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LustSchmerz Konkret: Devotion


Regeln, Stufen und der Ärger mit dem Sub: Erwartungshaltung an den/die Dom - Ein Gastbeitrag von Simon

Seit auf der Erde gedacht wird, stellen dominante Menschen auch das vermeintlich Selbstverständliche in Frage. Als "Normalsub" bin ich natürlich zu ungebildet, um die Geschichte des Streites über den wahren Sub zu verstehen. Aber es lohnt sich vielleicht, ein paar Jahrhunderte nach der Aufklärung, mit dem eigenen Wissen das eigene Denken wiederaufzunehmen. Ich stelle mir also die Frage: Gibt es einen prinzipiellen Unterschied in der Qualität zwischen dem ordinären Sub, auf die dominanten Menschen laufend stoßen, und dem perfekten Sub - resultierend aus dem begrifflichen Denken? Schon bin ich in die Falle geraten, beginne im Käfig des Denkens ruhelos hin und her zu wandern.

Ich fragte gibt es? - und wollte doch eigentlich einem Unterschied auf die Spur kommen. Mir geht es also ähnlich, wie dem Finder jenes Blattes Papier, das auf beiden Seiten die Botschaft enthält "Was auf der anderen Seite steht, ist falsch!" Einen ordinären Sub, gehen solche scholastischen Gedankenspielereien nichts an, behaupten ja manche Doms. Er verfügt nicht über ein Kriterium, mit dem er nützliche von unnützlichen Gedanken scheidet! Denken ist überflüssig, wenn es nicht zur Erfüllung der gestellten Aufgaben dient! Meine Existenzfrage lässt sich nur dadurch positiv entscheiden, wenn ich mich an dem Weg der Verwirklichung halte - und damit ist letztendlich gemeint: materielle Verwirklichung der Gedanken des Doms in Raum und Zeit, also in der wirklichen Welt. Aber wenn der Sub die Fragestellung nun schon mal rausposaunt hat wird erwartet, dass das Resultat meiner Überlegung wenigstens im Prinzip so beschrieben ist, dass auch ein anderer dieses finden und sich auf das Gleiche entscheiden kann. Es muss z. B. unbedingt in der Materie von Papier und Druckerschwärze verwirklicht sein. Diese Manuskripte erhalten dann süffisante Namen: 40 Regeln oder Neun Stufen usw. Vergeblich dagegen Protest anzumerken.

Die dominanten Menschen machen sich gerne Gedanken über die Subs. Tat-Sachen werden beschrieben und nach Ur-Sachen wird geforscht. Der ideale Nährboden für Juristerei. Die Schuldigkeit ist schon vorher determiniert. Schon wieder eine Falle? Wie kann ich unter diesen Umständen die abstrusesten Ideen der Doms verwirklichen? Meine Gehirnmasse rebelliert. Aufgaben, Befehle, Vorstellungen nehmen doch nur dann materielle Gestalt in Raum und Zeit an, wenn diese selbst Seele und Geist erfahren - also in jener Verflechtung von vielen Milliarden Nervenzellen im Gehirn. Nur mein Hirn bewegt die Hände, die Massen und den Lauf der Welt. Wenn aber meine Seele und Geist am Abstrusesten scheitert? Ich bin schuld. Der dominante Teil liefert mir die Beweise.

"Er konnte sich nicht aklimatisieren, hat nicht reingepasst", ist immer wieder zu hören. Das mag für einige stimmen. Andere laufen nur den Frusts und den immer wieder gleichen Konflikten davon. Oder wenn der Dom sein Haupt erzürnt erhebt nach dem Motto "Der Sub hat bei mir nichts zu sagen es sei denn, er kündigt seine Notdurft an" und dann sagt "Bewähre dich erst einmal, dann sehen wir weiter", dann kippt die Stimmung. Der Erste ist schon gegangen, der Zweite auch. Oft gerade dann, wenn es richtig loszugehen scheint.

"Drei Monate haben wir über die Anwendung eines Toys gesprochen" sagte mir neulich ein Sub. Bloß: Nach einem halben Jahr war noch nichts passiert. Wen wundert's wenn dieser Sub das Ganze hinschmeißt. Meine Dom und ich haben darüber lange debattiert, argumentiert, philosophiert. Diese Diskussion bescherte uns sogar die Erkenntnis über die "Relativität der Existenz" - einer Beziehung, unserer Beziehung. Manches lässt sich hinter einer glänzenden Fassade aus Kult und Schauspielerei verbergen - für kurze Zeit. Neue Ideen werden aber in nicht wenigen Fällen nach dem Prinzip "Was dem verkümmerten Sklavengehirn entspringt, darf nicht gut sein" erfolgreich abgewürgt und jedwede Aktivitäten so launisch wie das Wetter unternommen. Da wird selbst der unwahrscheinlich devoteste Sub einfach sauer. Ja gewiss, der dominante Part ist der "Chef". Und Beziehungen brauchen "Standards". Diese sollten klar und verständlich sein sowie für alle Beteiligten akzeptabel bleiben. Mir wird schwindelig!

Stehle ich mich mit Zugeständnissen davon? Hatte ich mich nicht gerade darauf geeinigt, dass Beziehungen durch virtuose Selbstorganisation und seine Ideen statt durch Bürokratismus effektiver gestaltet werden? Mir wird klar: Die Realität ist auf den "Raum der Möglichkeiten" zurückzuführen! Was für die Beurteilung räumlicher und zeitlicher Abstände gilt, also von Alter oder Dauer, so ist ebenso die Größe eines Regelwerkes nichts Absolutes. Schon gar nicht wenn es um Menschen und deren seelischen und geistigen Beziehungsgeflecht geht. "One size fits all", bitte, wer daran glaubt. Glauben heißt bekanntlich Zweifel ertragen können. Diese Welt ist voller Ketzer, die diese einheitliche Ordnung nicht anerkennen wollen und ständig stören. Ich passe scheinbar für manche Dom nicht ganz in das Sub-Bild. Sie hegen Zweifel.

Wir fanden in unserer Disputation einen weiteren gemeinsamen Nenner. Gebetsmühlenartige Flexibilitätsforderungen, die immer dort gefordert werden, wo die eigenen Betroffenheit aufhört, sind kein Fundament. Dom muss den Sub auch als Menschen akzeptieren. Nur wer die Sorgen und Hoffnungen des anderen kennt, weiß von dessen Bedürfnissen. Und jeder gewichtet seine Bedürfnisse anders. Ja, nun muss ich doch die Realität von der Fessel der widerspruchfreien D/S-Beziehungen lösen? Ob es für gut befunden wird oder nicht, Sprüche wie "du bist nicht devot" oder "sub" oder gar "du bist völlig ungeeignet" motivieren und binden nicht. Anerkennung, ehrliches Feedback im Guten wie im Schlechten, um die Beziehung weiter zu entwickeln, die Bedürfnisse intensiver abzustimmen, umso mehr. Falls es öfters als im gelegentlichen Gespräch über das gemeinsamen D/S -Spiel stattfindet. Dann macht es Sinn, dann sehe ich, der Sub, Perspektiven, dann bringe ich mich weiter ein.

Meine dominante Partnerin weiß: Für das Umsetzen von spannenden Ideen "arbeite" ich nächtelang und bringe alles ein, was ich zu bieten habe. Sie spürt, erlebt, genießt es. Der Betätigungsdrang bringt sie, mich und unsere Beziehung weiter. Und als kreativer Sub weiß ich, dass brillante Ideen nur so gut sind wie ihre Umsetzung. Diese müssen sichtbar, diskutiert, gespielt, über die Anwendung gemeinsam gelacht werden. Das Ketzertum muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden! Meinen Befreiungsversuch im verzweifelten Größenwahn gegen Kerkerwände zu toben und zu diesem Zweck immer raffiniertere Möglichkeiten zu konstruieren, war zum Scheitern verurteilt. Der Missbrauch der verführerischen Macht verursachte in unserer Diskussion doch ein wenig Krisenstimmung. Doch das logische Denken brachte uns ein Stück Himmel herein. Nur die engagierte, inhaltlich reibungsvolle Beziehungen lässt unser Hirn Salto schlagen. Diese, unsere Beziehung ist gewinnbringend, sie steckt an und wir wollen mehr davon. Wir reden über die Sache, unseren Sex, den SM, die Spielvarianten, gemeinsam, statt nur zu "kommunizieren". Die Selbstorganisation verdeutlichte uns die Komplexität: Wird nämlich durch regulative Abtast- und Bewertungsprozesse innerhalb unserer Beziehung zu viel verändert, dann findet ein Abbau statt. Die "Krone der Schöpfung" hat dann ebenfalls noch nicht einmal die Zeit den eigenen Wert hinreichend kritisch zu beleuchten. Schauen wir uns mehr in die Augen, dann spielen die Finger eine geringere Rolle. Dadurch wurde Vertrauen aufgebaut, die Bindung gefestigt, ja das Zugehörigkeitsgefühl hat sich sehr stark entwickelt. Der weitere Entwicklungsweg wird uns fast wie von selbst andere Dimensionen erschließen lassen - und oftmals sind es die kleinen Schritte.

"Opium fürs Volk" - so könnte man meinen. Warum kommt mir gerade diese Redewendung in den Sinn? Soll gerade von dorther die Rettung kommen? Die Heilsversprechen haben jedoch andere übernommen. Durch Postulierung von Regelmechanismen, Idealmodellen und dem technischen Basteln an den lebendigen Wurzeln dieser Welt unter Missachtung von Naturgesetzen glauben sie sich in der Lage, dem Sub dimensionale Beschränkungen aufzuerlegen und schöpferische Erfahrungen abzusprechen. Die Denkschemen hinter dem Gestammel dieser Gestalten am "Ende der Evolutionslinie" erscheinen als angebliche logische Notwendigkeiten, ja als Heiligtümer. Soeben verkündigen sie wieder: Wer Sub ist, der muss sich in Zukunft noch mehr aufgeben. Eigentum an meinen Lebensgrundlagen, Bedürfnissen, Emotionen und dem Raum voller Möglichkeiten wirkt wie Sklaverei. Wie die Sklaverei müssen offenbar die Paragraphenmentalität und die Erniedrigungswettbewerbe überwunden werden, damit Subs sich wahrhaftig einbringen können. Die Aufklärung, die dem menschlichen Sub in seinem "Gefängnis" ein Stück Himmel zeigt, brachte mich zu der Erkenntnis, es muss nicht alles definierbare, einordnungsfähige, regelbare Materie sein. Der Mensch empfindet großes Glück in der Begegnung von Seele und Geist; verbunden mit der Auslebung der daraus entstehenden Turbulenzen. Wo soll es in der von Regeln überfluteten Welt eine Rolle besondere spielen, wenn nicht mit dem gewählten Partner, in der gemeinsamen "Heimat". Ich denke, gerade heute sehnen sich die Menschen danach. Denn die multikulturellen, weltumfahrenden, telekonferierenden, multimedial vernetzten Menschen suchen nach Verortung, Zugehörigkeit und "Heimat".

Und sexuelle Grundbedürfnisse gehören unbedingt dazu. Für mich darüber hinaus diese mit SM zu verbinden, der Himmel auf Erden. Heimatgefühle sind knappe Ressourcen geworden. Heimat und Bedürfnisse regeln sich jedoch nicht nach monotheistischen Auffassungen. Notwendig ist ein Denken in Ergebnissen als auch Präsenzen, in Kompetenzen als auch Exzellenzen, in Diversitäten als auch Uniformitäten, in Sein und Schein (statt "mehr Sein als Schein"), ein Denken in "sowohl als auch" statt in "entweder-oder" Kategorien. Klar ist ebenso, es erfordert ein gemeinsames Umgehen mit einer der größten Komplexitäten: die individuellen Eigenheiten, Eignungen und Eitelkeiten der Menschen - und dabei noch den Blick für's Ganze, die Familie und (SM-)Kultur, im Auge behalten. Dies ist wahrlich nicht trivial. Ich denke, es lohnt sich Heimat und empirische Bedürfnisse zu realisieren. Aha - Beute will er machen, der Pirat! Kann denn aber das Wühlen in den Manuskripten oder auf dem Grund von Strukturen Schaden anrichten? Es muss nicht alles Materie sein, was man anpacken kann! Spielerisch die Beziehung gestalten und an der Beziehungspflege arbeiten, stets mit dem Akzent SM. Der Lustgewinn kommt aus gegenseitiger Achtung, Respekt, Vertrauen, Offenheit und anderer vielfältiger Gemeinsamkeit. Dieser rechtfertigt dann schließlich auch so manche Gemächlichkeit.

(c) Simon

Weil der Sub im Raum der Möglichkeiten in die Ecke des Philosophen getanzt ist, erfolgt die Offenbarung der Grundlagen des Wagnisses der Diskussion mit seiner Dom:

  • Liebst Du mich neidlos, oder bin ich Dir eher ein notwendiges Übel, eine Art Hassliebe?
  • Was bietest Du mir, um mich zu halten, und was wird davon glaubwürdig eingelöst?
  • Welche Qualitäten willst Du intensiv probieren, und welche werden von Dir belohnt?
  • Bin ich für Dich Funktionsträger, Leistungsträger, Mensch oder Substitut?
  • Wie gut kennst Du meine Bedürfnisse, Sorgen, Hoffnungen, Wünsche wirklich?
  • Wie oft schaust Du mir in die Augen - dann müssen wir uns weniger auf die Finger schauen?
  • Wie oft sorgst Du für Anerkennungen (privat und öffentlich)? Wie flexibel ist Dein Trainings- und Regelsystem? Wie oft gibst Du mir ein Feedback, im Guten wie im Schlechten?
  • Welche Freiheiten gibst Du mir im Denken wie im Handeln und wie klar definierst Du Rahmenbedingungen?
  • In wie vielen Gesprächen, Aussprachen kommt das wirklich Relevante auf den Tisch? Wie lange dauert bei Dir ein Entscheidungsprozesse? Und wenn entschieden wird, bleibt es dabei oder gerätst Du am Tag danach ins Wanken?
  • An wie vielen Regeln und Ritualen der "guten Ordnung" stoße ich im täglichen Leben an und lassen bei Dir die Lust in Frust kippen?
  • Wie viele Fehler werden von Dir offen gelobt, wenn wir beide daraus gelernt haben?
  • Wie beleidigt bist Du, wenn ich einen besseren Vorschlag habe?
  • Wie gut kennst Du die Kompetenzen und Motivationsfaktoren von mir?
  • Wie förderst Du, dass ich mich in unserer Familie, dem Freundeskreis und der Gesellschaft engagiere?
  • Warum sind die Subs so furchtbar unzufrieden und entfliehen aus der Beziehung, wenn sie sich gerade eingelebt haben?

 

 

 

 
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