Spacer Januar & Februar 2009: Lesungen & Veranstaltungen in Henris Bar, Berlin
Mit vielen neuen und besuchenswerten Terminen wartet "Henris Bar" Berlin zum neuen Jahresstart auf. Unsere Empfehlung am 25.02.2009: die Lesung "Blut zu Blut". Die junge Autorin Silberne Klinge liest ihre Kurzgeschichten, die tief unter die Haut gehen. Einlass ab 20h; Eintritt frei – Spende erbeten. Dies und mehr unter http://www.henris-bar.com/

 

 

 

 

LustSchmerz Story Preis 2002


Sonderpreis besondere Geschichte
"Wirkliche Sehnsucht"
Autor: Axel

Ich bin nackt. Zum ersten Mal in meinem Leben. Nackt, das ist mehr als ausgezogen sein. Mehr als die bloße Haut offenbaren. Mehr als Scham zu fühlen. Nackt ist tiefer. Nackt ist unter der Haut: Nackt in meinen Muskeln, die unkontrolliert und losgelöst von meinem Wollen zucken. Nackt in meiner Brust, in der mein Herz eben noch Erdbeben veranstaltete, das plötzlich ruhig und schlummernd schlägt. Nackt im Kopf, in dem meine Gedanken Purzelbäume schlagen - in der es keine Sicherheit gibt, ob ich noch in dieser Welt bin. Und ob diese Welt noch zur Wirklichkeit gehört. Jetzt bin ich nackt - überall. Und allein.

Ich bin seit einigen Minuten - oder sind es Stunden? - allein. Und erst jetzt wandern meine Augen noch einmal durch den Raum: Holz an der Decke. Holz auf dem Boden - Schiffs-Parkett. Die Wände weiß. Und mittendrin - wie gesagt - ein nackter Körper. Meiner. Die Hände über meinem Kopf gekettet, mit einem Flaschenzug so weit nach oben gezurrt, dass die Schultern zu schmerzen beginnen, dass mein Kopf sich kaum bewegen kann, darunter mein nackter, fühlender, jeden Schmerz erlebender Körper, auf dem sich die Reste des Erlebten bemerkbar machen:
der schweiß unter meinen achseln ist wie brennen in der kühlen luft, die jede pore meines körpers atmet, tau der feuchtigkeit von lust allüberall in meinem gesicht, noch immer schmeckt meine zunge, bitter und süß und das trocknen des nassen lässt meine haut allmählich zur wüste verdorren, auf der sich brennend rote striemen wie schäumende flüsse durch meinem rücken wühlen, auf meiner brust, meinem körper hebt das längst gekühlte wachs sich ab wie schwarze, ausgetrocknete berge, an meinen brustwarzen das stechen der klammern, daran kleine ketten, an deren ende die silbernen gewichte baumeln - beweise der erdanziehung in meiner schwerelosigkeit - mein glied, in dem eben noch das leben pulsierte, dass sich nicht entladen durfte, hängt erschlafft an meinen schenkeln, ein aktiver vulkan mein anus, rot und bis in mein innrestes hinein pulsierend, hilflos gespreizt meine Beine, an denen ebenfalls ketten die an den gelenken zerren, um mich herum die kühle, auf mir das schwüle schaudern, in mir die unwirklichkeit, die nacktheit, die freiheit. Endlich frei.

Diese hilflose Situation, in der ich gerade mich befinde, kannte ich bislang nur als Traum. Eine sanfte Sehnsucht. Einer dieser teuflischen Sehnsüchte, die man unerfüllbar weiß: So wie jene, eines Tages auf dem Mond landen zu können und die Welt aus dem Universum zu betrachten oder wie die, ein Leben führen zu können, in dem es keine Regeln, keine Grenzen gibt, ein Leben, das nur der Lust folgt, keinem anderen Menschen, keinem Zwang - außer dem freiwilligen, der ein Wollen ist. Genau so schien mir auch die Sehnsucht, dass ich einmal so nackt, allein, verloren, mitten in einem Raum stehen würde - unerfüllbar.

Ach so, wer ich bin: wohl das, was man einen "normalen Menschen" nennt. Nicht hässlich - aber trotzdem eben normal. In einem dieser Internet-Kontaktmärkte würde ich schreiben: 1.80, 70 Kilo, kurze haare, blaue Augen, Brillenträger, Einzelkind, Links-Onanierer, und Kaffeetrinker. Wie gesagt, nichts Besonderes. So 08/15 wie mein erotisches Ich: ein Spätzünder, erste Freundin mit 18, erster Geschlechtsverkehr mit 19, dann einige Freundinnen, einige Abenteuer - zuweilen beides zur gleichen Zeit. Aber die bedingungslose Liebe kannte ich nur aus Büchern. Besonders gern habe ich Michel Houellebecqus "Elementarteilchen" verschlungen. Hier lernte ich ein für alle Mal auf erschreckende Weise, dass der Wille des Geistes und die Sehnsucht der Körpers nur schwer unter einen Hut zu bringen sind - nicht, ohne den genetisch geklonten "Zufriedneheitsmenschen". Und der schien für mich weit und breit nicht in Sicht. Also haben mein Geist und mein Körper einen Kompromiss geschlossen - sie haben sich arrangiert. "Ausgewogenes Sexleben" nennt man das wohl. Ganz normal eben.
Von Catherine Millet, der noblen französischen Kunstkritikerin, die mich in ihrer erotischen Biografie "La vie de Chatherine M." in Pariser Swinger-Clubs mitgenommen hat, die sich vor meinen lesenden Augen von allerhand Männern auf allerhand Arten hat vögeln lassen, schien mir - obwohl sie es erlebt hatte - eher utopisch. Literatur, beschloss ich, zeigt nur den Mythos des Sex: Eine verführerische Welt, ähnlich wie das Internet, in dem ich mir so manch gut verschnürtes, geschlagenes und gedemütigtes Mädchen angesehen habe - immer wieder sah ich die nackte frau, die wie ein stück fleisch auf einem haken hing, gespreizte beine, rasierte scham, feucht von - ich weiß nich was - am ganzen körper, auf der ganzen haut, rdcht große brüste, großer hof, an den nippeln mausefallen, ihr gesicht, die roten haare, datunter ein verzerrter mund, und doch glücklichkeit, nackt schien sie - und gefesselt frei. In meiner Sehnsucht hoffte ich, einmal - nur für eine Nacht - sie sein zu dürfen.

Aber - wie gesagt - meine Welt war säuberlich in wirkliches Leben und virtuelle Sehnsucht getrennt: das eine erlebte ich der Frau neben mir im Bett, das andere bemühte ich zum Onanieren - welches Glück größer ist? Ich weiß es nicht. Wirklich befriedigend war beides auf jeden Fall nie: Ich wollte eine Welt, die größer war als mein Leben - in der das Leben fühlbarer ist. Und diese Welt war für mich die Oper. Und hier traf ich sie dann, die Frau, die plötzlich wie aus meiner Sehnsuchtswelt in die Wirklichkeit geschwebt kam - und mich erlöste.

Es war eine Premiere von "Tristan und Isolde". Und ich sah sie zum ersten Mal im Foyer. Sie telefonierte am Handy. Eigentlich war sie nur Augen und Mund - und der hatte gerade ein kühles Lächeln für mich übrig. Als das Licht im Saal erlosch, war der Platz, links neben mir frei - der einzige im ganzen Theater. Und ich sah, wie sich eine Frau durch die Reihe drängte: vornehm, höflich - "Entschuldingen Sie" - Platz für Platz kam sie auf mich zu. Vor mir lächelte ihr Mund noch einmal flüchtig: nun sah ich sie zum ersten Mal richtig an, ihre dunklen, Haare, die bis zur schlanken Taille reichten, ihr schwarzes, hautenges Kleid, unter dem sich kleine Brüste und große Nippel abzeichneten, darunter trug sie Lederstiefel mit schier unendlichen Absätzen. Und als mein Auge an ihrem Lächeln hängenblieb, ich ebenfalls lächelte, spürte ich eine kleine Implosion - und ich war sicher, sie spürte sie auch. Diese Welt, die gerade zwischen uns explodierte.

Die Ouvertüre von "Tristan und Isolde" ist ein musikalisches Vorspiel: aus dem Nichts schaukeln sich zwei Klang-Körper in Lust - und bleiben kurz vor dem Orgasmus, vor der erfüllenden Harmonie, stehen. Unerfüllt. Dieses Vorspiel dauert fast eine viertel Stunde. Und ich roch den milden, moosigen Duft auf der Haut meiner Nachbarin. War betäubt. Meine Sinne losgelöst. Im Rausch. Ich schloss die Augen, und das musikalische Vorspiel vor geschlossenem Vorhang wurde zum Film - zu meinem Film:

Da waren bei ihr - warum weiß ich nicht. Und wie wir dahin gekommen sind ist ein Geheimnis. Ein Blackout. "Zieh Dich aus", sagte sie. Und ihre Stimme klang souverän, dunkel, rauchig und gleichzeitig zerbrechlich, zärtlich. Sie hatte Ihre Stiefel anbehalten. Daraus wuchsen ihre Beine - schlank, etwas muskulös, sie trug schwarze Strümpfe. Ihre Scham war nackt: die harten, glänzenden und gelockten Haare unrasiert, und trotzdem waren die Lippen zu sehen: rot und feucht. Darüber ihr schlanker Bauch, ihre Brüste, klein, mit großem dunklen Hof, auf dem sich kleine, gänsehautartige Erhebungen abhoben, ihre Brustwarzen waren groß und fest, ihre Augen sahen mich an - die wärme des braunen Paares hat sich in eisige Kühle verwandelt, die dunkeln Haare, sie waren schwarz, nicht brünett, wie ich noch im Foyer dachte, hatte sie hochgesteckt, ihr Mund spuckte die Silben, die sie sprach schneidig aus: "Zieh Dich aus. Ganz."
Wie ferngesteuert legte ich meinen Anzug ab: die Krawatte, das Jackett, das Hemd, die Socken, die Schuhe, die Hose. Und als ich mich auszog, schien mir die Situation unwirklich: Gibt es die Frau, das Gegenbild meiner Phantasie, die Herrin, die das verlangt, das ich ihr geben will - eine Frau, die zu mir passt wie ein Lego-Stein auf den anderen? - Gibt es die Welt der Sehnsucht in unserer Welt?
Ich konnte es nicht glauben. Und zog auch meine Unterhose aus.
"Lege Dich hin. Ich will, dass Du gleich am Anfang alles von mir hast - mein Innerstes", sagte sie.
So lag ich auf ihrem kalten Schiffs-Parkett, als sie ihre Schenkel über mein Gesicht beugte, als ihre Vagina näher kam, als ich jedes Haar sah und den Ursprung der Welt, ihre Scham: so feucht, so rot, so weich.
"Leck mich", befahl sie. Meine zunge wanderte in ihren feuchten schoß, schmeckte die welt, das sein, das alles, bitter, und doch so süß und mein kopf schrie schweigend JA und meine lippen berührten ihre lippen und meine zunge drang in ihren körper, leckte ihren anuns, schmeckte auch ihn, noch bitterer, noch süsser, nässe überall, mein speichel, ihre säfte alles eines und mein gesicht und ihr schoß wurden eines, eine welt, ein meer der sinne, das sie zum stöhnen, mich zum wahnsinn schaukelte, bis ich einen anderen geschmack schmeckte, ihren saft, ihren sekt, auf meinen lippen, der an meinen wangen herunterlief über meine brust, über meinen bauch, durch meine haare, in meine nase - "Trink!" - hörte ich sie sagen und trank und schluckte und spürte ihr innerstes in mir und sie in mir, und meine zunge in ihr, und sie hörte nicht auf, mir von ihrem saft zu geben, den ich überall spürte, überall, überall, überall, dreckig und säubernd - meine sehnsucht war übergelaufen, mein fühlen allüberall, und alles für sie.

Dann stand sie auf. "Bleib liegen", sagte sie, strich mir mit der Rückseite ihrer Hand über die Wangen - ich bebte: "Das war mein Geschenk. Ich habe es Dir gegeben. Nun musst Du es Dir verdienen." Ich war noch benommen, schmeckte sie überall und wusste nicht, ob sie wirklich gesprochen hatte. Dann hörte ich sie fragen: "Willst Du mein Sklave sein?" - Und ich hörte mich antworten: "Ja". - "Ja, Herrin", korrigierte sie mich, "meinen Namen wirst Du nicht erfahren - nenne mich Herrin, Axel. Sklave Axel." Und meine Wange brannte - sie hatte mich geohrfeigt. "Ich will einen Tee." Nackt, überall auf meiner Haut ihren Geruch, ihr feuchtes Innerstes, ging ich in die Küche. Machte einen Tee. Servierte ihn auf einem silbernen Tablett. Nackt. Und glücklich.
Sie nahm ihn, ohne mir zu danken.

Ich kniete vor ihren Füßen. Sie trank den Tee. Nichts passierte. Waren es Stunden? Minuten? Sekunden? Für mich war es eine Welt. Ich schien sie nicht zu interessieren. Sie trank den Tee, las in einem Buch. Ich traute mich nicht, mich zu rühren. War gefroren. An mir trocknete ihr Sekt - das war das einzige, was ich spürte. Sie hatte "Tristan und Isolde" aufgelegt. Es war wunderschön.

"Sklave", sagte sie, "ich will die ansehen. Steh auf." Dann führte sie mich in einen Raum: weiße Wände, Holzdecke, Schiffs-Parkett. In der Mitte baumelte eine silberne Kette von der Decke, am Boden zwei Eisenringe. Sie fesselte mich: die Handgelenke, die Füße. "Dur wirst beweisen, dass Du Wert bist, mir zu dienen", sagte Sie, "du wirst Schmerz fühlen - Schmerz, den Du für mich fühlst." - "Ja Herrin", sagte ich. Und sie zog meine Arme an der Kette, bis meine Füße den Widerstand der Eisenringe spürten. Mit einem Tuch verband sie mir die Augen. Und ich spürte nichts. War ich schon allein? Ich begann, zu fühlen, dass der Raum von einer Aura durchflutet wurde - ich spürte, dass sie da war. Aber ich merkte sie nicht. Nicht ihren Atem. Nicht ihren Körper. Nur ihr Sein - in mir. Ich war allein und doch bei ihr.

Der erste Schlag war schmerzhaft. Er traf meinen Po: stechend, knallend, hart, das erste mal, dann eine pause, der zweite schlag, darauf sofort der dritte, vierte, fünfte - zehn mal schlug sie, und ich spürte das blut pulsieren, dann spürte ich nichts, außer des stechens, mein herz raste, mein atem wurde lauter, und ich wusste, dass sie ihn hörte, dass sie ihn aufsog, "FÜR MEINE HERRIN! Sag das bei jedem schlag", befahl sie und schlug zehn weitere male "FÜR MEINE HERRIN", stöhnte ich, und wusste, dass ich ihr meinen schmerz schenkte, das peitschen ging weiter, zehn weitere schläge auf den po, zehn auf den rücken, zehn andere, dannn das kalte stechen des eises, die kühlung, die beruhigung, beruhigung, stehengebliebene zeit, dankbar, dass sie meinen körper rast gönnte, und wieder ließ sie mich allein, allein, ganz allein mit meiner freude, ihr dienen zu dürfen, dann spürte ich das wachs - heiß, brennend heiß, zunächst auf meinen armen, auf meiner brust, auf meinem glied, auf der vorhaut, dann auf der eichel, zucken bis ins gehirn, sicherungen brannten durch, dann wieder zehn schläge zwischen die beine - nie, nie habe ich einen solchen schmerz gefühlt, mein steifes glied, meine gestrafften hoden veruchten den schlägen zu entkommen, sie wehrten sich - vergebens - und jeder schlag war pure lust und pures leid - für sie, die konzentration, meine lippen zu formen für den satzt "FÜR MEINE HERRIN" fiel mir schwer, sie sagte "ich hör dich nicht", ich wiederholte es, sie schlug weiter, ich schien der welt abhanden zu kommen, roch ihren sekt an meinem körpern, spürte ihre schläge auf mir, und wieder hielt sie inne, lange, sehr lange, eine ewigkeit.

Ich hatte meine Gedanken wieder gewonnen, das Eis kühlte mich. "FÜR MEINE HERRIN", murmelte ich noch immer, obwohl sie nicht mehr schlug. Obwohl sie meinen Körper in Frieden ließ. Weil sie längst bei mir war. Sie wusste, dass ich ihr gehörte. Und sie nahm mir die Augenbinde ab und streichelte meine Wangen - mit der Rückseite Ihrer Hand. "Das war sehr gut", sagt sie, "Ich mag Dich. Sehr gut." Ich lächelte. Sah ihren Körper: ihre Brustwarzen waren noch immer sehr hart. Sie war wunderschön. Ich war bei ihr. In ihr. Und sie in mir. Dann sagt sie: "Ich werde dich für mich reinigen." Sie rasierte meinen Körper: zärtlich rieb sie den Schaum in meine Achseln, ich spürte ihre langen, weichen Finger, auf meiner Brust, an meinem Glied, dann die stählerne Klinge, sie spülte die Haare, den Schaum mit kaltem Wasser, und begann die Prozedur von vorn. Nackter konnte ich nicht werden. Nackt für sie.

"Leck mich noch einmal", sagte sie - und es klang weniger herrisch, fast zärtlich, "und berühre meine Brüste." Ich tat es. Und war erregt. Meine Zunge spielte in ihrer Lust, sie saß auf mir, ich war glücklich - in ihr. Während ich sie leckte träufelte sie Wachs auf meine rasierte Brust, auf meinen rasieren Penis, der explodieren wollte, es aber nicht durfte - für sie. Sie wusste, dass ich kommen wollte. Und sie wollte mich nicht lassen. Mein Körper verlangte nach Erlösung. Das Blut hämmerte, die Hoden standen vor der Explosion - aber sie berührte sie nicht. Allein mein Gesicht wurde befriedigt, ich leckte ihren Anus. Wieder war Ihre Feuchtigkeit wie ein Tau über mir. Überall. Sie losch die Kerze, ließ sie ein wenig kühlen und schob sie in meinen Po - langsam erst, dann mit einem Stoß tief, sehr tief. Eine Explosion, die ich bis in meinen Kopf spürte: dumpf, hart, schmerzhaft - schön. "Ich liebe Dich", sagte sie, und führte die Kerze ein und aus. Mein Körper wehrte sich - ich war wahnsinnig. Und sie holte sich ihre Lust mit meiner Zunge. Dann machte ich Ihr einen Tee.

Es war spät. Ich weiß nicht wie spät. Zeit spielte keine Rolle mehr. Stunden, Minuten, Sekunden - alles nur tickende Grenzen für eine Welt, in der ich mich längst nicht mehr befand. Ich war in der Grenzenlosigkeit: Wirklichkeit, Traum, Sehnsucht, Erleben, Fühlen - alles eines. Als sie mir befahl: "Komm!" Wieder hängte sie mich in ihre Ketten. Dann spürte ich, dass ihre Finger meine Brustwarzen nahmen - hart, kaltes Metall, stehender Schmerz. So ließ sie mich stehen. Und ging. Schloss die Tür. Ich war allein. Nackt. Alles, was von ihr blieb, war die Erinnerung: der schweiß unter meinen achseln ist wie brennen in der kühlen luft, die jede pore meines körpers atmet, tau der feuchtigkeit von lust allüberall in meinem gesicht, noch immer schmeckt meine zunge, bitter und süß und das trocknen des nassen lässt meine haut allmählich zur wüste verdorren, auf der sich brennend rote striemen wie schäumende flüsse durch meinem rücken wühlen, auf meiner brust, meinem körper hebt das längst gekühlte wachs sich ab wie schwarze, ausgetrocknete berge, an meinen brustwarzen das stechen der klammern, daran kleine ketten, an deren ende die silbernen gewichte baumeln - beweise der erdanziehung in meiner schwerelosigkeit - mein glied, in dem eben noch das leben pulsierte, dass sich nicht entladen durfte, hängt erschlafft an meinen schenkeln, ein aktiver vulkan mein anus, rot und bis in mein innrestes hinein pulsierend, hilflos gespreizt meine Beine, an denen ebenfalls ketten die an den gelenken zerren, um mich herum die kühle, auf mir das schwüle schaudern, in mir die unwirklichkeit, die nacktheit, die freiheit.

Endlich frei.

"Tristan und Isolde" - das ist die Geschichte einer verbotenen Liebe. Eine jenseitigen Liebe. Einer Liebe, die ihren Orgasmus nicht im Diesseits findet. Am Ende des ersten Aktes schaut mich meine Nachbarin an, die Dame mit dem schwarzen Kleid, den langen, dunklen haaren, den braunen Augen, den kleinen Brüsten, den harten Brustwarzen, ihr Mund lächelt wieder: "Du bist ein guter Sklave", sagt sie. "Lass uns gehen."

P.S.: Bislang ist dem Autoren dieser Geschichte klar, dass auch diese Worte, die er schrieb, nur eine Geschichte sind. Eine Sehnsucht. Er bleibt normal: 1.80, 70 Kilo, kurze haare, blaue Augen, Brillenträger, Einzelkind, Links-Onanierer, und Kaffeetrinker. Hört sich an wie eine Kontaktanzeige im Internet-Forum. Ist es auch. Die Hoffnung bleibt, dass Sehnsucht und Wirklichkeit sich in dieser Welt finden.

(c) Axel

Über den Autor: Axel, 30 Jahre alt aus Berlin.
"Heute Nacht oder nie! - dann lieber heute Nacht, dachte ich und schrieb."

 

 
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... finden sich selten auf der Strasse oder am Arbeitsplatz. Sie treffen sich meist im Internet durch konkretes Kennenlernen. Step by Step, weil die Liebe einschlägt, oder man einfach so verdammt gut miteinander sprechen und spielen kann. Man kann sich dafür 1000 Nächte mit bunten Fakes um die Ohren schlagen, oder dort suchen, wo sich Menschen nicht scheuen, Ihren Realnamen zu hinterlegen. Optimale Sicherheit und Ehrlichkeit für private Frauen und Männer mit realem Partnerwunsch bietet bisher nur die LS Community. Aber das verwundert ja nicht wirklich, oder? >>
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