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Ein Pro - Kommentar zur "Redaktions-Laudatio" von Andrea Schneider
"Frau Schwarzer sehe ganz offenbar eine große Gefahr in der zunehmenden Zahl bereitwilliger Sklavinnen" formuliert A.Knappe in ihrem interessanten Contra-Kommentar zur provokanten Schwarzer-Laudatio und interpretiert eine beleidigte Grundhaltung in die Abwehr, von Frau Schwarzer nicht missverstanden und über einen einseitig feministischen Kamm geschehrt werden zu wollen.
Nein, trotz intensiver Überlegung mag mir das "Beleidigt-Sein" nicht so recht passen, auch wenn ich die Standardantwort die ich bereits vor Jahren von der Emma-Redaktion auf meinen Versuch erhielt , SM Lust in seiner Freiheit zu erklären, als "beleidigend" empfand. Kurz und knapp stand da in zwei Sätzen, dass das feministische Contra zu SM ja -gerade- für Frauen wie mich seine Bedeutung haben sollte, die selbst nicht mehr zu wirklich freier Entscheidung fähig wären.
Ebenso wie "beleidigt-sein" nicht die automatisierte Antwort auf "beleidigendes Verhalten" ist, kann es nicht angehen, Frauen und Kinder automatisiert ins Opferschema zu drücken und den Mann der Einfachkeit halber per se zum Täter zu stempeln. Deshalb empfinde ich auch den Folgeeinwand A.Knappes nur auf den ersten Blick als überzeugend, wenn von den Bedenken gegenüber "vieler selbsternannter Herrn und Meister die Rede ist, die SM dankbar nutzen um ihre völlig veralteten Vorstellungen der Rollenaufteilung zwischen den Geschlechtern endlich guten Gewissens ausleben zu können."
Völlig d´accord, diese Situationen existieren, ebenso wie es SM EinsteigerInnen gibt, die 100fach veröffentlichte Warnhinweise und Anregungen, stets den eigenen Wohlfühlfaktor als Regelmaß für glücklich erfüllenden SM anzulegen, vehement ignorieren und sich dann erschreckender Weise wirklich in realen Abhängigkeits-geschichten wiederfinden.
Aber auch darauf gibt A.Knappe die Antwort bereits selbst: "Das hat oftmals mit dem berühmten und ehrenwerten ssc- Kodex, der im SM Anwendung finden sollte, nichts zu tun."
Nochmalige Zustimmung! Reale Abhängigkeits- und/oder Missbrauchssituationen haben mit SM nichts zu tun und gehören somit auch nicht vor der SM Legalitätsfrage diskutiert. Daß Überschneidungen zwischen SM Welt und Realgewaltwelt existieren und wahrgenommen werden, mag kaum jemand in Abrede stellen, vor dem Hintergrund, dass Sorgentelefone und Initiativen wie Mayday existieren, die sich den Opfern dieser Grenzwelt annehmen, geschulte Leute bereithalten, die Hilfe ermöglichen und auch den Rechtsweg nicht scheuen.
Aber es handelt sich bei schrecklichen Erfahrungen genannter Grenzwelt eben nicht um Sadomasochistische Liebesformen. Diese Trennung wird von Alice Schwarzer und ihren BefürworterInnen nicht vollzogen, obwohl sie wichtig wäre, um dem Thema gerecht zu werden.
Kein Mensch käme auf die Idee Sexualität anzugreifen, weil es Vergewaltigungen gibt, keiner wäre bereit die männliche Gattung zwangszusterilisieren, weil es eine Tatsache ist, dass gewalttätige Handlungen in erster Linie von Männern ausgehen, keiner auf die Idee, Banken zu schließen, weil es Bankräuber gibt, - um in den Beispielen der Contrameinung zu bleiben. Statt dessen, wird glücklicherweise entschieden, ausschließlich den _ real negativen _ Auswüchsen mit rechtlichen Möglichkeiten entgegenzutreten.
Unbestritten, dass Frau Schwarzer und ihre engagierte Arbeit viele wichtige Dinge geleistet hat, um diese rechtlichen Möglichkeiten zu schaffen. Dass ein prügelnder Ehepartner heute der Familienwohnung verwiesen werden kann, und nicht das Opfer eine Flucht Odysee beschreiten muß..., dass Vergewaltigung in der Ehe nicht mehr als akzeptabel verharmlost, sondern als strafwürdiger Übergriff gewertet wird... es gibt viele Beispiele für sinnvolle Ergebnisse des Feminismus, die mit dem Kampf gegen reale Gewalt zu tun haben. Psychischer und physischer.
Es ist ebenso unbestritten, dass Frauen wie ich das Glück hatten, bereits in einer Gesellschaft aufzuwachsen, die uns durch existierende Frauenrechte überhaupt die Möglichkeit zu eigener Meinungsäußerung und eigener Lebensweise gibt.
Und gerade _ weil _ ich diese Möglichkeiten erhalten habe, wehre ich mich vehement dagegen, diese von selber Stelle wiederum beschnitten zu wissen. Ich wehre mich dagegen, - ohne Unterscheidung der Gegebenheiten - als auch sexuell submissiv empfindende Frau - per se das Recht abgeprochen zu bekommen, bewusst und bei klarem Verstand Sadomasochistin sein zu wollen und zu dürfen.
Ich wehre mich dagegen, dass die Unterscheidung zwischen SM und Realgewalt nicht getroffen wird und es somit einfach ist, zwischen politischer Sommerpause und "wirklich wichtigen Fragen", die -vermeintlich- "einfache" Diskussion "wir schützen Frauen und Kinder" parlementarisch abzufrühstücken.
Ich weigere mich, meine Bedürfnisse, meine Gefahren und meinen möglichen Schutz als Frau mit denen von Kindern gleichgesetzt zu wissen, ich finde es unverzeihlich, dass SM Lesben aufgrund heftigster Repressalien von Feministischer Seite oftmals heimatlos zwischen den Stühlen sitzen und gezwungen sind, einer gesellschaftlich/ politischen Bewegung abzuschwören, die sie in vielen Teilen gerne mit vollem Herzen unterstützen würden.
Ich kann zwischen Happy-Weekend-"Erotik" und Helmut Newtons Bildern unterscheiden und muß mich von erstem nicht betroffenen fühlen. Ich empfinde Hausfrauenwerbung in der das "Spültab für Glücksgarantie durch Hochglanzgläser sorgt, wenn es dann für immer ist...", für hochgradig frauenverachtend, während der dumme "Ruf mich an!" Stöhnwerbespot meiner Meinung nach, ein bitteres Armutszeugnis für Teile der Männerwelt darstellt.
Ich bade nicht in SM-Betriebsblindheit und halte es für elementar, innerhalb SMiger Lebensformen immer wieder selbe zu hinterfragen. Ich bin nicht beleidigt :) - ich wage es mit ähnlicher - wenn auch weniger lauter - Vehemenz wie Frau Schwarzer, meinen Wunsch auszudrücken, ernstgenommen zu werden. Als Frau, als Mensch, und nicht als Opfer.
Und ich lasse mich _ nicht _ gerne von Frau Schwarzer missverstehen oder gar verurteilen, weil ich glaube, dass es auch den Missbrauch der Verurteilung persönlicher Freiheit gibt, dem Frauen wie Männer ausgesetzt sein können. Und weil ich überzeugt davon bin, dass es -auch politisches- Ziel eines respektvollen Umgangs mit Menschen sein muss, ihre Recht auf selbstbewusste und klare Eigenentscheidung und die Fähigkeit zum Umgang mit realen Gegebenheiten zu fördern, anstatt einen verallgemeinerten Opferstatus zu beschwören.
Für reale Opfersituationen - gleich welcher Art - sind die rechtlichen Möglichkeiten längst gegeben. Jenseits von Geschlecht, Alter und sexueller Ausrichtung.
© Andrea Schneider
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