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LustSchmerz Konkret: Devotion


9 Stufen: Die Unterschiede zwischen devot und devot - Ein Gastbeitrag zur besseren Selbsteinschätzung von Lady Diamond

Zwischen Devot und Devot gibt es Unterschiede auf die ich hier näher eingehen möchte. Vielleicht kann so ein devoter Mensch feststellen, zu welcher Art Demut er bereit ist und sich so den Dominas zuwenden, die diese Art Sklave suchen. Denn es nützt wohl beiden Seiten nichts, wenn der Part den man einnimmt zum anderen nicht passt. Man erspart sich viele Enttäuschungen, wenn man zuvor abklärt welche Vorlieben ein jeder hat und wozu man WIRKLICH bereit ist. Oft wird zu schnell gesagt: “Ich will Dein Sklave sein.” Ohne wirklich zu wissen, auf was man sich einlässt,was es für den jeweiligen dominanten Part bedeutet, einen Sklaven zu haben und was erwartet wird von einem solchen. Also ist gutes Nachdenken erforderlich, ehrliches in sich selber Hineinhorchen, wozu man bereit ist.

Lies nun aufmerksam, vielleicht kannst du dann sagen: “Ich gehöre zu dieser oder jener Stufe, so kann ich mich unterwerfen und so nicht.”

1. Stufe:

Eindeutig nicht devote Masochisten, die nicht an der Unterwerfung, an Demütigungen oder am Verlust der Selbstbestimmung interessiert sind. Diese sind ausschließlich am Schmerz oder besonderen Empfindungen, und zwar nach seinen eigenen Vorgaben und Bedingungen und zu SEINEN Vergnügen, interessiert. Sie sind nur scharf auf eigene körperliche Empfindungen, weniger darauf, benutzt zu werden, um die Dominanz des Partners zu befriedigen.

2. Stufe:

Scheinunterwürfige Nichtsklaven sind nicht einmal am Spiel interessiert, aber sehr wohl an anderen unterwürfigen Rollenspielen wie Schulmeisterszenen, Infantilismus, erzwungenem Transvestismus. An Demütigung interessiert, aber keine unterwürfige Gesinnung. Er wird alles versuchen die Szene in erheblichen Umfang zu bestimmen.

3. Stufe:

Scheinunterwürfige Sklaven im Spiel: Er spielt gerne und fühlt sich gerne devot, mag auch hin und wieder das Gefühl benutzt zu werden, um so die Dominanz des Partners zu befriedigen, in mancher Hinsicht kann er sogar eine unterwürfige Gesinnung annehmen, jedoch nur zu den eigenen Bedingungen! Bestimmt die Szene in großen Umfang und hat oft einen ausgeprägten Fetisch.

4. Stufe:

Echt devotet Nichtsklave: Dieser gibt tatsächlich die Selbstbestimmung auf, jedoch nur zeitweilig und innerhalb der für ihn akzeptierten Grenzen. Er gewinnt seine Befriedigung hauptsächlich aus Arten der Unterwerfung, die jedoch nichts mit der unterwürfigen Gesinnung gegenüber der Domina oder dem Wunsch zu tun haben, von ihr benutzt zu werden. Er interessiert sich gewöhnlich an seelische Demütigung, Verwundung und Verlust der Verantwortung. Die Szene mag er nicht bestimmen, strebt aber immer nach eigenem direktem Vergnügen und schöpft dies weniger daraus, die Domina zufriedenzustellen.

5. Stufe:

Echt devoter Sklave im Spiel: Er verzichtet tätsächlich auf Selbstbestimmung, dies aber nur vorübergehend, nur in kurzen Szenen und innerhalb seiner gewählten Grenzen. Seine Befriedigung findet er hauptsächlich darin, der Domina zu dienen und von ihr benutzt zu werden - jedoch nur zum Zweck des meist sexuellen VERGNÜGENS. Kein Schmerzerotiker. Er genießt es Objekt des dominanten Parts zu sein.

6. Stufe:

Nicht engagierte, dennoch MEHR als spielende Halbsklaven: Sie geben tatsächlich Selbstbestimmung auf und möchten dienen und von der Domina benutzt werden. Möchten sowohl praktisch/nichterotisch als auch sexuelle/lustvolle Dienste erweisen, JEDOCH NUR, wenn sie in Stimmung sind. Kann auch ein paar Tage Ganzzeit-Sklave sein, möchte aber jederzeit oder nach Ablauf der vereinbarten Frist aufhören. Kann eine langfristige Beziehung zur Herrin haben oder auch nicht, behält sich aber in jedem Fall die ENTSCHEIDUNG vor, wann er ihr dienen möchte.

7. Stufe:

Echter Halbtags-Sklave nach Vereinbarung: Dieser fühlt sich langfristig an eine Herrin-Sklaven-Beziehung gebunden und betrachtet sich als ständigen Besitz der Herrin. Möchte ihr in allen Dingen des Lebens gehorchen und dienen - in praktischer/nichtsexueller wie in lustvoller/sexueller Hinsicht. Widmet den größten Teil der Zeit anderen Pflichten (z.B. Beruf), DOCH die Herrin hat den ersten Zugriff auf die Freizeit.

8. Stufe:

Ganzzeit-Sklave nach Vereinbarung: Diese betrachten sich von einigen wenigen Grenzen und Einschränkungen abgesehen, als Person, die ausschließlich für den Gebrauch, das Vergnügen und das Wohlbefinden der Herrin lebt; erwartet dafür, als wertvoller Besitz angesehen zu werden. Wer in der S/M-Welt eine Vereinbarung als Ganzzeit-Sklave eingeht, hat eine klare Vorstellung vom UMFANG seines Machtverlustes, ist daher in der Regel viel vorsichtiger, kennt die möglichen Gefahren und trifft viel klarer und genauer Absprachen, als normalerweise.

9. Stufe:

Totaler Sklave, ohne Einschränkung, nach Vereinbarung: Ein häufig erstrebtes Ideal, das im wirklichen Leben wahrscheinlich nicht existiert und nicht existieren kann! Einige S/M-ler bestehen darauf, dass man ohne die Bereitschaft, absolut ALLES für seine Herrin zu tun - ohne jede Einschränkung -, kein echter Sklave ist. Ich kenne einige wenige Leute, die von sich behaupten solche totale Sklaven zu sein, aber in allen Fällen hatte ich Grund, diese Behauptung zu bezweifeln.

Konntest Du Dich in einer der Stufen wiederfinden?

Diese Stufen mögen nur ein wenig das breite Spektrum der verschiedenen möglichen Bedeutungen der Begriffe DEVOT und SKLAVE aufzeigen, aber auch hier gibt es viele Grautöne dazwischen, nicht nur: SCHWARZ und WEISS!!

Jeder devote Mensch hat seine ureigene Persönlichkeit und diese spiegelt sich in unterschiedlichen Grautönen in seiner ureigenen Demut wieder. Aus meinen Erfahrungen heraus weiß ich, die meisten Devoten wünschen Szenen aus den Stufen 1-3, währen die meisten dominanten Frauen (ich selbst auch!) Sklaven aus den Stufen 6 und 7 (wovon mir 7 besonders gefällt) suchen.

Wenn Du ein BDSMer aus den Stufen 1-3 bist, ist es wahrscheinlich am besten für dich, KEINE Beziehung zu einer Domina anzustreben, sondern eher zu einer Gleichgesinnten oder einer Person, die in beide Rollen schlüpft. Ihr beide könnt dann abwechselnd Eure devoten oder masochistischen Phantasien ausleben.

Wenn ein Unterwürfiger zu einer Domina sagt: “Ich will dein Sklave sein”, ist oft schwer zu entscheiden, was er meint. Viele Unerfahrene überschätzen ihr eigenes Bedürfnis nach unterwürfiger Gesinnung. Ich spreche hier von den wirklich devot Veranlagten und nicht von jenen, die des sexuellen Erlebens wegen zu allem JA und Amen sagen! Eine Domina muß sorgfälltig herausfinden, wie weit der Sklave wirklich gehen will, ob dieser alles verspricht um eine Herrin zu haben und wo es früher oder später scheitern wird. Dann ist man vielleicht bereits ein großes Stück eines gemeinsamen Weges gegangen und die Enttäuschung auf beiden Seiten ist da vorprogrammiert.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, es macht nun wirklich keinen Spaß wieder und wieder hoffnungsvolle dom./dev. Beziehungen aufzubauen und am Ende doch immer vor dem Nichts zu stehen. Ich rate daher jedem: bevor ihr etwas versprecht oder vorgebt zu sein, prüft euch selbst, was wirklich in Euch ist und nehmt den “Mund nicht zu voll!” Ihr tut euch damit nichts Gutes und dem dominanten Part schon gar nicht. Wenn es dann zu Ende geht bleibt immer ein fader Beigeschmack. In diesem Sinne wünsche ich euch: ehrliche, aufrichtige dom./dev. Beziehungen, nicht der Schein macht das Sein!

(c) Lady Diamond

Anm. d. Red.: Es handelt sich bei diesem 9 Stufen Modell um keine allgemein gültige Einschätzung, sondern lediglich um einen Vorschlag der Gastautorin, eng angelehnt an Diane Vera in Pat Califias "Das SM Sicherheitsbrevier" . U.U. kann dieses Modell aber sinnvoll sein um eigene Wünsche und Bedürfnisse besser zu durchleuchten und somit auch leichter den passenden Partner zu finden.

 

   

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