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Axel Tüting, SM Kabarettist und Pantomime , Jahrgang 1957, lebt in Hannover. 1997 Gründer des AK SM & Kultur Hannover, Redaktionsverantwortlicher der Zeitschrift PriS/Ma bis Ende 1999 Erfolgreicher Pantomime seit 1981. Jetzt Kabarettist mit 1.Programm "Das tut weh"
LS: Axel, Du warst jahrelang ein erfolgreicher satirischer Pantomime, hast Dir in diesem Genre einen Namen gemacht, aber dann der Bühne für einige Zeit den Rücken gekehrt. Warum?
Axel Tüting: 1990, mit dem Mauerfall, dem Ende vieler fortschrittlich denkender Bewegungen und schließlich (endlich!) dem Ende der Kohl-Ära lief es mit satirischen Inhalten nicht mehr so gut. Hinzukommend ein neues Proramm, daß ich dringendst hätte machen müssen und dem Verlust der künstlerischen Power, habe ich 1990 das erstemal aufgehört. 1995 versuchte ich ein Comeback - mußte aber leider feststellen, daß das Publikumsinteresse an Pantomime und Satire nicht mehr all zu hoch war; immer weniger Veranstalter da waren; Gage kaum noch gezahlt wurde ...
LS: Nun kehrst Du als SM Kabarettist auf die Bretter, die die Welt bedeuten zurück, jonglierst mit Worten, Stimme und konkreten Inhalten. Wie kam es zu dieser künstlerischen Veränderung und was reizt Dich an dieser neuen Herausforderung?
Axel Tüting: Also erst einmal habe ich seinerzeit mit Theaterspielen, Songgruppe und Liedermacher angefangen. So neu ist das also nicht. Generell habe ich einfach Lust, mal was anderes zu machen. Es gibt so viele Variationen und Möglichkeiten in der Kunst, die mich reizen. Gefühlen und Gedanken mit einer Vielzahl an Momenten Ausdruck geben.
Nicht festlegen, nicht still stehen. Weiter entwickeln. Ausloten. Ein paar Stichworte, die nicht nur meine Kunst prägen. Wenn ich Lust habe und es sich irgendwie ergibt, möchte ich beispielsweise mal ein Stück mit freier Bewegung/Tanz/Performance machen. Ich hätte auch große Lust mit anderen Künstlern oder Interessierten zusammenzuarbeiten. Je verrückter die Zusammensetzung, je spannender.
LS: Und die "Bretter"? Was bedeuten sie für Dich, was passiert beim ersten Schritt ins Scheinwerferlicht?
Axel Tüting: Es geht schon viel früher los. Dieses kribbeln im Rücken - ein wohliges Gefühl, bei gleichzeitiger höchster Anspannung und Konzentration. Und kurz vor dem Auftritt: Ein letztes Insichgehen - und wenn Du dann den Kopf hebst, atmest Du tief ein - atmest Du Theaterluft ein.
Und dann gehst Du raus! Dann gibt's nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder Du implodierst. Oder Du gehst nach vorne los... Der größte Lohn: Der Applaus - das Brot des Künstlers. Und wer das einmal erlebt hat, der kommt da nie wieder von los. Das ist wie eine Droge. Aber eine konstruktive...
LS: Dein Partner im Hintergrund ist Theo Doll. Viele Texte habt ihr gemeinsam entwickelt und erarbeitet. Wie funktioniert dieses Team in der kreativen Praxis? Wie setzt ihr Eure gemeinsame Arbeit um?
Axel Tüting: Theo kommt von der textlichen Seite her. Hat in der Vergangenheit immer wieder Veröffentlichungen in Zeitungen und Bücher gehabt. Ergo ideal als Texter. Darüber hinaus liegt ihm das Organisieren. Das macht ihm soviel Spaß, daß er freiwillig den mir verhaßten Managerpart übernimmt.
LS: "Das tut weh" ist erotisches Kabarett mit starken SM Anteilen. Auf der Bühne persiflierst Du Szene und Spielmomente, überzeichnest Herren- und Sklavengeschichten. Welche Bedeutung hat SM für Dich privat?
Axel Tüting: lacht Wie es immer so schön heißt: Ich bin praktizierender SMler. SM ist eine sehr schöne, faszinierende und spannende Variation der Erotik. Seit dem ich offen mit meinen Neigungen umgehe, habe ich das Gefühl reicher geworden zu sein.
LS: Auf der Bühne erlebt man Dich zunächst als harten "Superdom", aber sehr schnell präsentiert sich ein hintergründiger, auch leiser Feingeist. Du lässt Deine Zuschauer an starken Emotionen teilhaben und konfrontierst sie mit ihren eigenen. Wer ist der Mensch Axel Tüting außerhalb seiner Rolle? Wie würde er sich selbst beschreiben?
Axel Tüting: Das überlasse ich viel lieber anderen und überrasche sie dann anschließend damit, daß ihre Schublade irgendwie nicht paßt. Aber grundsätzlich sei gesagt, daß auf der Bühne viel von mir ist. Ungefähr genauso viel, wie ausgedachtes... ;-) Grundsätzlich spiele ich aber nur Dinge, die ich auch nachvollziehen kann und, zumindest irgendwie, verstehen kann.
LS: Dein Engagement findet sich seit Jahren in der "SM Szene", die Du mit Deinem Programm auch karikierst. Welche Bedeutung hat die "Szene" für Dich und wie sind Deine Erfahrungen mit ihr?
Axel Tüting: Ich kam zu einem Zeitpunkt in die Szene, in der ich meine Neigungen bereits in der Öffentlichkeit zeigte, wenn es denn hätte sein müssen. Da ich selbst aber ziemlich lange brauchte, um damit offen umzugehen und auch wußte, wie schwer das manchmal ist, dachte ich mir, jetzt arbeitest Du in der Szene mit, vielleicht kannst Du irgend jemanden irgendwie helfen, damit besser umzugehen. Die Erfahrungen, die ich selber gemacht habe, sind sehr unterschiedlich. Von ganz toll bis ziemlich mies. Generell halte ich die Szene aber für etwas sehr wichtiges und notwendiges.
LS: Aktuell hast Du mit [SM+E(k)A] (Sadomasochismus & erotische Kunst / sadomasochism & erotic art) ein neues Projekt in Arbeit. Worum geht es dabei?
Axel Tüting: Um sadomasochistische und erotische Kunst. lächelt verschmitzt Im AK SM & Kultur hatten wir einige schöne Kontakte zu einigen sehr interessanten Künstlern. Ich fand's einfach Schade, diesen Aspekt so einfach aufzugeben und versuche gerade das Projekt [SM+E(k)A] zum laufen zu bringen. Um Künstlern im erotischen Bereich, ein Forum anzubieten.
Das Gespräch führte Andrea
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