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"Dein Lachen" - eine wundervolle Kurzgeschichte von T. Lagemann
Es ist, habe ich ihm zu erklären versucht, dein Lachen.
Da hat er mich nur angeschaut, dann gefragt, ihr Lachen? Wie kann sie lachen? Das muss ihr doch wehtun. Und dann hat er all die Vorurteile herunter gebetet, die wir schon so lange kennen. Und über die wir uns ja auch erst einmal haben hinwegsetzen müssen, damals. Und die ja immer wieder hochkommen in uns, trotz allem was wir inzwischen wissen.
Was wir machen, das macht man eben nicht. Und dass du dabei auch noch lachen kannst, das versteht er nicht. Dabei, hat er gefragt und den Kopf geschüttelt, sie kann doch nicht dabei lachen?
Aber du kannst lachen, auch dabei, und es geht noch viel mehr, habe ich ihm zu sagen versuchen, aber er hat mir nicht zugehört. Er hat dagesessen und mich groß angeschaut und dann hat er den Kopf geschüttelt, langsam.
Es ist die Liebe zwischen uns, habe ich zu ihm gesagt. Da hat er gelacht. Liebe kann das wohl kaum sein, eher so eine Art Besessenheit, was sexuelles. Und dann sind da wieder diese Vorurteile gekommen, diese anderen dieses Mal, dass bei uns was schief gelaufen sein muss, also grundsätzlich schief, weil das sei ja nicht normal.
An diesem Punkt, das weißt du, breche ich eigentlich so ein Gespräch immer ab. Es gibt nichts zu bereden, wenn die Bereitschaft fehlt verstehen zu wollen. Aber er ist mein Bruder, da habe ich weiter machen müssen.
Weißt du, habe ich zu ihm gesagt, du kennst mich lange genug, wenn da was schief gelaufen wäre, dann wüsstest du das doch.
Er hat mich nur angegrinst und dann auf dein Foto gezeigt, du weißt welches ich meine, das oben auf dem Schrank, dieses Foto aus unserem ersten Urlaub, glücklichst siehst du darauf aus, du in dem kurzen roten Rock und hinter dir das Meer.
Schau sie dir doch an, hat er gesagt, da ist mächtig was schief gelaufen bei ihr und dir. Ich habe nicht verstanden, was er mir damit hat sagen wollen, ich habe ihn gefragt.
Schau sie dir doch an, sie sieht so normal aus, so eine Frau hat das doch nicht nötig. Was nötig, habe ich ihn gefragt. Na, das alles mit den Ketten und den Peitschen und so, na, ich weiß doch nicht was ihr genau macht, aber du weißt schon, das alles eben, diese Spiele.
Spiele sind es nicht, die wir spielen, auch wenn es manchmal leicht wie ein Spiel ist. Ja, ich schlage dich, ich binde dich, ich berühre deinen Körper hart, ich hinterlasse Spuren, setze Zeichen, und du, du lachst dazu und mich an.
Ich habe ihm gesagt, dass wir es gemacht haben, an dem Tag, an dem das Foto entstanden ist. Nachher, nehme ich an, hat er gesagt.
Nicht nachher, nein, wir haben es vorher gemacht, ich habe dich geschlagen, bis du nicht mehr hast sitzen können, mit der Hand habe ich dich geschlagen und aus deinem Stöhnen ist ein Lachen geworden, ich weiß das noch ganz genau, du hast gelacht, als wir nachher auf dem Bett lagen, du auf dem Bauch, weil du nicht anders konntest.
Nein, hat er den Kopf geschüttelt, ich verstehe das nicht, sie kann doch nicht lachen, sie kann doch nicht.
Doch, du kannst, du kannst lachen, weil Liebe alles kann. Und weil das, was wir tun, uns verbindet. Es ist dein Lachen, das mir all dies sagt. Und das habe ich ihm wieder gesagt: Es ist dein Lachen.
(c) T. Lagemann
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