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Im Grabe würden sie sich herumdrehen, Herr Sacher-Masoch und der alte Marquis de Sade, die Enfants terrible ihrer Zeit, wüssten sie von uns Millennium-Perversen, von der SZENE die sich um ehemals gejagte Leidenschaften entwickelt hat.
Im Grabe würden sie sich herumdrehen, angesichts der Subkultur SM wie sie heute besteht, abgesichert durch Ampel- und Sicherheitscodes, "vereinsgemeiert" durch Stammtische und Selbsthilfegruppen, weichgewaschen zum lustigen Partyevent mit ominösem Dresscode .
Schrieb gestern noch der böse Marquis mit Herzblut und Feder seine perversen Gedanken im zugigen Kerker der Bastille nieder, so hackt heute der aufgeschlossene Sadomasochist im gepflegten Reihenhäuschen seine gefilterte Empfindungsflut per PC auf unzählige Mailinglisten.
Und das ist gut so ! Wäre ich in meinen Träumen auch gerne eine weise Frau mit Hexenoption zur Zeit der hohen Minne, oder Miss Kitty als Saloon-Superfeger im wilden Westen gewesen.... - wir alle haben das große Glück , zu einer Zeit der unbeschränkten sexuellen Möglichkeiten zu leben. In Kombination mit unserer Informationsgesellschaft, dem Geist "neue Medien" der in Internet & Co. sein (Un-)Wesen treibt, ergibt sich daraus eine unglaubliche Chance der persönlichen Standortbestimmung, der Diskussion, des Austausches unter Menschen.
Und potzblitz, da treffen sie dann aufeinander ! Erfahrene Besserwisser und unsichere Einsteiger, die Harten und die Verspielten, die Bodenständigen und die Intelektuellen, die Klugen und die Naiven, die Lauten und die Leisen.
Die Glücklichen und die Unglücklichen begegnen sich ebenso wie die Suchenden und die Gefundenen.
Und plötzlich stellt man fest, daß einen da manchmal nicht nur allzu Menschliches trennt, sondern auch die zuvor so vielbeschworene Sexualität.... Ein wildes Szenario SMiger Theaterinszenierung wird geboten, in Anbetracht der Unterschiedlichkeiten:
Fetischisten gegen langweilige "nur LederhosenTräger"
Devote gegen Masochisten,
DS Lebensformen gegen Lifestyle-SM,
Einseitige gegen Switcher,
Geoutete gegen heimliche Smler,
Treue gegen Promiskuitive,
jeder möchte mit seiner Neigung wahrgenommen werden und der Gummipuppenmann und die Ponyfreunde stehen sowieso abseits jeder durchschnittsSMigen Vorstellungskraft, oder ? Ein großer Schwarm schwarzer Vögel... und da hackt gerne mal eine Krähe der anderen ein Auge aus.
Menschen unter sich. Die Gemeinsamkeit, daß wir alle die "phantasievoll-härtere Gangart" bevorzugen, ist eben nicht automatisch Garantie für eine harmonische Gruppe, für gleiche Interessen, für die selbe Art der Kommunikation. Und schon gar nicht für die Einklagbarkeit des geknechteten Wörtchens Toleranz.
Keine Randgruppe dieser Welt bekommt ein "Toleranz-Gen" gleich mitgeliefert. Dies zu erlernen, scheint mir in Wahrheit die große Herausforderung der Subkulturen - welcher Couleur auch immer - zu sein.
Und so wahnsinnig schwer ist das gar nicht, in Anbetracht der wunderbaren Menschen, die man in unserer Szene eben auch treffen kann. Manchmal reicht es schon aus, sich zurückzulehnen, die Außenwelt wegzusperren und SM jenseits aller Diskussionen mit Lust zu genießen, als Session oder einfach nur als geilen Fick. Glück macht zahm im Umgang mit Anderen. In diesem Sinne.... geniesst Euch!
(c) Andrea Schneider
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