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Wunderschönen guten Abend, Frau Nachbarin. Sehen Sie es mir bitte nach, aber für ein Schwätzle hab ich grad so gar keine Zeit. Ich muss dringend in die Kirche mit unserem lieben Herrgott mal etwas ohne sein Bodenpersonal bereden. Es gibt Situationen, do hilfd ällas bädda nix, do gehairt Mischd no*. Und ich befürchte halt, dass dem Personal von unserem lieben Herrgott bei dem Erstellen von sellem* Beichtspiegel ein Übersetzungsfehler passiert isch.
Sehet Sie Frau Nachbarin, die Sach isch die, mein Dom sagt, dass es seine Nächstenliebe fordert, dass er von mir fordert, dass ich draußen auf der Straße solche Kleider anziehe, die es den anderen Mannsbildern richtig schön erlauben, mir in den Ausschnitt hinein zu schauen. Es wäre schließlich ein Gottesgeschenk, dass ich so einen erfreulich anzuschauenden Vorbau hätte. Und als guter Christ müsse er das was ihm Freude schenkt mit seinen Mitbrüdern teilen. Nicht dass wir uns falsch verstanden, meine Brüstle sollen nicht nackig sein und die andern Männer sollen sich nur in ihren Gedanken und nicht mit ihren Händen an meinen Brüsten erfreuen, also keine unzüchtige Handlungen begehen. Obwohl ich schon zugeben muss, in denen ihren Augen kann ich schon so manches unkeusches Begehren entdecken.
Ma muaß viel lerna, bis mr woiß, wia domm, dass mr isch* und so hab ich jetzt nach einem ausführlichen Studium vom Beichtspiegel ernste Bedenken, ob des was mein Dom sich da von mir aus Gründen der Nächstenliebe wünscht so seine Richtigkeit hat. Den sehet Sie, ich hab ällaweil* denkt, ein guter Christ müsst schon aus Nächstenliebe dafür sorgen, dass die anderen Leut von ihm nicht in Versuchung geführt werden, eine Sünde zu begehen. Und laut Beichtspiegel, ist es eine Sünde, wenn ich mit Wohlgefallen unkeusche Gedanken in mir unterhalte. Aber trotz allem Suchen habe ich nix über das Tragen von Kleider mit großem Ausschnitt gefunden. Ich verstand des so, wenn ich aus Liebe zu meinem Dom, mit so einem Kleidle in der Stadt rumlaufe, dann begeh ich keine Sünd. Wenn mein Dom wiederum nur den anderen eine Freude machen will, dann isch des auch keine Sünde. Aber wenn andere Mannsbilder mir mit unkeuschen Gedanken in Ausschnitt hinein gucken, dann sündigen die und damit hat mein Dom ja auch gesündigt. Sie sehen des isch alles nicht so einfach. Und nachdem mein Dom zwar Pfarrgemeinderat isch, sich aber scheniert* die Frage mit dem Herrn Pfarrer zu diskutieren, muss ich jetzt die Sache gleich mit dem lieben Herrgott direkt klären, denn ich kann mir einfach nicht denken, dass der sich so was verworrenes ausgedenkt hat.
Sie meinen, wer lang frogd, gohd lang irr?* Frau Nachbarin sie könnten recht haben! Wenn mr dädad, wa mr sodad, däd dr Herrgott, wa mr wellat* und es isch eigentlich egal was die dort in sellem Beichtspiegel schreiben. Es heißt nicht umsonst Gott im Herze, a Mädle im Arm, s´erschte macht seelig, s´zwoide* macht warm also kanns eigentlich schon gar keine Sünde sein, wenn es einem schon allein vom gucken warm wird. Und selbst wenn des mit dem rumzeigen von meine Brüstle auch für mein Dom eine Sünde sein solltet, wir sind ja zum Glück keine Evangelischen. Und wir Katholischen wir müssen nicht immer brav sein, wir dürfen sündigen und beichten und büßen und dann isch wieder gut. Ach Frau Nachbarin, des tat jetzt richtig gut ihre Meinung zu hören. So hab ich mir jetzt den Weg in die Kirche gespart.
(c) Josefine Muschdersub
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