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Die Hand, die auf einmal nicht mehr hält, sondern loslässt...


Ein Redaktionsbeitrag aus Sub-Sicht von Petra

Ein Berg von einem Mann. Den wirft so schnell nichts um. Denkt man, wenn man ihn sieht. Optimist, durch und durch. Wenn der Dich anstrahlt, schmilzt Dir das Herz. Stolz, stark und devot. Ein Sklave? Nein, versklaven lässt er sich nicht. Und wenn, dann einzig durch die Liebe zu einer Frau. Er ist ein sub, ein sub aus ganzem Herzen. Er findet sein Glück, wenn er vor seiner Herrin knien darf und holt ihr dafür die Sterne vom Himmel.

Gestern funkelten seine Augen noch strahlender als jeder Stern. Gestern.

Gestern gehörte er noch zu einer Herrin. Die ihn heute aufstehen ließ, als er vor ihr niederknien wollte. Die ihm das Halsband abnahm, welches er stolz als Zeichen seiner Gehörigkeit zu ihr trug. Sein Halsband. Es gleitet durch seine Hände und er hat keine Kraft mehr, es zu halten. Weil ihm die Kraft seiner Herrin fehlt, die ihn bis gestern sicher gehalten hat.

Er ist ein Mann. Dürfen Männer weinen? Er weint, denn er ist nicht nur Mann. Er ist auch sub. Doch ist er das wirklich? Ist er nicht erst durch seine Herrin ein sub? Ohne sie, ist er doch Nichts,... nichts wert,... wertlos,... denn irgendwann einmal, hatte er sich ihr geschenkt...

Ich nehme ihn tröstend in den Arm. "Ja, ich verstehe Dich, es tut weh. Es ist niemals schön, wenn eine Beziehung zuende geht. Aber schau mal, jedes Ende ist auch eine Chance, für einen Neuanfang..." Ich verstumme, meine Worte bleiben mir in Hals stecken, als er zwar nickt, mich aber dabei mit leblosen Augen anschaut. Er hat ja recht. Leere Worte, was nützen sie ihm jetzt? Ja, Beziehungen beginnen hoffnungsvoll und enden mit Verlust. Das ist der Lauf der Welt. Kennt jeder, denn hat jeder schon einmal erlebt. Egal ob als Mann oder Frau, Dom oder sub. Wie sehr es weh tut, hängt davon ab, wie viele Gefühle investiert wurden. Nicht davon, welchen Part man in der Beziehung übernommen hat.

Und doch. Ich weiß genau, was er jetzt in seinem Herzen spürt. Welche Gedanken ihn jetzt quälen. Denn ein devoter Mensch, der unterwirft sich einem anderen Menschen. Begibt sich in die Hand des anderen. Gibt ein Teil von sich weg, um es dem Menschen zu schenken, der es schafft, ihn zu dominieren. Und nun wird dieses kostbare Geschenk zurückgegeben. Abgelehnt. Ausgerechnet von dem Menschen, der einem so unglaublich viel bedeutet. Dem man grenzenlos vertraut hat, dass er immer für einen da sein wird. Bis heute. Denn nun steht man alleine da. Ohne Hand, die einen immer halten wollte, wenn man mal abstürzt. Und das ist jetzt ein gewaltiger Absturz. Doch die Hand, die hält und schützt... ausgerechnet jetzt, ist sie nicht mehr da. Und man fühlt sich alleine, völlig hilflos und ... wertlos.

Dabei hat man doch alles gegeben. Wirklich alles. Hat eines Tages die schwere Entscheidung getroffen, "ihm" gehören zu wollen. Kompromisslos, bedingungslos. Als sub darf man keine Bedingungen an seinen Dom stellen. Denn wer dominiert schließlich wen? Als Mensch behalte ich meine Persönlichkeit, meine Stärke, meinen Stolz, mein Selbstbewusstsein. Aber der devote Teil in mir. Suche ich als devoter Mensch nicht das Gefühl, von meinem Dom geliebt, begehrt, beachtet... geachtet zu werden und bin ich nicht bereit, dafür sehr, sehr viel zu tun? Vielleicht sogar ein Teil meiner Träume, meiner Ansprüche an das Leben aufzugeben? Um mich ganz seinen Erwartungen, Wünschen anzupassen, um ihm zu gefallen, um ihn glücklich zu machen?

Die Tiefe einer Beziehung, der Gefühl zueinander, lässt sich sicher nicht anhand einer Neigung bewerten. Doch die DS-Neigung "Devotion" fordert von demjenigen, der sie in sich trägt, nicht nur Mut und Stärke sie leben zu können, sondern auch die Fähigkeit, sich auf einen anderen Partner einzulassen. Einem anderen Menschen die Führung zu überlassen. Ihm zu erlauben, Entscheidungen über mich und mein Leben zu treffen. Ich will es, ich brauche es - das Gefühl, dass mir "meine Macht" genommen wird. Wenn auch nur kurzfristig, im sicheren Rahmen einer intensiven DS-Beziehung. Wird mir diese genommen, dann bin ich erst einmal ziemlich hilflos und muss lernen, den Part der Verantwortung - von der ich bisher zugelassen habe, dass sie mein Dom übernehmen darf - wieder selber zu übernehmen. Und das braucht Zeit... mindest ebenso lange, wie die Zeit, die ich gebraucht habe, mich in die Hand dieses dominanten Menschen zu begeben. Je schneller ich zu diesem Schritt bereit war, desto schneller werde ich wohl mein Leben auch wieder alleine leben können, da es exakt der gleicher Mut und das gleiche Selbstvertrauen sind, die ich dafür brauche.

Jede Trennung ist schmerzhaft. Schmerz lässt mich mein Leben intensiver spüren und damit bewusster leben. Wünschenswert ist nur, wenn die Person, die mit mir gemeinsam in Leidenschaft und Liebe die Schmerzen in einer BDSM-Beziehungen gelebt hat, nun auch genauso verantwortungsvoll mit mir den Prozess des Abschiednehmens, des Loslassens durchlebt...

(c) Petra

 

 

 
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