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Ich gehöre in unseren Kreisen zu den vergleichbar wenigen Monogam-Aliens. Mag es am großen Erlebnishunger der sadomasochistischen Spezies liegen, oder am Hang zu Vorführungen und Benutzungen,- im allgemeinen wird um mich herum gerne wild bespielt, wer nicht spätestens bei drei der nächstliegenden Streckbank entrinnen konnte.
Fast wirkt es, als verfalle die SM Szene ins Alt-68er Revival. Mono ist spießig und uncool, der wirklich aufgeklärte, lustvolle Erwachsene kann Geilheit und Liebe schließlich trennen und unterwirft sich nicht überflüssigem Eifersuchtsgetue. Man ist tolerant, locker, unverbindlich und lüstern, - das gehört sich so in Kreisen, in denen Sex - oder zumindest der Austausch darüber - zum täglichen Pflichtprogramm gehört.
Seltsam nur, dass ich in meiner vermeintlich langweiligen und selbstgewählten Lebensform, ständig unfreiwilliger Beobachter des Scheiterns werde. Die Unverbindlichkeit scheint doch auf ihre Verbindlichkeiten zu bestehen, wenn wieder ein Menschlein nach einem Glas zuviel sein Lebensmodell "Sex for free" in selbigem ertränken möchte. Wenn in den Zwischentönen eben doch von Verlassensängsten und Unsicherheiten die Rede ist. Wenn sich wieder ein Paar, dem man den Grenzgang Polygamie zugetraut hätte, irgendwo in fremden Bettritzen gegenseitig verloren geht und vor den Trümmern seines gemeinsamen Lebens uncool mit den Zähnen klappert.
Da muss sich nicht mal einer neu verlieben, allein der unstillbare Erlebenshunger auch noch den letzten Fetisch erfühlt und die abgefahrenste Praxis erfüllt zu bekommen, schickt so manchen auf eine Reise ins Niemandsland , nach deren Rückkehr endgültig die Koffer vor der heimischen Türe stehen.
Der Monogamie wird gerne Besitzanspruch zugeschrieben. Ich glaube nicht, dass irgendein Mensch über 25 wirklich daran glaubt, seinen Partner besitzen oder durch Regelements binden zu können. Aber den Wunsch, die Verbindlichkeit der Treue geschenkt zu bekommen, halte ich für nachvollziehbar.
Das hat natürlich etwas mit Sicherheit zu tun. Mit der Sicherheit des Zuhause seins, einer emotionalen Stabilität, sicherlich aber _nicht_ mit einer träumerischen Versicherung gegen die Unwegbarkeiten des Lebens.
Es hat etwas mit Intimität zu tun. Durch Intimität unterscheidet sich ein Paar von innigen Freundschaften und funktionierenden Wohngemeinschaften, meine ich.
Intimität sei mannigfaltig duplizierbar und nehme den jeweiligen Partnern nichts, wird mir ein Poly-Lebender entgegnen und noch den Halbsatz anhängen, dass ein glücklicher freier Partner ja auch wieder Glück mit in die Beziehung bringe...
_ Meine _ Erfahrungen mit polygamen Lebensformen, haben mich etwas anderes gelehrt. Dass Zeit und Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Respekt nicht endlos duplizierbar sind, und sehr wohl in mehr oder minder großen Teilen den anderen betreffen oder beschneiden können.
Nicht zuletzt auch einen selbst. Ich kann mich an Zeiten mit und "zwischen" unterschiedlichen Partnern erinnern, in denen ich das Gefühl hatte, selbst mit meinen eigenen Bedürfnissen kaum noch existent zu sein. Dabei ging´s doch nur um Glück und Wohlgefühl. Auf allen Seiten. Jederzeit.
Eben.
Ein Mensch alleine kann dem anderen niemals vollständig gerecht werden... Richtig. Und ich frage mich , warum er das auch sollte, oder warum man selbst das Komplett-Gerecht-Paket erwarten wollte. Nicht jede Phantasie, nicht jeder Traum muss erlebt werden. Was ist es anderes, als ein freies "Ausweichkommando", sich unerfüllte Vorstellungen oder rege Abwechslung eben anderweitig zu holen. Bekomme ich Kinder mit jemand anderem, wenn zu Hause Unfruchtbarkeit herrscht? Baue ich ein Haus mit einer Affaire, wenn der Lebenspartner pleite ist?
Nur beim Sex ist alles anders. Dort herrscht Spaß und Spaß kann es ja nie genug geben, oder?
Die Liebe ist ein Kind der Freiheit...
Der Freiheit, nicht der Unersättlichkeit.
Die Leidenschaft allerdings liebäugelt mit dem Abenteuer. Und jeder Schwenk mit dem Monogamfähnchen wäre heillos naiv, wenn er aus rosarotem Wolkenkuckucksheim gehalten würde.
Es ist mir unmöglich ein Treueversprechen fürs Leben abzulegen und ich würde dieses auch von meinem Partner niemals erwarten. Aber wir stellen uns keinen Freifahrtsschein fürs Abenteuerland aus. Wenn sich einer von uns verirren sollte, müssten wir uns die Belastbarkeit und weitere Chance unseres gemeinsamen Fundaments ansehen. Klären, ob wir uns weiterhin auf ihm sicher und glücklich fühlen. Oder ob sich Vorstellungen und Wünsche verändert, vielleicht Herzen sich entfremdet haben.
Und ebenso können wir beide heute nicht sagen, ob uns in einem anderen Lebensabschnitt das ein oder andere Spiel mit anderen Personen möglicherweise reizvoll und umsetzbar erscheinen wird. Wir sind keine Kinder von Traurigkeit, aber eben auch keine leichtsinnigen Emotionsvampire.
Es ist sicherlich keine moralische Frage und wir haben als monogames Paar - ebenso wie polygame Zweierbeziehungen - keine Garantie auf gemeinsame Ewigkeit. Für die Dauer unserer Zeit aber, überwiegt der Wunsch nach emotionaler und sexueller Verbindlichkeit den Zauber des ungewissen Abenteuers. Es gibt so wenige, die beim lustvollen Roulette dauerhaft gewinnen. _Wir_ hätten etwas zu verlieren.
(c) Andrea
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