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Sonderpreis Besondere Geschichte
Die Entscheidung
Autor: Lustrousblack
"Between the horses of love and lust
We are trampled underfoot"
Paul Hewson (Bono)
Warum sind die Dinge wie sie sind?"
"Ich weiß es nicht"
"Warum bin ich bei dir?"
"Weil du dich dafür entschieden hast."
"Ich liebe dich nicht!"
"Ich weiß!"
"... und ich werde dich verlassen!"
"Ja, schon morgen."
"Und trotzdem hältst du mich in deinen Armen. Warum tust du das?"
"Weil ich mich dafür entschieden habe!"
Sie liegt vor ihm. Sie ist still. Ihr Schweigen ist gleichsam ein Pakt, ein Einvernehmen ... Ihre Arme sind an die Bettpfosten gefesselt. An ihren Fußgelenken umschließen sie Ledermanschetten. Eine Spreizstange, die zusätzlich an den Fußenden fixiert ist lässt ihr wenig Bewegungsspielraum. Sie ist offen! Offen für ihn!
Sie sieht ihn an, ihr Mund halb geöffnet, die Augen weit aufgerissen. Sie hat ein wenig Angst - weniger vor dem, was er tut, als vielmehr vor sich selbst: Vor ihrer eigenen Empfindung; vor dem Ozean an Gefühl, der ihren Körper zu überschwemmen droht. Sie versucht sich zu konzentrieren - auf ihn und auch auf ihren eigenen Körper. Sie möchte ihre Muskeln spüren, jeden einzelnen und sie merkt, dass ihr das immer schwerer fällt. Ihr Körper droht ihr zu entgleiten, droht zu einer geronnen Masse aus Gefühl zu werden. Gestaltbar, veränderbar - in seinen Händen! Ist das eine Drohung oder ein Versprechen ... Sie schließt ihre Augen ...
Er kniet neben ihr. Er streift über ihren Körper - nur mit seinen Augen. Er vermeidet es sie anzufassen. Er beobachtet sie, genießt ihre Bewegungen, sieht wie sich ihr Brustkorb in langsamen, tiefen Atemzügen hebt und wieder senkt. Er sieht das leicht nervöse Zucken ihrer Lippen. Beobachtet, wie ab und an ihre Zunge ein wenig hervorschnellt. Sie vibriert mit ihren Kniekehlen, soweit die Fesselung das zulässt. Er ist bei ihr, ganz nah und doch unerreichbar für sie. Er steht auf, geht zum Schrank und holt einen schwarzen Seidenschal. Er verbindet ihr die Augen und jetzt ... kann sie ihn nicht mal mehr sehen. Aber sie spürt das sanfte Auf und Ab der Matratze, jedes Mal, wenn er sich bewegt.
Manchmal schwimmt sie in einem Meer der Phantasien. Lässt sich treiben ... gleitet dahin, bis ein Strudel sie herunterreißt. Und sie kämpft - mit aller Kraft; doch es ist vergeblich. Und alles, was sie will ist sich spüren, Widerstand - Körper! Doch da sind nur ihre Phantasien und irgendwann gibt sie auf. Wie Treibholz fühlt sie sich angespült an einem fremden Strand und sie wartet darauf ... gefunden zu werden...
Er hat sie gefunden. Zu einer Zeit, als sie schon gar nicht mehr damit gerechnet hatte.
Anfangs hat er sie einfach nur angesehen, ihr lange in die Augen geschaut. Ohne Kalkül. Er hat immer gesagt, dass er nicht auf der Suche sei. Doch in diesem Moment hat er ganz sicher etwas in ihren Augen gesucht. Etwas, dass ihm die Einlösung all jener Wünsche versprach, die in ihm aufgestiegen waren, als er sie zum ersten Mal gesehen, als er ihr gegenüber gestanden und ihren wunderschönen Körper bewundert hat. Er hat es in ihren Augen gesucht und er hat es nicht gefunden. Aber dann hat sie ihn in ihre Arme genommen, hat ihn umschlungen - und die Antwort, die ihre Augen verweigert haben, hat ihm ihr Körper in diesem Augenblick entgegengeschrieen.
Es ist dunkel um sie herum und sie will endlich spüren. All ihre Sinne ersetzen das tastende Suchen ihrer Augen. Sie hört aufmerksam auf seinen Atem und dann spürt sie die Klammern an ihren Brustwarzen. Es tut nicht einmal weh - sie spürt so wenig. Sie ist beinahe traurig - doch sie weiß, dass sich das ändern wird. Sie spürt seine Hand, die ihr über den Bauch fährt und sie möchte einfach nur schreien "Fass mich an! Fass mich an! Herrgottnochmal ..." aber sie ist still und folgt mit ihren Gedanken den Bewegungen seiner Hand, um nur ja nichts zu verpassen.
Er löst die Fesseln an der Stange, greift zu und zieht sie nach oben. Unwillkürlich sind ihre Beine gezwungen dieser Bewegung zu folgen. Sie stöhnt leise, während er ihre Beine und einen Teil ihres Unterleibs nach oben schiebt. So weit, bis sich ihm beide Öffnungen darbieten. Er hält inne, genießt den Anblick Er ist versucht sie dort zu küssen. Stattdessen greift er aber nach dem Stahlplug, der neben ihm liegt. Er nimmt kein Gleitgel, sondern benutzt ihre natürliche Feuchtigkeit, weitet erst ein wenig mit dem Finger ihren Hintereingang, und lässt das schimmernde Objekt dann langsam verschwinden.
"Warum machst du mich so geil?"
"Weil ich deine Träume erfülle."
"Aber ich weiß nicht mal genau, was meine Träume sind. Am Ende gelangen wir an einen Punkt, den ich nie träumen konnte, weil ich ihn gar nicht gekannt habe ..."
"Ich begleite dich auf einer Reise ins Traumland, damit du frei sein kannst und an Orte gelangst die du noch gar nicht kennst."
"Und warum tust du das?"
"Weil es mich geil macht!"
Sie spürt das Gewicht in ihrem Hintern und das Gewicht seiner Hände auf ihrem Körper; den Druck seiner Finger, wenn er ihre Brustwarzen zwischen die Finger nimmt und langsam, genussvoll zwirbelt. Sie spürt das Bett, die Matratze, die vergeblich den Druck aufzufangen sucht. Sie spürt Stahl, Finger, Härte und dann - völlig überraschend - seine Zunge ...
Er löst ihre Fesseln, nimmt ihr die Spreiztange ab und stellt sich in die Mitte des Raumes. Sie liegt auf dem Bett, schwer atmend aber still. "Komm her!" sagt er bestimmt. "Knie dich hin, die Stirn, Hand und Ellbogen auf den Boden!" Sie reagiert nur noch, hat längst aufgehört zu denken. Sie weiß das alles richtig ist. Sie folgt ihm. Sie tut was er sagt. Sie trägt keine Fesseln mehr und ist dennoch gebunden: gebunden an sein Wort. Und gebunden an die süße Erwartung, die sein Wort verspricht. Sie hört seine Schritte, wagt aber nicht aufzusehen. Sie hört es Zischen und schluckt ihren Speichel herunter: "Den Arsch höher!" Sie ist sein Spielzeug - sie spielen ihr Spiel...
Er lässt die Gerte auf ihren Arsch klatschen. Sie zuckt und stöhnt leise. Er schlägt wieder zu und noch ein Mal. Weiter...! Intensiviert die Härte seiner Schläge von mal zu mal. Ihr Hintern wird rot. Sie trägt nun sein Zeichen. Er streichelt sie und spürt die Hitze ihrer Backen als Resultat seiner Zielstrebigkeit. Und er spürt Hitze in seinem Körper: spürt das Leben, das durch seine Adern zieht. Seine Gedanken sind bei ihm und doch ganz auf sie fixiert. Er spürt, wie sein Herz schlägt, wie es das Blut durch seine Adern pumpt. Und er spürt, wie es die Lust, die der Anblick dieser Frau in ihm auslöst, mit jeder Sekunde mehr und intensiver durch seinen Körper jagt. Er achtet auf jede ihrer Bewegungen, auf jeden Atemzug. Er ist ihr Spielzeug - sie spielen ihr Spiel ...
"Was ist Liebe?"
"Ich weiß es nicht, vielleicht ist Liebe nichts weiter als eine schwache Ahnung davon, das richtige zu tun"
"Und? Tun wir das richtige?"
"Ich habe keine Ahnung!"
Sie atmet schwer, schluckt, ihr Körper bebt, ist ganz von glänzenden Schweißperlen bedeckt. Es gibt keinen klaren Gedanken mehr. Es gibt keine Welt mehr, kein Gestern und kein Morgen. Es gibt keinen Raum mehr der sie umgibt. Sie spürt ihren Körper, sie spürt sich selbst. Sie spürt seine Berührungen. Sie fühlt sich, wie eine weiße Taube, die er in seinen Händen hält und dann ... lässt er sie fliegen!
Er packt ihre Haare, zerrt sie zum Bett. Drückt ihren Oberkörper auf die Matratze und stellt sich hinter sie. Er dringt in sie ein, obwohl er schon längst in ihr ist. Doch erst jetzt vollzieht sein Körper das, was sein Geist längst getan hat. Er nimmt sie ... stößt einfach zu. Er fickt ihre Möse, ihren Körper, nimmt sie auf.
Dann kommt er, stöhnt laut, krümmt sich über ihr, schlägt mit seiner Stirn auf ihre Schulter. Er möchte weinen aber es geht nicht. Nein! Das ist kein kleiner Tod, es ist eine Geburt, jedes Mal wieder aufs Neue. Jedes mal hat er das Gefühl, wiedergeboren zu werden. Er ist ihr nicht dankbar, dieses Gefühl kommt - vielleicht - später; denn dieser Moment gehört ihm ganz allein! Er hat sich entleert und fühlt sich dennoch angefüllt - von Kraft und Leidenschaft. Noch morgen wird er diese Nacht in seinen Muskeln spüren.
Wie viele Jahre hat er dieses Spiel gespielt in der Hoffnung vor sich selbst davonlaufen zu können? Und jetzt, wo er zum ersten Mal das Gefühl hat angekommen zu sein, weiß er dass sie ihn verlassen wird, dass sie es ist, die davonlaufen wird. Die Erkenntnis kommt plötzlich, doch sie erfüllt ihn nicht mit Bitterkeit. Er hat es von Anfang an gewusst! Und er hat sich darauf eingelassen ... Und dennoch: in diesem Moment, mit seiner Stirn auf ihrer Schulter und seinem noch harten Schwanz in ihrer Möse, spürt er das feuchte Rinnsal auf seiner Wange und ihm wird klar, ... dass er doch weinen kann.
Sie liegt in seinen Armen. Sie fühlt sich geborgen und sicher. Sie kuschelt sich an ihn, schmiegt sich an seinen Körper, wie ein kleines Kätzchen. Sie reibt ihren Kopf an seiner Brust und dann schläft sie ein.
Sie liegt in seinen Armen. Er hält sie umfangen. Er hat sie zurückgeholt. Sie ist jetzt bei ihm. In diesem Augenblick gehört sie ganz ihm. Er spürt ihren leisen Atem. Er taucht seine Nase in ihr Haar und atmet tief ein. Er will alle Sinne an ihr teilhaben lassen, bevor es zu spät ist. Er denkt an den kommenden Tag, vergräbt seine Nase in ihrem Nacken und dann schläft er ein.
"Ich werde jetzt gehen!"
"Ja - ich weiß"
"Wir haben uns dafür entschieden, damit diese Nacht nur uns gehört!"
"Ja - und die Nacht ist vorüber?"
"Und jetzt lässt du mich gehen - einfach so?"
"Ja!"
"Warum tust du das?"
Er antwortet nicht, wendet sich von ihr ab und geht zum Fenster. Eine Weile bleibt sie noch hinter ihm stehen. Für den Bruchteil einer Sekunde ballen sich ihre Fäuste - dann geht sie. Er steht am Fenster und sieht ihr nach, wie sie langsam die Strasse überquert. Er hält die Gardine in seiner linken Hand. Sie dreht sich nicht mehr um. Seine Gedanken sind bei ihr. Er kennt sie gut. Und langsam formt sich die Antwort, die er schon lange gekannt hat, die er aber einfach nicht fähig war ihr zu geben: "Weil ich dich liebe!"
(c) Lustrousblack
Der Autor über sich und die Story:
Der Verfasser der Geschichte ist 35 Jahre alt, wohnt in Hamburg und schreibt Kurzgeschichten sofern sich die Zeit bietet, was viel zu selten der Fall ist. In dieser Geschichte geht es um Entscheidungen, um viele Entscheidungen: Um Entscheidungen, die bewusst getroffen werden, aber noch viel mehr um Entscheidungen, die getroffen werden ohne, dass man sie wirklich treffen will. Ein Kampf zwischen Bestimmung und Freiheit, zwischen Lust und Liebe. Die Unvereinbarkeit, das ewige Drama zwischen Wollen und Nichtkönnen auf beiden Seiten und die Erfüllung, die immer wieder genau dazwischen liegt.
I did it for love and I did it for hate
I did it for lust and I did it for fate
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