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Es ist schon typisch für diese üblen Extrem-Perversen: Nicht, dass BDSM oder Fetischismus ausreichen würde; als ob es nicht genug wäre, ab und an seinen Partner oder seine Partnerin offensiv handwerklich oder subtil demütigend sexuell anzugehen oder sich an Lack, Leder, Latex oder der entsprechenden Fuß- und Beinbekleidung zu ergötzen. Nein, jetzt kommt auch noch polygamer Massenverkehr dazu. Und wer weiß, was für abseitige Neigungen sich noch dazuaddieren? Eben unersättlich...
So sehr jedenfalls verschiedene Arten des Fetischismus oder der Neigungsausübung in Sachen BDSM - die "üblichen Tabus" wie Kinder oder Tiere, die aber sowieso mit BDSM nichts zu tun haben, einmal ausgenommen - im großen und ganzen toleriert werden, so sehr stößt doch die Polygamie-Frage sehr schnell an heftige moralische Grenzen. So mag es für viele absolut in Ordnung sein, ihren Partner, beispielsweise auf Parties, öffentlich zu demütigen oder nackt an ein Kreuz zu fesseln, aber sie würden umgekehrt das Spiel mit anderen als absolut untragbar ablehnen. Ich habe hier bewusst "Spiel" geschrieben, denn die moralische Grenze, über ich hier spreche, beginnt durchaus schon beim Ausüben gemeinsamer Sessions ohne Verkehr, obwohl weit häufiger natürlich der Sex mit anderen gemeint ist, wenn von Polygamie gesprochen wird. Wie man auch immer dazu steht, interessant ist in jedem Fall, das sich die Einschätzung von Polygamie bei BDSMlern anscheinend nicht sonderlich von der unter "Stinos" zu unterscheiden scheint. Es wird wohl hier nur stärker darüber gesprochen.
Was ist nun aber so schrecklich an Polygamie, was macht sie so anders als andere sexuelle Spielarten? Sicherlich greifen hier in erster Linie moralische Kriterien, da sich Menschen in ihrer Beziehung vom Partner hintergangen fühlen. Ob hier nun wirklich jemand hintergangen wird, hängt sicherlich von der jeweiligen persönlichen Gefühlslage ab und davon, ob es sich nun wirklich um polygam ausgeübte "Spiele" oder um "Affären" handelt.
Das "Problem" mit der Polygamie beginnt aber schon früher, nämlich bereits bei der Definition, die wahrscheinlich ähnlich vielfältig ist wie die von BDSM auch. Daher will ich hier auch nicht versuchen, festzulegen, was richtig oder falsch ist, sondern nur beschreiben, wie sich der Begriff für mich darstellt. Polygamie beginnt für mich mit dem Sex mit anderen Partnern - gemeinsame Ausübung von BDSM mit weiteren Spielpartnern ist da für mich noch einmal etwas anderes. Und, um es gleich zu sagen, ich habe kein Problem beim Gedanken an Sex mit anderen Partnern - weder bei mir noch bei meiner Frau. Gleiches gilt übrigens auch für BDSM und ich setze in der Folge einfach mal Sex und BDSM gleich.
Warum ist das so? Nun, ich unterscheide grundsätzlich zwischen Liebes- und Sex- oder Spiel-Beziehungen. Viele Menschen werten die sexuellen Ausflüge ihrer Partner als Fremdgehen und sehen das als grundlegenden Vertrauensbruch in ihrer Beziehung. Das ist vermutlich der Punkt, den ich ganz anders sehe und handhabe, denn es kann jedem, ob Mann oder Frau, passieren, das er sich von jemand anderem sexuell angezogen oder erregt fühlt. Sonst würde wohl auch kaum jemand auf einer Party bei anderen zuschauen, "wissenschaftliches" Interesse einmal ausgenommen. Und wo sollte man da die Grenze ziehen? Ist das etwas zu lange Hinschauen schon ein "Fremdgehen"? Oder erst der vollzogene Verkehr?
Bei einer Liebesbeziehung geht es aber um weit mehr als die sexuelle Ebene. Hier sind Liebe, Vertrauen und eine gemeinsame Basis für den Alltag deutlich wichtiger, also alles Dinge, die für eine sexuelle Beziehung absolut unwichtig sind. Ein wirklicher Vertrauensbruch beginnt für mich bei der klassischen Affäre, nämlich da, wo man den Partner hintergeht, weil man eine "Zweitbeziehung" führt, in der man die Sorgen und Nöte seine Alltags mit einer anderen Person teilt. Geht es aber um Sex, um das Ausleben von Wünschen und Vorstellungen, vielleicht auch solcher, die der Partner gar nicht mag, geht es um das sexuelle Experimentieren, ist die Partnerschaft keinesfalls bedroht. Umgekehrt kann da eine intensive, aber sexfreie Beziehung zu jemand anderem schon eher ein Partnerschaftskiller sein. Unter diesem Blickwinkel würde ich auch jederzeit behaupten, meiner Frau treu zu sein - nur vielleicht nicht in der sonst üblichen Definition von sexueller Treue. Umgekehrt erwarte ich diese aber auch nicht.
Ich finde es sogar ganz spannend, zu erfahren, wenn meine Frau von jemandem erregt wird und gern mit ihm spielen möchte. Und ich sehe es für mich auch als sehr angenehm an, meiner Lust ohne Versteckspiel nachgeben zu können. Wäre diese Vertrauensbasis nicht da oder würde ich von meiner Frau hören, dass es ihr zusetzen würde, wären die sexuellen "Abwege" in der Tat auch gefährlich für die Beziehung. Polygamie lässt sich nur durchführen, wenn der Partner nicht darunter leidet. Eifersucht und sexuelles Anspruchsdenken dürfen da keine Rolle spielen, sonst geht es in jedem Fall schief.
Ich kann nicht sagen, ob diese Einstellung allgemeingültig ist, aber sie ist auf jeden Fall die Basis für eine Form der Polygamie, die es erlaubt, Sex mit anderen Menschen zu haben, ohne dass es eine Rolle für die Partnerschaft spielt. Man versucht nun wahrscheinlich nicht, beliebig häufig zum Zuge zu kommen, weiß aber, das es sich ergeben darf, ohne Probleme zu bereiten. Grundlegend für alles ist aber, dass die Beziehung stimmt, sich niemand hintergangen fühlt und sich auch aus Spiel und Sex keine Affäre entwickelt.
(c) Extensis
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