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Sonderpreis Lyrik
"Elegie des Schmerzes"
Autor: Malaparte
Elegie des Schmerzes Für D.
I.
Ich zittere im Gestirn Deiner Augen.
Unter den Firnis meiner Angst dringt
Dein Lächeln, ruhig und klar wie das Meer meiner Kindheit.
Doch es wird wehtun:
Dann stürmen die Wasser um mein Herz,
Schwemmen den Sand aus meinen Kammern.
Du wirst in meine Tiefen tauchen, Muschelsammlerin,
Die Schalen öffnest Du mit meinem Schrei:
Bläulicher Schimmer liegt auf den Perlen,
Die Du aus meinem Leid formst.
Auf meiner Haut ruhen die Seesterne
Und werfen den Glanz Deiner Augen zurück.
Liebe am Abgrund, und im Abgrund lauern die Tode.
Alchimie des Falls:
Auf dem Boden des Meeres wird die Furcht zur Lust.
All das sagt Dein lockender Finger unter meinem Kinn,
Der Schmerz,
Als Du mich lachend am Zopf zum Rand der Klippe führst.
Wir springen in uns hinein.
Du bist mein Fels, meine Luft, mein Meer.
Die Schätze meines Innern wachsen erst durch Dich
Und dringen erst durch Dich ans Licht.
II.
Ich stürze in meine dunkelsten Nächte.
Du streichelst die Saiten meiner angstgespannten Haut,
Und der Gesang in meinem Innern, gestimmt vom Bogen Deiner Gerte,
Dringt einzig an Dein Ohr,
Schmerzsonatengleich.
Nun tanz' ich ohne Boden Opferpirouetten
Und falle in die Tiefe des Kusses.
Deine Ferse: Ziel meiner sehnenden Lippen.
Dein Herz: Ufer meiner brandenden Lust.
Du umschwebst mich, Luftgöttin,
Ich vergeh' im Wirbel des Rohrstocks.
III.
Ich fliege von Dir engumseilt.
Du schreibst mir Deine Liebe auf den wunden Leib,
Der brennt, als läge ich auf heißem Sand,
Gekühlt von Deinen Wellenküssen.
Ich weiche nicht den Hieben,
In meine Buchten fließen Brandungsschmerzen.
Siehst Du den besternten Felsen,
Lichtvoller Spiegel meines Schreis:
Du zerreißt die Nacht in mir,
Hell wird mein Herz und klar.
IV.
Ich tauche ein in die Mitternachtssonne,
Die Du über den Sturm der schwarzen Wellen legst.
Ein letzter Schrei im reißenden Strudel,
Ich seh' Dich am Ende des Schmerzes
Und spür' Dich am Morgen der Lust.
Du wirfst mich in den Angststrom
Und Du erlöst mich auf dem Grunde des Meeres,
Ein Stern, der sich in goldener Nacht löste
Und im bergenden Wasser über mein Schicksal wacht.
Nun strahlst Du aus den Tiefen
Und ich gleite sehnsuchtstrunken zu Dir,
Vorbei an den schwebenden Stachelrochen,
Den Vorboten Deiner erhabenen Grausamkeit.
V.
Ich sinke in die Fluten Deiner Arme.
Und Dein Blick heilt den Schmerz,
Der auf meinen Wunden liegt.
(c) Malaparte
Über den Autor: Malaparte lebt in Berlin, studiert neuere deutsche, spanische und englische Literatur und schreibt z.Zt. an seiner Magisterarbeit über den expressionistischen Lyriker Georg Heym.
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