
Weihnachtliche Gedanken
...von einer, die mit Weihnachtsfrieden sonst herzlich wenig im Sinn hat!
Wieder mal haben wir die "besinnlichste" Zeit des Jahres (fast) hinter uns gebracht - endlich steht auch uns Sadomasochistinnen das so genannte Fest der Liebe bevor. Fragt sich natürlich, wie wir daraus auch ein wunderbares Fest der Hiebe machen können! Dass es nicht einfach ist, sondern im Gegenteil oft schwerste Denkarbeit erfordert, seiner Herrin angemessene Geschenke zu machen, habe ich bereits vor geraumer Zeit eingehend diskutiert (siehe "Blumen für die Dame" im CaroLines evolver-Archiv ). Umso mehr muss zu Weihnachten gelten, sich nur wirklich auf die persönlichen Wünsche und individuellen Eigenheiten abgestimmte Präsente auszudenken.
Gerade zu Weihnachten glauben viele - Subs wie Doms -, dass sadomasochistische Spiele ganz besonders ausfallen müssten. Nur allzu leicht verfallen sklavische Gemüter zum Beispiel auf die Idee, ihrer Herrin das Extreme an sich zum Geschenk zu machen, frei nach dem Motto: Je ärger, desto besser. 200 Peitschenhiebe und noch immer ein höhnisches Grinsen im Gesicht. 15 Nadeln im Schwanz und noch nicht mal eine Miene verzogen! 5 kg an den Eiern? Ach was, das ist ja noch gar nichts!
Ich muss gestehen, dass ich diesen Vorstellungen, wenn ich sie mir bildlich ausmale, im ersten Moment durchaus etwas abgewinnen kann: Ein Sklave, der sich der Herrin völlig zum Geschenk macht? Fein! Klingt auf den ersten Blick ja recht verführerisch. Allerdings: Sollte das nicht ständig und immer der Fall sein, dass der Sklave mir gehört? Was ist das Besondere an etwas, das ich jederzeit habe bzw. haben kann?
Außerdem sollten solche Präsente in Wahrheit doch in der Mehrzahl der Fälle ehrlicherweise den Untertitel tragen: Mach mit mir doch, was ich will! So geht's natürlich nicht, meine Lieben. Ich mache mit meinen Sklaven, was ich will (für die Empfindlichen unter den LeserInnen: natürlich ziemlich im Rahmen ihrer Vorlieben und Möglichkeiten).
Nun, vielleicht soll also das Extreme an diesen Praktiken etwas Besonderes sein? Das, so muss ich leider gestehen, langweilt mich mittlerweile zutiefst. Zu sehr stößt die Verherrlichung extremer Praktiken in das Horn der allgemeinen SM-Community, wo Dominant-Sein sowieso als besser gilt als Submissiv- oder Masochistisch-Sein. Und wenn schon masochistisch, dann wenigstens extrem, sonst gilt man nur als lächerliche Gestalt. Wer das anders empfindet, der melde sich bei mir.
Mittlerweile finde ich dieses "Fester! Härter! Mehr!" meistens nur noch zum Kotzen. Natürlich tragen hingebungsvolle Sklaven die Spuren vergnüglicher Sessions mit Stolz - aber nur, wenn sie in Lust und Liebe entstanden sind. Dann erinnert das sonst langweilige Wetzen des Hinterteils auf dem Bürostuhl auch noch im neuen Jahr an lustvolle Stunden im vergangenen. Dann schont der Sklave lächelnd seine Knie, die so angeschwollen sind, als hätte er die Böden von Schloss Versailles geschrubbt. Und er grinst, obwohl er nicht mit den Sportskollegen unter die Dusche gehen kann, weil die blauen Flecken sonst allzu Eindeutiges verraten... Das ist gut so und richtig so.
In Wirklichkeit ist es aber oft so, dass einige Tops gar nicht mitkriegen, wie schmerzhaft sie spielen, und dass viele Subs aus falsch verstandenem Heldentum meinen, alles aushalten zu müssen. Natürlich hat SM etwas mit dem Austesten und Überschreiten von Grenzen zu tun. Doch wenn man das nur tut, um anderen die eigene Belastbarkeit zu beweisen, dann lässt man es wohl lieber bleiben und versucht es stattdessen lieber mit einer Kampfsportart. Ganz sicherlich eignet sich so ein verkrampftes Durchhaltebenehmen jedenfalls nicht als weihnachtliches Präsent an eine gestrenge Herrin. Es macht weder Spaß noch Lust, nicht dem submissiven und meiner Meinung nach auch nicht dem dominanten Part..
Was Lust macht, ist sadomasochistische Besinnlichkeit: Zumindest zu Weihnachten nehme ich mir etwa liebend gerne die Zeit, den mir anvertrauten Sklavenkörper mitsamt dem mir unterworfenen Sklavengeist in allen Nuancen und Feinheiten zu bespielen, durchzuarbeiten, umzudrehen und auszutesten. Zu dieser Bandbreite können auch Extreme gehören, sie sind aber nicht zwingend das Beste, was bei SM passieren kann. Manch Hingabe wird nicht durch Schlagen, Stechen und Peitschen vollkommen, sondern durch Drücken, Kneten, Klapsen.
Und auch wenn Kerzen sich zu dieser Jahreszeit wie von selbst als Spielutensilien anbieten - manchmal genügt schon ein wenig Facesitting, ein paar Stupser mit den Stiefelspitzen und als Krönung ein Sklavenkuss, bei dem mein Speichel aus 20 cm Höhe in den weit geöffneten Sklavenmund tropft, zur Erfüllung der unterwürfigsten Träume. Vorausgesetzt natürlich, das sind haargenau seine Leidenschaften -denn die Passionen und "Trigger" ihrer Sklaven sollte eine Herrin in- und auswendig kennen. Auf diese Weise kann sie ihnen ganz unauffällig auch ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk machen... ... und manchmal sogar eines, das bis ins neue Jahr anhält!
Ein wunderbares Weihnachtsfest, sinnliche Feiertage und einen lustvollen Rutsch ins neue Jahr wünscht CaroLine
Photos: R.Putzker
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