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Ganz andere Fetische - ungeliebt und ungesehen
Ein deutlicher Artikel von Merlix
Die SM-Szene besteht, so weisen es viele Überschriften von Partyeinladungen, Vereinsstatuten und Homepages etc. aus, neben SMlern noch aus Fetischisten. Vergessen wir mal lexikalische Definitionen und betrachten nur die Definition qua gelebter Wirklichkeit: Fetischisten sind Menschen, die auf Leder, Lack oder Latex stehen, vielleicht auch noch auf High-heels (auch nur eine Abwandlung der drei großen L) oder andere schicke Attribute gängiger SM-Outfits. Das sind die Fetische, die bei uns vorkommen, also gewissermaßen "unsere". Daher wurden diese auch per Dresscode sanktioniert und damit als gängig und gültig innerhalb der angeblich quietschbunten Szene vorausgesetzt.
Natürliche sind "unsere" Fetische OK, die hat man eben und da kann man geradezu stolz drauf sein - und wenn man vor der SM-Fetischparty noch in einem Fetisch-Laden einkauft ist die Welt eben in Ordnung. Man kann darüber mit der größten Selbstverständlichkeit diskutieren und Neuerwerbungen fetischistischer Sammelwut auf dem nächsten Stammtisch präsentieren. Guck mal, hab' ich neu.
Nicht OK sind dagegen andere Fetische, die ganz offensichtlich darauf hinweisen, daß die Inhaber selbiger mit hoher Wahrscheinlichkeit einen an der Waffel haben. Natürlich ist jemand, der Zahnklammern erotisch findet gelinde gesagt merkwürdig. Oder nicht?
Ebenso jemand, der Holzschuhe anbetet - oder Badekappen, oder Lockenwickler. Diese Begriffe sind nicht der Heiterkeit halber gewählt, es sind durchaus Fetische mit nicht geringer Anhängerschaft.
Wahrscheinlich hat der jeweils Betroffene ein Problem. Ein psychisches. Psychologen würden zwar keineswegs zwischen diesen seltsamen Fetischen und LLL differenzieren, aber da es die ganze Szene tut... Die Szene ist zwar bekanntlich "durch und durch von Toleranz geprägt", aber die Toleranz bezieht sich eher auf die Szene als solche, als auf die ganze denkbare Bandbreite erotischer Neigungen.
Graduell festgelegte Toleranz als Abwehr gegen merkwürdige Sonderlinge, die mit Frauen schlafen wollen, die Pudelmützen tragen. Oder lange Achselhaare haben usw.. Mir sind durchaus ein paar Fälle von Menschen bekannt, die unangenehme Erfahrungen innerhalb der Szene gemacht haben, als sie sich mit etwas abseitigen Fetischen outeten.
Das wahrhaft erstaunlich ist sicher nicht, dass andere diese spezielleren Fetische befremdlich oder erheiternd finden - das mag noch legitim sein. Sehr, sehr erstaunlich aber ist die Leichtigkeit, mit der extravagante Vorlieben in die Nähe seelischer Probleme gerückt wird. Ein netter Abend war, als die Seelenstruktur eines Menschen, der auf Wolle stand, mal eben leichterhand zerpflückt wurde. War doch klar, dass der nicht einfach einen bunten Fetisch hatte, nein, er hatte ein Problem. Und zwar ein lösbares. Es machte sich ein nicht verkennbares Interesse breit, ihm zur Befreiung zu verhelfen...
Da fragt man sich angesichts solcher Erfahrungen, wie hoch die Dunkelziffer an Personen im Kreise seelisch gesunder LLL-Fetischisten sein mag, die noch klammheimlich auf ganz andere Dinge abfahren. Der freundliche Top von nebenan - ein Gipsliebhaber? Oder mit der besonderen Vorliebe für Frauen in Turnschuhen? (in den USA übrigens ein sehr weit verbreiteter Fetisch, der hier erstaunlicherweise offensichtlich kaum Anhänger hat. Fetische sind länderspezifisch).
Wer weiß, vielleicht haben wir mehr oder weniger alle einige special effects auf Lager, deren Existenz schlicht nicht zum Mitteilbaren gehört? Und wäre unsere Szene doppelt oder dreifach so groß, wenn sich all die wirklich bunten Fetischisten tatsächlich angesprochen fühlen würden?
Da gäbe es dann natürlich für die Problemlöser reichlich zu tun ;-)
(c) Merlix
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