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Die Herrin vom Wasserschloss Teil 1: Eine wunderschöne Femdomstory von Joachim
Das Wasserschloß
Harfenklänge... Sanfte Musik schwebt durch die dunklen Korridore des alten Wasserschlosses, wie das lebendige Wasser eines kleinen Baches, der leise murmelnd in seinem Bett dahinplätschert, oder noch viel mehr wie ein überirdisches Wesen, mit einem Körper aus Klängen, und Flügeln aus Schwingungen, welches mit unendlicher Leichtigkeit durch diese ehrwürdigen Räumlichkeiten gleitet, die mir inzwischen so vertraut sind wie mein eigener Körper. Behutsam und mit leisen Schritten nähere ich mich der Quelle dieser Musik, in den Händen ein kleines Tablett mit duftenden, noch warmen Brötchen, mit Butter und Honig, und mit einer Kanne frisch aufgebrühtem Tee, für meine wunderschöne, geliebte Herrin, welche mich im Salon erwartet.
Ein sanfter kühler Lufthauch bewegt die Vorhänge an den Fenstern, berührt leise meinen lediglich mit einem schwarzen, seidenen Kimono bekleideten Körper, und läßt mich auf eine angenehme Weise erschauern. In diesem Moment werde ich mir deutlich des fest anliegenden Halsbandes aus Edelstahl bewußt, welches ich hier im Haus immer trage, und meistens auch Draußen, genau wie die breiten Armreifen, die Reifen um meine Fußgelenke sowie den schmalen Gürtel, alles aus dem gleichen spiegelblank poliertem Material. Nur manchmal, wenn ich alleine in die Stadt gehe, oder wenn ich Freunde besuche, befreit mich meine Lady von diesen symbolischen Fesseln, die sehr schnell zu realen Fesseln werden, wenn dies ihr Wunsch ist; jedoch so gut wie niemals, wenn ich mit ihr gemeinsam unterwegs bin.
Auch die kleine Tätowierung auf meinem linken Oberarm wird mir bewußt - das gleiche Bild zweier miteinander verbundenen Herzen, welches meine Lady selbst am Hals trägt und welches sie mir eigenhändig in unserer Hochzeitsnacht tätowiert hat - das Zeichen für unsere Verbindung - und für einen ewigen Augenblick wandern meine Gedanken in die Vergangenheit...
Alles begann mit diesen wundervollen perlenden Klängen einer keltischen Harfe... Es war erst wenige Wochen her, daß ich meine neue Wohnung bezogen hatte, in einer schönen kleinen Stadt mit einem historischen Kern voller alter Fachwerkhäuser und mit Straßen, die durch ihr Kopfsteinpflaster die Gemütlichkeit des Ortes noch unterstrichen. Altmodisch erscheinende Läden in den unteren Etagen der sauberen Häuser luden zum Bummeln ein, und kleine Cafés verlangten geradezu, für eine Weile dem Treiben der Menschen zu entsagen und sich bei neuem Wein und Zwiebelkuchen zu entspannen. Ich fühlte mich hier sofort wohl, und so fiel es mir leicht, meine Umzugskartons auszupac ken, mich häuslich einzurichten und mir ein neues Zu Hause zu schaffen. Dennoch dauerte es noch eine geraume Zeit, bis ich damit begann, mit langen Spaziergängen auch die nähere Umgebung zu erkunden.
Mich in der freien Natur zu bewegen und deren Schönheit zu genießen war schon immer mein Ding gewesen, und meine Arbeit als selbständiger Musiker ließ mir hierfür genügend Zeit - ganz davon abgesehen, daß diese Art der Freizeitbeschäftigung ein Quell der Inspiration war und mir nicht selten die besten Ideen beim verträumten Schlendern durch die Wälder kamen. So erforschte ich zunächst die naheliegenden Wege rund um die Stadt, vorbei an nach Erde riechenden Äckern, an saftigen grünen Wiesen und gelegentlich durch kleine Ausläufer des großen Waldes. Doch nach und nach wurden die Ausflüge weiter und länger, während ich meine Arbeit in die späten Abendstunden verlegte, wo es im Haus ruhig geworden war und ich nicht mehr durch Straßenlärm oder störende Geräusche abgelenkt wurde. Tag für Tag drang ich nun tiefer in den großen Wald ein, wählte dabei meistens die wenig benutzen Seitenwege, auf denen ich oft mit dem Zwitschern der Vögel, dem Rascheln der Blätter, den verspielten Sonnenstrahlen, welche ihren Weg durch das bewegte Laubdach hindurchfanden, und meinen leisen Schritten auf dem weichen Boden allein war. Dabei kam es nicht selten vor, daß ich die Orientierung ein wenig verlor und nicht dort ankam, wo ich es mir gedacht hatte. Auf diese Weise fand ich schließlich das alte Wasserschloss, an einem schönen sonnigen Tag im frühen Herbst, zu Beginn der Abenddämmerung...
Das nicht sehr große Gebäude lag inmitten eines grünen, unbewegten Waldsees, in welchem es sich so deutlich spiegelte, als bestände die Oberfläche des Sees aus Kristallglas, und nicht aus Wasser. Eine heruntergeklappte Zugbrücke bildete den einzigen Zugang zum Torhaus, auch wenn sie eher zur optischen Verschönerung als zur Sicherung des Hauses geeignet war; der stille See würde einem ernsthaften Versuch, das Gebäude zu betreten oder zu verlassen, kein Hindernis sein. Auf der anderen Seite hatte ich in vielen Geschichten über Monster und Ungeheuer gelesen, welche in Burggräben wachten - und in meiner romantischen Vorstellung ließ ich auch in diesem Waldsee ein solches Wesen entstehen und das ihm anvertraute Gut bewachen...
Das eigentliche Schloß bestand aus einem Hauptgebäude mit annähernd quadratischem Grundriß, an dessen beiden dem Ufer am nächsten gelegenen Ecken zwei hohe, schlanke Türme die nahezu fensterlose Vorderfront flankierten. Zur Seeseite hinaus gab es eine kleine gepflasterte Brücke, welche in einem weiteren breiten und nicht allzu hohen, zinnenbewehrten Turm endete, der ansonsten getrennt vom Hauptkomplex alleine aus dem stillen Wasser aufragte. Die braunen Mauern des Schlosses, vom Licht der letzten Sonnenstrahlen dieses Tages in einem warmen, rötlichen Licht erstrahlend, waren stellenweise mit Efeu bewachsen und machten einen alten, jedoch keineswegs baufälligen Eindruck. Überhaupt war der ganze Bau in einem hervorragendem Zustand, und er schien auch durchaus bewohnt zu sein, denn aus einer Reihe großer hoher Fensterbögen an der bereits dunklen Seite des Schlosses drang warmes Licht heraus. Daneben führte eine geöffnete Tür gleicher Bauart auf eine kleine Veranda, und durch diese Tür hörte ich den verzaubernden Klang einer Harfe. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, geschah es bereits in jenem Augenblick, als ich diese Klänge vernahm, daß meine Seele gefangen wurde....
Angezogen vom Licht und der leisen Melodie eines alten keltischen Liedes suchte ich mir einen Platz am Ufer des Waldsees, an dem ich für eine Weile ausruhen und lauschen konnte, so nahe an der erleuchteten Fenstergruppe, wie es das Wasser zuließ. Hier saß ich dann, vergaß Zeit und Raum und ließ mich gefangennehmen von den perlenden Glissandos in immer neuen Variationen, von Melodien, die in längst vergangene (oder zukünftige?) Zeiten entführen wollten, und ich bemerkte nicht, wie die Sonne versank, die Dämmerung den Himmel immer dunkler werden ließ und die ersten Sterne zu funkeln begannen. Erst als die letzte Melodie verklungen war und nur noch ihre Erinnerung in meinen Ohren nachklang, erst als das Licht hinter den Vorhängen erlosch und eine unsichtbare Person die Türe zur Veranda zuzog und verriegelte, kehrte ich in die Wirklichkeit zurück und machte mich auf den Heimweg.
In dieser Nacht fand ich keine Ruhe. Auf eine mir unfaßbare Weise verfolgten mich die süßen verträumten Harfenklänge in meinen Gedanken, ohne dabei jedoch wirklich faßbar zu sein - es war mir nicht möglich, die Melodien zu ergründen, und damit hatte ich als Musiker normalerweise nie Probleme. Um so beunruhigender fand ich es, das es mir in diesem Falle nicht gelingen wollte, solch einfache Tonfolgen im Kopf zu behalten. So verging Stunde um Stunde, während ich mich von Links nach Rechte, von Rechts zurück nach Links wälzte, auf dem Rücken liegend Löcher in die Dunkelheit starrte, nur um mich erneut von einer Seite auf die Andere zu drehen. Später sank ich dann hinab in verworrene Träume, in denen ich immer wieder durch einen seltsamen, irgendwie bizarren Wald ging, das Wasserschloß fand und von den beinahe hypnotischen Klängen eines Saiteninstrumentes in die dunkle Öffnung hinter dem Eingangstor gelockt wurde, welches darauf hinter mir ins Schloß fiel und ich mit Sicherheit wußte, daß es sich von hier aus nicht mehr öffnen lassen würde. Aus der Dunkelheit erschienen ein Paar leuchtend grüne Augen, wunderschön anzuschauen, in einem ebenfalls wunderschönen, aber dennoch nicht wirklich erkennbaren Gesicht. In dieser Phase schienen die Klänge an Intensität zuzunehmen, die Augen immer größer zu werden, bis mich ihr Sog ergriff und ich in sie hineinstürzte. Es begann ein ewiger Fall in einen bodenlosen Abgrund, während dem ich voller Angst annahm, ich müßte mich auflösen und in der Ewigkeit verlieren.... Irgendwann wurde dann aus dem Fallen jedoch ein Gleiten, ein angenehmes Schweben, ein Gefühl der Freiheit stellte sich ein, während der Traum zunehmend verblaßte. Schließlich fand ich mich in meinem Bett liegend wieder, und mein rastloser Geist begann erneut mit dem vergeblichen Bemühen, die Melodien der Harfe zu ergründen... Erst als draußen bereits der Morgen zu dämmern begann, fanden meine Gedanken allmählich zur Ruhe, und der Traum, in den ich nun hinabsank, ließ mich schweben in einer Umgebung vollendeten Friedens, in der ich doch noch Erholung fand, so daß ich zwar erst spät am Morgen, jedoch trotz der unruhigen Nacht frisch und ausgeruht erwachte...
Die erste Begegnung
An diesem Tag begann ich bereits unmittelbar nach dem Frühstück mit meiner Arbeit. Als Folge meiner nächtlichen Beschäftigung mit den Harfenklängen war ich auf unzählige musikalische Sequenzen gestoßen, die ich mir vorgenommen hatte zu bearbeiten, bevor ich sie wieder vergessen würde. Es gelang mir, die markantesten Erinnerungen in eine reale klangliche Gestalt zu kleiden, und nach wenigen Stunden hatte ich mir so eine gute Grundlage für einige neue Kompositionen geschaffen. Gleichzeitig war ich jedoch mit jeder Stunde unruhiger geworden, und so machte ich mich am späten Nachmittag auf den Weg zu meinem täglichen Spaziergang. Ich wanderte ganz in Gedanken, ohne mir ein bestimmtes Ziel gesetzt zu haben; dennoch war ich eigentlich nicht erstaunt, daß ich die Silhouette des Wasserschlosses vor mir sah, als die Sonne nur noch wenig über dem Horizont stand. Ich schlenderte eine Runde um den Waldsee und näherte mich so meinem Platz von Gestern. Ich weiß nicht, ob ich erwartet hatte, daß ich die Harfenklänge wieder hören würde - sie waren jedenfalls da und luden mich erneut zum Verweilen ein. Ich lauschte den beinahe überirdischen Weisen, sitzend auf einem Stein am Seeufer, gefangen von den Melodien, träumend, bis die Klänge in meinem Kopf verhallten, und machte mich, genau wie Gestern, erst in dunkler Nacht wieder auf dem Heimweg. Und auch in dieser Nacht wollten die Melodien mich quälen, in dem sie meinem Geist immer wieder entwischten; auch in dieser Nacht fand ich mich in den gleichen seltsamen Träumen wieder; und auch diese Nacht verging und gestattete mir erst in der Morgendämmerung das Zurücksinken in einen erholsamen Schlaf...
So vergingen zwei ganze Wochen, ohne daß sich etwas änderte. Jeden Tag suchte ich nun das Wasserschloß auf, in den Abendstunden, egal ob die Sonne schien oder sich dicke Wolken am Himmel auftürmen, ob es aus einem bleigrauen Himmel regnete oder ob Nebel die Welt mit einer schweren feuchten Decke zudeckten wollte. Allmählich begann der Wald bunt zu werden, und oft wehte jetzt ein kräftiger und kühler Wind durch die Baumwipfel. Die Bäume schüttelten sich bei der Berührung seiner kalten luftigen Finger, und ihre Blätter fielen herab auf die nun meist feuchten Wege und machten diese schlüpfrig und einen Spaziergang beschwerlich. Die letzten Tage des Septembers zeigten sich bereits von ihrer herbstlichen Seite und bereiteten die Welt auf den Einzug eines kalten Oktobers vor, der bereits auf der Türschwelle stand.
Beinahe jeden Abend lauschte ich der Harfenmusik - nur zweimal mußte ich wieder zurück nach Hause gehen, weil ich das Schloß still und dunkel vorfand - und in mir regte sich eine Sehnsucht immer stärker, der Wunsch, jene Person einmal kennenzulernen, welche mir diese Musik spielte, ohne es zu wissen, und mir meine nächtlichen Schlafgewohnheiten so gründlich durcheinander brachte... Nein, es ist nicht ganz richtig, wenn ich schrieb, in den zwei Wochen hätte sich nichts geändert; denn tatsächlich hatte ich mir nach der ersten Woche meine Querflöte eingesteckt und begonnen, sitzend auf meinem Stammplatz am Ufer, die Harfenklänge leise zu begleiten, sie zu umspielen oder ihnen eine zusätzliche Melodie zu geben. Ich spielte so leise ich konnte, wollte ich doch niemanden bei seinem eigenen Spiel stören, und es schien auch niemand meine Anwesenheit zu bemerken - nicht ein einziges mal stockte das Spiel im Schloß oder gab es eine größere Pause. Für mich jedoch bekamen diese Abende eine neue Qualität, und die Melodien wurden mir selbst nun sehr viel greifbarer. Das meine Anwesenheit allerdings sehr wohl bemerkt worden war, erfuhr ich am Abend des 2. Oktobers, als ich mich gerade anschickte, Heim zu gehen....
Ich hatte mein Instrument eingepackt, nachdem die Musik im Haus verstummt und das Licht hinter den Fenstern verloschen war. Der Wind hatte die schwere Wolkendecke aufgerissen und in eine Ansammlung von tausend kleine Wattebäusche verwandelt, die aufgelockert in der klaren Nachtluft schwebten und einen Blick auf kleine, mit Sternenlicht gesprenkelte Flecken zuließen. An einer Seite des Himmels schaute der aufgehende Mond durch die Wölkchen und ließ sie gleichzeitig von hinten erstrahlen. Ich blieb noch einige Minuten sitzen und genoß diesen Moment voller Schönheit. Dann schlenderte ich um den im Schatten des Schlosses nunmehr tiefschwarzen See herum in Richtung Zugbrücke, an welcher die schmale, gepflasterte Straße begann, die für mich den schnellsten und sichersten Weg nach Hause bedeutete. Das Ende der Zugbrücke war flankiert von zwei altmodisch wirkenden Laternen, deren gelbes Licht die Umgebung in ein etwas unwirkliches, beinahe traumhaftes Licht tauchte. Und an einer dieser Laternen lehnte eine Gestalt.
Beim Näherkommen erkannte ich eine junge Frau, welche in ein Dienstmädchen-Kleid gekleidet war. Sie schaute in meine Richtung und schien mich zu erwarten, denn als ich näher kam, löste sie sich von der Laterne und schlenderte mir entgegen. In der Hand hielt sie einen weißen Briefumschlag, den sie mir nur Sekunden später überreichte mit einer Sicherheit, die keinen Zweifel daran ließ, den rechtmäßigen Empfänger vor sich zu haben: "Guten Abend, mein Herr. Lady Arden, meine Herrin und die Besitzerin dieses Anwesens, hat mir aufgetragen, Ihnen diesen Brief zu übergeben und Sie darum zu bitten, Ihr, wenn möglich, durch mich sofort eine Antwort zukommen zu lassen."
Ich war so überrascht, daß ich nur ein verlegenes ‚Danke' antworten konnte. Mit spitzen Fingern nahm ich den Umschlag entgegen, so als könnte ich mich an ihm verbrennen, und öffnete den lediglich eingesteckten Verschluß. Hervor kam ein mit einer Rose verzierter Briefbogen mit einer feinen, doch gut lesbaren Handschrift. Ich fühlte mein Herz laut klopfen, als ich zu lesen begann...
Lieber unbekannter Flötenspieler, ich würde Dich gerne kennenlernen, und ich denke, auch Du bist diesem Gedanken nicht abgeneigt. So möchte ich Dich bitten, morgen Abend um 20.00 Uhr im indischen Restaurant Taj Mahal mit mir zu Abend zu essen. Wenn Dir dieser Termin absolut nicht zusagt, so richte dies bitte meiner Zofe aus, zusammen mit einem alternativen Termin. Diese Option gewähre ich Dir allerdings nur ein einziges mal. Auch die Gelegenheit mich Kennenzulernen werde ich Dir nur einmal gewähren. Solltest Du absagen, so ist Deine Chance für immer vertan. Bedenke dies bei Deiner Antwort.
Ich gehe aber davon aus, daß meine Zofe mir keine andere Nachricht als jene Deiner Bestätigung überbringen wird, und erwarte, Dich Morgen Abend zur verabredeten Zeit an einem Tisch anzutreffen, den ich reservieren lassen werde.
Mit freundlichen, aber dominanten Grüßen, Lady Jessica Arden
Mit etwas zittrigen Fingern faltete ich den Briefbogen wieder zusammen und steckte ihn in den Umschlag zurück. Mein Herz schlug mir nun wirklich bis zum Hals. Ich wußte sehr wohl, was mit einem ‚dominanten Gruß' gemeint war - rankten sich doch schon seit vielen Jahren meine Phantasien um BDSM, um dominante Frauen und darum, wie es wohl sein würde, eine solche Frau einmal kennenzulernen oder sich ihr sogar auszuliefern, hinzugeben und ihr zu gehören. Allerdings hatte ich diese Phantasien immer als meine ‚dunkle Seite' bezeichnet und sie aus meinem normalen Leben zu verdrängen versucht - mit mehr oder weniger gutem Erfolg... "Was darf ich meiner Herrin als Antwort ausrichten?"
Die Frage der Zofe riß mich aus meinen Gedanken, und der eher forsche, nicht im geringsten unterwürfige Tonfall verlangte nach einer sofortigen Reaktion. "Bitte richten Sie Lady Arden von mir aus, ich werde pünktlich sein."
"Danke, ich werde Ihre Antwort ausrichten!"
Mit einem verhaltenen Lächeln drehte sich die junge Frau um und erreichte mit wenigen Schritten wieder die Hängebrücke zum Schloß. Ihr Dienstmädchen-Kleid schimmerte im warmen Licht der Laternen, und jetzt wurde mir deutlich bewußt, was mir wohl auch eben schon aufgefallen war, wenn auch mehr unterschwellig: Ihr Kleid bestand zur Gänze aus schwarzem und weißem Gummi...
In mir brodelte es. Freudige Erregung über diese unverhoffte Möglichkeit standen im krassen Widerspruch mit tief sitzenden Ängsten, die mich bis jetzt immer davon abgehalten hatten, meinen verborgenen Neigungen nachzugeben. Ich schaute der Zofe nach, welche das offenstehende Eingangstor beinahe erreicht hatte, und wunderte mich, wie leicht mir meine bestätigende Antwort gefallen war - sie war mir förmlich von selbst herausgerutscht, sämtliche gedanklichen Einwände ignorierend, die sich jetzt allerdings dafür um so stärker bemerkbar machten. So ertappte ich mich dabei, wie ich der Zofe im letzten Moment, bevor sie im dunklen Raum des Torhauses verschwand, in bemüht unbefangenem Ton hinterher rief: "Wie ist die Lady denn so?"
"Sie ist eine wirkliche Lady - wenn man sich einmal mit ihr eingelassen hat, dann hat man keine andere Wahl mehr als sie aus tiefstem Herzen zu verehren...." Mit diesen Worten verschwand die schlanke Gestalt aus meinem Sichtfeld, und das große Tor wurde geschlossen. Zurück blieb eine so tiefe Stille, daß man meinte, man müßte den Mond und die Sterne am Himmel singen hören...
Als ich an jenem Abend zu Bett ging, plagten mich zum ersten mal seit langem keine nicht greifbaren Melodien. Statt dessen sank ich erstaunlicherweise und ganz entgegen meinen Befürchtungen schnell in einen tiefen, ruhigen Schlaf. Erst gegen Morgen entstand aus der halbbewußten Schwärze eines erwachenden Geistes wieder ein Traum. Er begann zunächst genauso wie die immer gleichen Träume aller vorhergehenden Nächte - ich wurde von den Klängen einer Harfe in das Wasserschloß gelockt. Doch diesmal nahm der Traum eine neue Richtung; im Torhaus empfing mich eine in Gummi gekleidete Zofe und bat mich, ihr zu folgen. Sie geleitete mich zunächst durch gemauerte, lediglich durch Fackeln erhellte Korridore, die irgendwann zu den natürlichen Gängen und den hohen Gewölben einer alten und tiefen Höhle wurden. Irgendwo in der Tiefe vor mir glaubte ich den Knall einer Peitsche zu hören, Schreie... doch erstaunlicherweise blieb mir im Traum ein friedliches Gefühl erhalten, ein Gefühl der Sicherheit und Freiheit, vermischt mit einer starken Ahnung von Schicksal - und dies waren auch die bestimmenden Gefühle, mit denen ich schließlich erwachte....
Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, wann mir das letzte mal ein Tag so lang geworden ist wie jener Tag unseres ersten Treffens. Die Zeit schien stillzustehen, und die Zeiger der Uhr verhöhnten meine Ungeduld durch ihre Trägheit. Ich versuchte, ein wenig zu arbeiten - vergeblich. Mein Kopf war voller Bilder, Szenen, die den heutigen Abend versuchten vorwegzunehmen, doch wollte ich etwas Gescheites zu Weg bringen, herrschte nur eine große Leere, und ich mußte einsehen, daß an ein zielgerichtetes Arbeiten nicht zu denken war. Auch zum Lesen oder zum Musik hören brachte ich keine Ruhe auf. Letztendlich vertrieb ich mir die Zeit durch einen Bummel durch die umliegenden Kaufhäuser und Geschäfte, gab etwas Geld für Dinge aus, die ich eigentlich nicht brauchte, wurde schließlich auf dem Heimweg von einem heftigen Schauer überrascht und erreichte vollkommen durchnäßt und durchfroren meine kleine Wohnung. Hier sorgte ein heißes Bad nicht nur dafür, daß mir wieder warm wurde; auch die Ruhe und Gelassenheit, die ich den ganzen Tag gesucht hatte, kehrte nun in mein Denken ein - zumindest ein wenig. Als ich mich schließlich ankleidete, war es beinahe Zeit zum Aufbruch. Wenige Minuten später verließ ich erneut meine Wohnung und machte mich auf den Weg zum nahegelegenen Taj Mahal, welches ich ungefähr zehn Minuten zu früh erreichte. Kurz überlegte ich, ob ich draußen vor der Tür warten sollte - doch in Lady Jessicas Brief stand eindeutig, daß sie mich an einem reservierten Tisch anzutreffen gedachte. Also betrat ich mit einem seltsamen Gefühl in der Magengegend das schön eingerichtete Restaurant, fragte einen Ober nach einer auf den Namen Arden lautenden Reservierung und wurde auch sofort zu einem gemütlichen Tisch im hinteren Teil des Gastraumes geführt. Hier blieb mir nun nichts anderes üblich, als auf meinem Stuhl herumzurutschen, unaufhörlich zur Tür zu schauen und zu warten...
Und dann entging mir doch die Ankunft meiner Lady... nur für einen Moment war ich unaufmerksam und mit der Kerze an meinem Tisch beschäftigt, die gerade im Begriff war zu verlöschen - als ich meinen Blick wieder hob, stand sie schon vor mir. Ich kann eigentlich nicht genau sagen, wen oder was ich nun erwartet hatte - meine Phantasie hatte mir Frauen in hautengem Leder gezeigt, kühl dreinblickende strenge Gebieterinnen mit einer Peitsche in der Hand, aber auch Frauen, die sich durch nichts von jenen weiblichen Wesen unterschieden, wie man sie im normalen Leben sah. Viele Bilder waren an diesem Tag vor meinem inneren Auge vorbeigezogen, Bilder, die ich für wahrscheinlich gehalten hatte, Bilder, die ich als Wunschvorstellung beiseite geschoben hatte, und auch Bilder, die ich für vollkommen unmöglich hielt. Lady Jessica entsprach keinem einzigen dieser Bilder, und deswegen überraschte mich ihre Erscheinung auch so, daß ich zunächst nichts sagen konnte, als ich mich erhob, um sie zu begrüßen...
Lady Jessica Arden war zunächst einmal eine große Frau, auf jeden Fall über einem Meter und Achtzig, und dabei schien ihr Körperbau eine perfekte Mischung aus Weiblich und Athletisch zu sein. Ihre dunklen, beinahe schwarzen Haare fielen in Locken bis auf die Schultern, ihr Gesicht hatte einen ruhigen und sanften Ausdruck, wirkte dabei aber gleichzeitig auch ein wenig ernst, beinahe streng - ein scheinbarer Widerspruch, der mich ebenso verwirrte wie diese leuchtenden grünen Augen, die mich anschauten, die ich bereits aus meinen Träumen kannte und welche mir direkt in die Seele zu blicken schienen. Gekleidet war sie in ein knöchellanges dunkelgrünes Samtkleid, welches durch seinen Schnitt beinahe ein wenig mittelalterlich wirkte, mit einem eher engen Oberteil, langen, an den Oberarmen weiten Ärmeln und einem schwingenden Rock. Dazu gehörte eine passende kurze Jacke, ebenfalls aus dunkelgrünem Samt. Um ihren langen Hals und um die Handgelenke trug Sie wunderschönen Silberschmuck, der in einem wundervollen Kontrast zu ihrer dunklen Kleidung stand, dazu passende Ohrringe, und in ihren Locken blitzen silberne Spangen. Für einen Moment hatte ich wirklich den Eindruck, als wäre eine Göttin aus dem Himmel herabgestiegen....
Endlich bekam ich den Mund auf. "Guten Abend - Lady Jessica Arden? Mein Name ist Jochen Herting, und ich würde..." Ein Finger legte sich auf meinen Mund und verlangte Schweigen, während sich auf Lady Jessicas Gesicht ein Lächeln ausbreitete.
"Ich weiß, was Du mir sagen möchtest, Jochen, doch heute Abend bist Du mein Gast. Und bitte nenn' mich einfach Jessica - ich werde es Dir früh genug sagen, wenn ich eine andere Anrede von Dir verlange."
Mit diesen Worten reichte sie mir ihre Hand, und ihr Händedruck war fest und kräftig. Ich rückte ihr den Stuhl zurecht, als sie sich hinsetzte, ging zurück zu meinem eigenen Platz und fischte ungeschickt die Rose hervor, die ich vorher besorgt hatte. Ich hätte mich ohrfeigen können für die Tolpatschigkeit, die ich in diesem Moment an den Tag legen mußte - irgendwie hatte ich diesen Augenblick anders geplant - souveräner..; schließlich gelang es mir aber doch noch, Lady Jessica ihr Präsent zu überreichen, ohne allzu dumm dazustehen - dies hoffte ich zumindest. Auf jeden Fall nahm sie die Rose behutsam entgegen, und sie schien sich dabei sichtlich über diese kleine Aufmerksamkeit zu freuen. Der Ober erschien und brachte die Karte.
Nachdem wir gewählt und bestellt hatten, begannen wir leise unsere Unterhaltung. Lady Jessica machte es mir leicht - ihre offene und herzliche Art ließ meine Befangenheit schnell schwinden, und so waren wir bald mitten in einem anregenden Gespräch, tauschten uns über unsere Interessen aus, die sehr ähnlich waren, über Musik, über Schlafforschung und Träume, über vergangene Urlaube und noch nicht erfüllte Wünsche für die Zukunft, über Gott und die Welt - wobei wir das gute Essen genossen und im Anschluß daran noch eine Flasche Wein bestellten.
Lady Jessica schien mir immer vertrauter zu werden, ich war drauf und dran, mich in diese wundervolle Frau zu verlieben, und ich hatte den Eindruck, sie würde ähnlich empfinden... (hoffentlich bildete ich mir dies nicht nur ein...hoffentlich...) Was mich jedoch ein wenig wunderte, war, das wir kein einziges mal über die Umstände unseres Kennenlernens sprachen, und damit auch nicht über den Brief mit der Einladung, den ich in der Brusttasche meiner Jacke bei mir trug, und die Unterschrift mit ihrem dominanten Gruß...
"Weißt Du eigentlich, was es mit meinem dominanten Gruß auf sich hat?" Jessica schien meine Gedanken erraten zu haben, als ständen sie deutlich auf meiner Stirn geschrieben. Ich fühlte mich ertappt.
"Ich denke ja..."
"Du denkst? Was denkst Du?" Sie beugte sich ein wenig zu mir herüber, und ihr Gesicht schien nur noch aus diesen grünen Augen zu bestehen....
Ich druckste ein wenig herum. "Ich glaube, du könntest so etwas wie eine dominante Frau sein..." - kurze Pause - "Aber du wirkst nicht so..."
Bei den letzten Worten hatte ich es geschafft, ihren Blick für einige Augenblicke fest zu erwidern, was sie sichtlich amüsierte. "Ich bin eine dominante Frau, und ich bin auch eine sadistische Frau. Das heißt jedoch nicht, daß ich dies immer und überall zur Schau stelle. Es gibt zwar viele Menschen, die wissen, wie ich bin, aber es gibt nur wenige - nur sehr wenige - die es erleben. Dich wollte ich kennenlernen, um herauszufinden, ob Du einer dieser wenigen Menschen sein könntest..."
"Und zu welchem Ergebnis bist Du gekommen?"
"Ich weiß noch nicht, aber ich werde es herausfinden, wenn Du dies auch möchtest." Wieder schauten mir ihre Augen direkt in meine Seele. "Du gefällst mir.... weißt Du, am liebsten möchte ich Dir jetzt weh tun, und dies heißt für mich eben, Du bist mein Typ..."
"Du gefällst mir auch, Jessica, und von Dir würde ich mir wehtun lassen, auch wenn mir der Gedanke ein wenig Angst macht..."
"Wovor hast Du Angst? Vor den Schmerzen?"
"Nein, davor, mich selbst aufzugeben, mich zu verlieren..."
"Du wirst Dich nicht verlieren; nicht, wenn ich bei Dir bin..." Jessica nahm meine rechte Hand und begann, mit meinen Fingern zu spielen. "Außerdem will ich Dich, wie gesagt, vorher noch ein wenig besser kennenlernen. Aber wenn es einmal soweit sein sollte, wird es Deine eigene Entscheidung sein." Ich fühlte, wie sie etwas über meinen rechten Ringfinger schob, und versuchte mehr aus einem Reflex heraus, meine Hand wegzuziehen, was mir nicht gelang. Doch unmittelbar darauf gab Jessica sie frei, und ich bemerkte einen schmalen Ring aus Edelstahl, an dessen Oberseite eine kleine Öse befestigt war - ein Ring der O.
Jessica schaute mich ernst an. "Ich möchte, daß Du diesen Ring immer trägst, oder zumindest immer dann, wenn Du mit mir zusammen bist. Hältst Du Dich daran, werde ich mir viel Zeit nehmen, zu ergründen, ob Du der richtige Partner für mich bist. Hältst Du Dich nicht daran oder vergißt es, werden sich unsere Wege wieder trennen. Bitte enttäusche mich nicht." Damit schien für sie das Thema für heute Abend gegessen zu sein. Wir plauderten noch eine Weile über belanglose Sachen, und schließlich rief Jessica den Ober für die Rechnung. Ich machte noch einen vergeblichen Versuch, Jessica einzuladen, doch sie lehnte entschieden ab mit der Begründung, ich würde noch genug für sie tun können. "Mit einem ersten Gefallen kannst Du bereits Morgen beginnen." sagte sie zum Schluß.
"Und welchen Wunsch darf ich Dir erfüllen?"
"Ich werde Dich nach der Mittagszeit um drei Uhr von meiner Zofe abholen lassen. Bring' dein Instrument mit, dann können wir gemeinsam musizieren."
"Ich werde bereit sein..."
Als wir das Lokal verließen, sprang gegenüber der Motor eines Wagens an. Lady Jessica gab mir die Hand zum Abschied, zog mich mit sanfter Gewalt zu sich heran und gab mir einen leisen Kuß... "Bis Morgen, mein neugewonnener Freund. Ich freue mich schon jetzt auf Dich, und darauf, Deine Seele zu ergründen, zu erobern, vielleicht zu besitzen..." Mit diesen Worten drehte sie sich um, überquerte die Straße und stieg in das wartende Fahrzeug, welches beschleunigte und kurz darauf hinter der nächsten Kurve verschwand.
Noch einmal änderte sich der Ablauf meines allnächtlichen Traums, das letzte mal, bis zu dem Zeitpunkt, zu welchem ich bei Jessica auf ihrem Schloß einziehen würde. Zunächst ging ich wieder über die Zugbrücke durch das große Tor ins Torhaus, und wieder erwartete mich dort die schwarzgekleidete Gummizofe. Sie führte mich durch die Gewölbe des Schlosses, weiter durch die Gänge, und ich erinnerte mich an die Schreie in meinem letzten Traum So erreichten wir die gewaltige weite Höhle, deren Wände sich irgendwo im Nebel eines diffusen, indirekten Licht verloren. Überall gab es phantastische Tropfsteine, angefangen von zarten Zapfen bis zu gewaltigen Säulen, welche das schier unendliche Gewölbe zu tragen schienen, und in diese eingebettet waren Tausende und Abertausende von Kristallen in allen Farben, klare Kristallstrukturen, welche dieses seltsame Licht abgaben und dabei leise zu schwingen schienen, so daß die gesamte Höhle von einer Symphonie aus Licht, Farben und Klang erfüllt war. Im Zentrum dieser unendlich großen und weiten Höhle erzeugte eine gewaltige Ansammlung weiß leuchtender Kristalle eine meterdicke, pulsierende Lichtsäule, welche in den schwarzen Himmel hinaufstieg und sich dort in der Unendlichkeit verlor.
Vor dieser Säule erwartete mich Lady Jessica zusammen mit zwei weiteren Zofen. "Willkommen in meinem Herzen, mein Freund. Wenn Du Dich auf mich einlassen willst, sollst Du hier einen Platz für die Ewigkeit bekommen. Und Du sollst wissen, das mein Herz groß, aber dennoch darin nur Platz für einen Geliebten ist. Wenn Du bereit bist, dann folge mir bitte..." Jessica wandte sich um und stieg vor mir eine kurze Treppe hinauf, welche direkt in die Lichtsäule führte. Nur wenige Zentimeter vor der pulsierenden Energie blieb sie stehen, reichte mir ihre Hand, und wir traten gemeinsam ein, wurden von den Energien erfaßt und nach oben getragen. Der Traum verblaßte...
Fortsetzung hier
(c) Joachim
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