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LustSchmerz Konkret: Bondage


Bondage Special Teil 1 von Robert

OK, was ist überhaupt "Bondage"? Wie gesagt: Ein Partner (der Top) schränkt den anderen (Sub oder Bottom genannt) - mit dessen Einverständnis natürlich - zu erotischen Zwecken in seiner Bewegungsfähigkeit ein. Dafür gibt es eine Menge an Hilfsmitteln: Handschellen, Lederfesseln, Zwangsjacken, etc. Aber wenn man von "Bondage" im engeren Sinne spricht, meint man eigentlich immer "Bondage mit Seilen".

Warum Bondage? Wer das ernsthaft fragt sollte den Artikel vielleicht überspringen - oder einmal einer Bondage Session zuschauen. Vielleicht so viel: Sich innig miteinander beschäftigen, sich vertrauensvoll in die Hände des liebenden Partners begeben, Reduktion auf das eigene Empfinden, Urlaub von der Selbstkontrolle, hilflos, aber umsorgt abschalten dürfen, unausweichlich (in diesem Sinne des Wortes) von kundiger Hand in die Ekstase geführt werden, Entschweben, Trance - und auf der anderen Seite Macht, Freude am Können, Freude am Genuß des Sub, … das und vieles mehr wird man von Bondage-Fans hören. Und es wird für jeden etwas unterschiedlich sein. Kommen wir schon zum ersten Stichwort - vielleicht zum Wichtigsten:

Kicks: Damit eine Bondage-Session schön und geil wird, müssen wir wissen, worum es Sub (und auch Top) geht. Um Fesseln und Seile? Nicht in erster Linie, denn eigentlich geht es um Gefühle. Um welche? Das ist der Punkt. Es gibt nämlich sehr viele unterschiedliche Kicks und die bedient man natürlich auf unterschiedliche Weise. Diese Kicks gilt es herauszufinden. Und zu kennen. Unerlässliches Hilfsmittel dabei: Reden, reden, reden. Vorher und nachher. Selbst beim gleichen Partner müssen es nicht jeden Tag die gleichen Kicks sein. Und mehr als einer ist es sicher auch. Die wichtigsten sind:

· Auslieferung, Überraschung:

Ja, es ist schon ein Kick, nicht zu wissen was kommt. Allen Phantasien und Einfällen des Partners hilf- und wehrlos ausgeliefert zu sein. Gefühle zwischen Erwartung und gruselig-schöner Angst treiben Blut in relevante Körperregionen. Das Abgeben der Initiative ist hier der Kick und die Phantasie des Top ist gefragt, um die Spannung nicht abreißen zu lassen.

· Kontrollverlust, Enge, Trance:

Hier genießt Sub den Verlust der Kontrolle, die Reduktion der Sinneseindrücke, die Bewegungsunfähigkeit, ein besonderes Körpergefühl. Der Blick kehrt sich nach innen, läßt Sub in innere Welten abtauchen. Das werden wir vor allem mit wirklich engen (aber nicht schmerzhaften) (Ganzkörper-) Bondage-Techniken erreichen. Weitere Aktivität würde stören. Ruhe, wenig Licht, Augenbinden, Ohrstöpsel können diesen Effekt unterstützen.

· Ästhetik:

Klar, hier kommt es aufs Aussehen an. Sub findet sich schön, lasziv, geil. Top findet das auch. Ein wirres Seilchaos, Augenbinden und Dunkelheit werden diesem Reiz stören. Hingegen werden schöne Körperformen betonende Symmetrien gut kommen. Genug Licht und Spiegel sind zu empfehlen. Kleidung, Farbe der Seile, etc. werden wichtig sein. Und unter Umständen braucht man gar nichts "fesseln" - ein schönes Ornament aus Seilen am Körper kann für diesen Effekt genügen.

· Symbolik:

Verschnürungen können für die Partner auch Symbole sein - Symbole der Macht, der (lustvollen spielerischen) Unterwerfung, der Objekt-Werdung, etc. Symbole, die Gefühle auslösen. Es reicht vom aus Seilen gefertigten Halsband bis zum nutzbaren Gegenstand (Tische, Sessel,…) aus Sub und Seil.

· Materialgefühl:

Unterschiedliche Seile machen - zusammen mit Enge - unterschiedliche Gefühle auf der Haut. Also kommt's aufs Seil an. Kleidung unterm Seil ist diesem Effekt eher abträglich.

· Intensität:

Ach, auch ihr Partner windet sich gern in Ekstase? Sie bräuchten vier Hände um ihn festzuhalten, damit sie das mit ihm tun können was sie wollen (und er genauso)? Binden sie ihn doch an. Er wird's ihnen danken. Hier sind einfache, zugfeste Fesselungen in sicheren, geraden, unverkrampften Stellungen gefragt, in denen sich Sub auch beim heftigsten Winden nicht verletzten kann.

· Sicherheit:

Ja, es gibt sie. Leute, die auf sehr heftige Praktiken stehen. Und da kann es mitunter eine Frage der Sicherheit sein, Sub entsprechend (sicher) zu fixieren. Wer zielt schon gern auf bewegliche Ziele?

Genug Kicks? Es gibt sicher noch mehr. Wir merken uns: Wichtig an einer Bondage-Session ist nicht das Seil, sondern welches Gefühl wir damit rüberbringen. Und wenn der Partner sagt "fessle mich", dann forsche man auch unbedingt noch nach dem "warum".



Die Bondage-Session

Gutes Bondage beginnt im Kopf. Wenn in der U-Bahn jemand versonnen durch Sie hindurchsieht - vielleicht tüftelt er gerade an einem besonders komplizierten Seilverlauf. Nichts gegen Spontan-Sessions (wenn man's kann), aber Seiltechnik, Ablauf, Umgebung, Licht,… vorher zu durchdenken hat sich bewährt. Es hat ja keinen Sinn, wenn man kunstvoll verschnürt, was man im nächsten Augenblick zugänglich braucht.

Extrem wichtig auch die Zeit. Was 10-20 min lang geil ist, ist vielleicht länger unerträglich und sicher nicht mehr erotisch (ich kenne niemanden mit einem "Eingeschlafene-Hände"-Fetisch). Eine Uhr aufzustellen, um irgendwie eine Schätzung zu haben ist nicht verkehrt.

Leider kann auch der beste Plan sich spontan als unpassend erweisen. Wenn die Stimmung nicht rüberkommt, gilt es, rechtzeitig die Kurve zu kratzen und zu improvisieren. Es muß ja nicht gleich ein dramatischer Abbruch sein. Der Satz "aber reiß' Dich doch zusammen" bzw. ein stures Festhalten am Konzept turnt jedoch extrem ab.

Aber nehmen wir an, es ist alles so schön und geil wie geplant. Irgendwann müssen wir dann doch aufhören. Dann ist nach dem (rechtzeitigen) Aufknoten das zärtliche Runterholen, Auffangen, Ausklingen-Lassen der Trance, Kuscheln, emotional Füreinander-Da-Sein, etc. unverzichtbarer Bestandteil (fast) jeder Bondage-Session. Und Vorsicht: Manche Subs schätzen es gar nicht, zu schnell ausgewickelt zu werden. Sie zum Ausklang in ein bequemeres Bondage zu verlegen kann die Stimmung retten. Nochwas: Erwarte nicht von einem nach einer Session noch glücklich-trancig schwebenden Sub einen sofortigen Kommentar. Die Frage "Und? Wie war's?" ist in diesem Zustand echt nervig. Über Sessions Reden ist extrem wichtig, aber das hat schon 1-2 Tage Zeit.

Wir merken uns: Im Mittelpunkt einer Bondage-Session steht Sub. Und nicht das Seil, und nicht das Skript, und nicht das Publikum, und nicht die Performance und schon gar nicht die Selbstherrlichkeit des Top. Alles klar?

Braucht das nicht Jahre, bis man das kann?

Sicher. Viele Bondage-Könner üben ihre Passion seit vielen Jahren aus. Deren Techniken kann man nicht in einer Stunde lernen. Aber die haben auch alle einmal angefangen. Einfache Hand- und Fußfixierungen hat man bald drauf. Einfache Körperbondage-Techniken auch. Und der Rest ist lustvolles Lernen und Experimentieren. Es ist schon wahr: Übung macht den Meister. Aber der Weg dahin kann viel Spaß machen.

Wichtig ist, daß man das, was man sich vornimmt, auch kann und beherrscht. Ein einfaches Bondage, souverän geknotet, wirkt (auf Sub) sicher besser als ein hilfloses Gefummel mit sehr viel Seil und zweifelhaftem Ausgang.

Hilfe, ich kann keine Knoten!

Die kann man lernen. Und so viele sind es gar nicht. Für einfache Bondage-Techniken braucht man ein, zwei Knotentechniken. Und selbst für komplizierte Aktionen kommt man mit einem halben Dutzend Knotentechniken aus. Aber auf die Knoten allein kommt es gar nicht an. Die Ausführung einer Fesselung, die Verteilung des Zugs und der Last am Körper, die Gleichmäßigkeit von Wicklungen, etc., das sind viel wichtigere Aspekte.

Deshalb muß man die paar wenigen Knoten, die man braucht, schon im Schlaf beherrschen. Ein "Verdammt, wie geht denn der $%^&*-Knoten" kommt in einer Session einfach nicht sehr toppig rüber. Knoten verhalten sich zu Bondage so wie Buchstaben zu Literatur. Man braucht sie, aber sie sollten nicht (mehr) im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.

Sicherheit, Notbefreiung:

"Bondage" ist keine "Extremsportart" und sicher nicht extrem gefährlich. Aber es gibt ein paar wichtige Grundregeln: Daß man einen hilflos gefesselten Sub nicht alleine läßt! Und dass man als Top stets einen Plan im Kopf hat, wie man Sub wenn noetig rasch wieder befreien kann!

Warum? Es sind schon Menschen an einer eingeatmeten Daunenfeder erstickt. Und Kreislaufprobleme und Ohnmacht passieren tatsaechlich relativ haeufig. Ohne Befreiung in Minutenschnelle besteht Lebensgefahr - während das ganze ziemlich harmlos ist, wenn man Sub rechtzeitig losgebunden hat.

Deshalb sollte man fuer den Notfall unbedingt Messer, Gurtschneider, Verbandsschere oder ähnliches bereit haben. Bitte vorher probieren, ob das Ding auch die verwendeten Seile schneidet! Und Vorsicht: Nicht immer ist das rasche Durchschneiden von Seilen eine gute Idee. Wenn Sub in einem solchen Fall mit viel Last in die übriggebliebenen Seile fällt, können ernsthafte Verletzungen entstehen. Es sollte auch der "Notbefreiungsplan" wohldurchdacht sein!

Im zweiten Teil des Specials schreibe ich noch wesentlich mehr über Gefahren und mögliche Verletzungsursachen, aber so viel vorweg: Nehmt das mit dem Notbefreiungsplan bitte ernst.

(c) Robert

Weiter zu Teil 2 des Specials

 

 

 

 

 

 
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