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"Der Nächste bitte..." Ärztlicher Rat bei Lustschmerz


 

Cutting und Nadelung

Bei den meisten Menschen löst der Anblick von einem Skalpell das die Haut durchtrennt schon heftige Reaktionen aus. Sowohl ein positives Schaudern als auch beklemmende Gefühle.
Einigen Menschen reicht es nicht, sich diese Bilder im Fernsehen oder auf Fotos vor Augen zu führen, nein, sie wollen es selbst ausführen bzw. fühlen. Haben auf Partys schon mal liebevolle Kunstwerke begutachten dürfen, hielten den Atem an, als eine Brustwarze durchstochen wurde und meinten, es selbst spüren zu können.

Ich möchte heute den Menschen raten, die sich bereits wider meines besseren Wissens dazu entschlossen haben, sich auf dieses "Spiel" einzulassen, um -so weit es möglich ist- wirklich ernsthaften, lebensbedrohlichen Verletzungen vorzubeugen.

Was ist eigentlich ein Cutting?
Ein Cutting ist prinzipiell ein Durchschneiden oder ein Schnitt von und durch ein Medium. Speziell in unserem Fall bezeichnet es hier einen Schnitt durch die Haut.

Was ist einen Nadelung?
Eine Nadelung bezeichnet das Einführen und/ oder Durchführen einer Nadel durch die Haut.

Warum macht man ein Cutting oder eine Nadelung?
Bei den Liebhabern einer solchen Praktik ist es nicht zuletzt der Zauber des ´Verletzen' und ´verletzt werdens´, welcher hier arg um sich greift. Auch ein Blutstropfen der sich hierbei bilden könnte, läßt bei so manchen das Herz etwas höher schlagen.
Manchmal, ich bin mir sogar sicher, wird bei einem "Opfer" eine Nadelphobie ausgenutzt. Nun, solange der passive sich trotzdem einverstanden erklärt und ihm vielleicht gerade seine Phobie den Kick gibt ...

Was brauche ich dazu?
Am Anfang steht der "Patient" und hoffentlich ein nicht blutrünstiger "Doktor". Gut machen sich sehr scharfe Klingen. Es gibt Skalpelle in den verschiedensten Ausführungen. Auch, nach Möglichkeit frisch geschliffene, Messerklingen eignen sich dafür.

Da hier der Mediziner in mir das Auge wirft muß ich persönlich aufgrund mangelnder Sterilität und damit verbundener Infektionsgefahr allerdings klar davon abraten. Nadeln, steril und einzeln verpackt sind in jeder Apotheke erhältlich. Entweder Kanülen oder Akupunkturnadeln.

Was muß ich beachten und wie geht das überhaupt?
Erst ein bisschen Anatomie: Haut ist in den unterschiedlichen Regionen des Körpers unterschiedlich dick von 1.5 bis 4 mm. Am Rücken wesentlich dicker als an Bauch oder Brust. An Arm- oder Bein- Außenseiten dicker als an den Innenseiten.

Eine Unterteilung in 3 verschieden Schichten der Haut und Deiner Kenntnis darüber ermöglicht ein Narben-freies Arbeiten, oder das Hinterlassen von lebenslangen Erinnerungen, nämlich Narben. Außerdem solltest Du Dir darüber im klaren sein, was Du möchtest. Möchtest Du ein Muster, versuche möglichst ohne Bluttropfen zu arbeiten, denn Blut bedeutet zumeist eine Narbe. Willst Du einen ganz bestimmten Schmerz, das Brennen des Schnittes zu Beispiel, setzt das das Erreichen einer bestimmten Schnittiefe voraus.

Die Hautschichten:
1.Oberhaut: etwa o.1 mm dick
2.Lederhaut Träger der Gefäße und Nerven
3.Unterhautfettgewebe In der zweiten Hautschicht, der Lederhaut verlaufen in der Regel die Blutgefäße und die Nerven.

Wenn es also Deinem Opfer weh tut, bist Du in Schicht Nummer 2, und es wird bald rot, durch Blut natürlich. Begnüge Dich mit Schicht Nummer 1!

Cutting
Nebenbei bemerkt ist das Führen des Skalpells für den Ungeübten ziemlich schwierig. Es ist sehr scharf, und wenn sich bei Deinem Opfer vor lauter Aufregung auch noch der Brustkorb hebt und senkt, hast Du gute Chancen alle Schichten zu erwischen. Aber Du könntest vorher ja ein bißchen üben, beispielsweise an einer festen Orange oder auch Tomate um am Anfang die Schnittiefe zu kontrollieren. Bewege Dich sehr oberflächlich, laut Buch ist die Oberhaut in der Regel nur .01 mm dick. Es dürfte doch da einige Schwierigkeiten geben, sich hier an diese Tiefe zu halten, zudem erfordert dies eine ruhige Chirurgenhand.

Manchmal genügt auch schon das feste Auflegen einer Klinge, um in die Oberhaut einzudringen. Selbst hier darfst Du mit einer Rötung rechnen, da die Haut sogenannte Entzündungsmediatoren freisetzt, aber hier ohne Blut.
Sollte dennoch mal ein kleiner Tropfen kullern, don't panik, dann hast Du wahrscheinlich oder hoffentlich eine kleine Papille (Kapillare) erwischt und das ist nicht tragisch. Man kann auch die Spitze einer Kanüle verwenden, um ein Muster in die Haut zu ritzen. Möchtest Du auf den Effekt eines rollenden Bluttropfens auf der Haut nicht verzichten, könntest Du in Erwägung ziehen, einen Wassertropfen statt dessen kullern zu lassen.

Empfehlung:

JA: Schneide in nicht so empfindlichen Regionen wie Schulter, Rücken, Außenseiten von Arm und Bein oder Gesäß, Bauch, Brust ohne die Brustwarze.

NEIN: Vermeide Gesicht, Nacken, Fußsohle und Handinnenfläche, Handrücken.

Auch wenn die Brust oft Objekt der Begierde ist, schneide nach Möglichkeit nicht in die Brustwarze, ebenso nicht in Schamlippen, Hoden oder Penis. Hauptsächlich liegt mir hier an der Vermeidung von Entzündungen der darunterliegenden Gewebestrukturen wie Drüsenkörper der Brust oder den Hoden.

Nadelung
Hier ist der punktuelle Schmerzreiz das Reizvolle. Dabei ist es bei einer Nadelung nicht ganz so tragisch wenn Du in die tieferen Hautschichten gelangst bis auf die Tatsache, daß Du hier schneller einen Nerv treffen kannst. Dein Opfer wird dann einen Stich oder ein Gefühl wie einen elektrische Schlag registrieren oder ein Kribbeln, in diesem Fall ziehe die Nadel einfach wieder heraus und hoffe, daß sie sauber war.

Einige Fragen erreichten mich zu den temporären Piercings, also Nadeln erst gestochen und dann nur für einige Minuten oder Stunden belassen. Wenn sauber gearbeitet wird, daß heißt auch Desinfektionsspray benutzt wird, ist demgegenüber sicher nichts einzuwenden.

Die Vorliebe gilt hier häufig den Brustwarzen, Schamlippen, Hoden und Penis. Alles sehr gut durchblutete Organe, kann also bluten, und das nicht gerade wenig. Einige benutzen Nadelung, um mit Gewichten die Belastbarkeit auszutesten. Haut ist in diesem Falle sehr dehnbar, wenn ihr genügend Haut mit erfaßt habt, wenn nicht kann solch eine Konstruktion auch schon mal reißen.

Beim Setzen einer Nadel darf man natürlich nicht ausser acht lassen, wie tief man sticht. Bedenkt immer, dass Arterien, Nerven und Organe oftmals nicht weit entfernt liegen. Deshalb seht Ihr mich meine Stirn kräuseln. Besonders am Gesäß ist Vorsicht geboten, da hier die sehr dicken Nerven der Beine gar nicht mal so tief durchlaufen. Verfügt ihr also nicht über Anatomiekenntnisse oder einen Berater in Eurem Bekanntenkreis, laßt es bitte.

Und noch etwas: injiziert bitte keine Flüssigkeiten, egal welcher Art durch Kanülen, es sei denn Ihr kennt Euch aus.

Was muß ich beachten und andere Sicherheitsvorkehrungen
Im medizinischen Bereich bedeutet ein Schnitt, also ein Durchtrennen der Haut oder das Einführen einer Nadel in die Haut bereits einen operativen Eingriff, und zieht zumeist eine Menge Aufklärungsgespräche mit "Ich-habe-alles-verstanden-und keine-Fragen-mehr" Unterschriften nach sich.

Seit Euch also bitte der Tragweite Eures Handelns stets bewußt. Schneidet nicht in behaarte Bereiche, da hier eine mögliche Wundheilungsstörung das Hineinwachsen von Haaren sein kann. Erkundigt euch nach dem Tetanusschutz Eures "Patienten". Die letzte Impfung sollte nicht länger als 10 Jahre zurückliegen. Jeder Hausarzt kann den Impfschutz überprüfen, gegebenenfalls wird er kostenlos nachimpfen.

Vorsicht: Jeglicher Blutkontakt birgt in sich das mögliche Infektionsrisiko von Hepatitis und HIV. Schneidet nicht durch größere Leberflecken oder Muttermale. Erkundigt Euch, ob Euer Opfer an einer Gerinnungsstörung leidet oder Bluter ist, beides nimmt Euch sonst die Freude an Eurem Werk.

Wichtig: Die meisten handelsüblichen Schmerzmittel wie Aspirin, Tomapyrin u.v.m. enthalten blutgerinnungshemmende Stoffe. Deshalb sollte zwischen der Einnahme solcher Medikament und einem Cutting mehrere Tage liegen. Prinzipiell bei jedem Medikament erst den Beipacktext durchlesen, um diese Inhaltsstoffe ausschließen zu können.

Beste Grüße, Anne Meißner (Ärztin)

Die oben genannten Erläuterungen sind keine Anleitung zur Körperverletzung. Sämtliche Praktiken müssen immer mit dem Einverständnis von beiden Seiten erfolgen!

 

 
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