aß ich Rasierklingen. Heimlich. Denn du solltest nicht hören, wie meine Freudentränen fielen auf die schwefelgelben Fließen deines Badezimmers.

Für immer, für immer ganz dein ...
Hast du mich genannt. Ich will dich verderben für die Welt!
Loyal war ich stets.

Selbst als du sagtest, du bräuchtest Zeit für dich. Wolltest allein sein, ein wenig Abstand gewinnen. (Ganz für dich) Als du sprachst von ernsthaften Schwierigkeiten (nichts gegen dich, nicht gegen uns!) - beschloß ich, zu warten. Treu wie ein abgeschabter Schuh. Geduldig bis zur Selbstverleugnung. Du lächeltest, danktest mir das Verständnis. Mit vorsichtigen Küssen.

Gläubig grub ich meine Füße in die fruchtbare Erde vor deinem Haus. Bis zu den Knöcheln grub ich, einen halben Millimeter unterhalb des Leders deiner Fesseln. Und wollte Wurzeln schlagen. Die unsichtbar wuchsen und wuchsen immerzu in Richtung meiner Sehnsucht. Hart machte ich meine Haut und zentimeterdick gegen alles Unbill der Welt. Stark wie ein Baum.

Aus meinen Händen sprossen feine Zweige, in denen sich dein Blick erhängen durfte, wann immer du aus dem Fenster sahst. Vögel sangen in der Krone meines Haares, so fest vergraben stand ich im Boden. Ein Baum. Unter vielen. Wartend.

Das ist Wahnsinn. Sagten die anderen. Es ist Liebe. Sagte ich. Und grub meine Wurzeln ein wenig tiefer um der Trauer zu entkommen, - haarfeine, bleiche Fäden an denen die Mäuse nagten und die Toten.

Ich sah, wie sich die Blätter entzündeten im Herbst, fühlte den Sturm reißen an meinen ausgestreckten Armen. Ich sah, wie Winter die Welt überzog mit der Farbe saurer Milch. Frost verwandelte meine Augen in Glas. Der Jahreswechsel schlug mir nasse Lappen ins Gesicht, - Ich stand verwachsen mit dem Grund. Dem guten Grund meines Vertrauens.

Ich sah dich dein Haus verlassen. Ich sah dich abends heimkehren. Als der Winter ging, fand ich meine Haut mit blaurotem Aderngeflecht überzogen, Blumen der Kälte, die blühten mir frostfarben tief in der Epidermis.

Ich sah dich gehen, ich sah dich kommen. Und liebte.
Das erste Grün sah ich sprießen aus den Zwischenräumen meiner begrabenen Zehen. Ich sah dich. Ich sah.
Und liebte.
(Sie sah ich nie.)

Als die Erde mich ausstieß im Frühling, als sie mich ausspuckte wie einen bunten Krokus, mich freigab - endet nun dein Schweigen.

Es ist aus mit uns. Sagst du. Hörbar verlegen.
In die anonyme Muschel eines fremden Telephons.
Nach all der Zeit. Kannst du mein Herr nicht länger sein. Denn da ist eine andere. Eine, die nichts zu tun hat - damit, Gottseidank ...

Sagst du.
(So glücklich)

Keine Perverse diesmal...
Gottseidank!

Warum? Frage ich nicht.
Eine Antwort könnte dich beschämen.

(c) Lil P. Hechler

 

 
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