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"Good Vibrations": Alles Wissenswerte über Vibratoren - ein Beitrag unseres Redakteurs Extensis
Good, good, good, good Vibrations..." wurden schon von den Beach Boys besungen. Und jede Woche verraten kleine, unauffällige Umschläge aus Flensburg dem Bundesbürger, mit welchen Importprodukten aus Fernost er denn nun diese "Vibrations" erreichen soll. Man findet sie in jedem Sex-Shop zuhauf, sogar in biedere Versandhauskataloge sind sie, gut getarnt, vorgedrungen, nur die Kaffeeröster haben sie bisher noch nicht in Ihrem Programm: Die Vibratoren.
Aber was hat es mit den Geräten, die vornehmlich als Importe aus Asien und den USA zu uns kommen, auf sich? Was ist das Geheimnis der bunten, gerillten, genoppten mit Perlen oder kleinen Vögelchen versehenen Geräte, die den multiplen Orgasmus ebenso versprechen wie dauernde Lustorgien bis zum Ende der Batterien?
Vibratoren gehören zu den am häufigsten verkauften Sex-Spielzeugen - mit steigenden Umsatzzahlen. Was anno 1979 noch für Skandale sorgte - als Gianna Nannini auf dem Cover ihres Albums ‚California' der Freiheitsstatue einen Vibrator in die Hand gab - ist heute schon so sehr Allgemeingut, daß der "Gastauftritt" des ‚Rabbit Pearl'-Vibrators in ‚Sex and the City' bestenfalls noch zu einer erhöhten Nachfrage geführt hat. Trotzdem sind weiterführende Informationen über Vibratoren immer noch dünn gesät.
Vibratoren sind die Fortsetzung des Dildos mit einem mechanischen Innenleben, das ihm zu einer lustfördernden Schwingung verhelfen soll. Die Idee ist beileibe nicht neu; die ersten Vibratoren tauchten bereits in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts auf - damals noch deklariert als streng medizinische Hilfsmittel gegen Hysterie. Ob es diese dampfbetriebenen Monster wie den ‚Manipulator' des amerikanischen Arztes George Taylor von 1869 auch auf Rezept gab, ist allerdings nicht überliefert...
Gerüttelt oder geschüttelt?
Heutige Vibis finden sich hauptsächlich in drei Ausführungen. Der bekannteste ist der batteriebetriebene Typ in der klassischen Penis-Form, die mehr oder weniger stilisiert sein kann. Der nächste Typ ist dem ersten sehr ähnlich, nur erfolgt seine Stromversorgung via Kabel und Netzteil aus der Steckdose, was das Problem des Batteriewechsels (Klar, die sind immer genau dann leer, wenn das gute Stück zum Einsatz kommen soll) löst und oft auch eine stärkere Schwingung erlaubt. Der dritte Vibratortyp ist mental immer noch ein wenig im 19. Jahrhundert geblieben und tarnt sich als "medizinisches Hilfsmittel". So kommt er, wie der legendäre ‚Hitachi Magic Wand', als längliches, klinisch-weißes Massagegerät daher, mit dem man auch mal eine verspannte Schulter lockern könnte. Etwas anders gelagert ist der Fall bei den Vibratoren, die von Versandhauskatalogen als ‚Gesichtsmassagestäbe' präsentiert werden. Die sind zwar auch klinisch-weiß, aber durch ihre Form trotz der moraldeformierten Darstellung eindeutig der ersten Kategorie zuzuordnen.
Unsere heutigen, ‚echten' Vibratoren, also die, die sich offen als Sex-Spielzeug zu erkennen geben, stammen größtenteils aus Asien und den USA und werden aus den verschiedensten Kunststoffen gefertigt. Besonders beliebt ist derzeit das flutschig-weiche ‚Jelly'-Material. Diese Kunststoffe sind es, auf die man, neben den subjektiven Faktoren Form, Farbe und Schwingungsstärke, bei der Auswahl eines Vibis achten sollte. Leider sind die Hersteller, was die Inhaltsstoffe ihrer Verkaufsschlager angeht, nicht besonders auskunftsfreudig. Diese Verschwiegenheit ist verständlich, handelt es sich doch um eine Branche, bei der Gewinnspannen von rund 500 Prozent (Stand 2001) ebenso an der Tagesordnung sind wie zum Teil katastrophale Arbeitsbedingungen in China, dem Hauptherstellungsland, mit weit über 100 Arbeitsstunden pro Woche und ungenügenden Schutzmaßnahmen für die Arbeiter.
Diabolische Dildos
Einem Reporter des ‚Stern' gelang es 2001, sich die Herstellungsbedingungen in der Sex-Toy-Industrie näher anzusehen - mit niederschmetternden Ergebnissen. In der Folge hat das Eco-Institut in Köln 2001 vier in Deutschland gekaufte Vibratoren und Dildos aus dem populären ‚Jelly'-Material untersucht. Die Toys gasten - auch wenn sie nicht benutzt wurden - ausnahmslos toxische Substanzen aus und gaben Weichmacher (Phthalate) ab. Die Menge an Weichmachern überschritt dabei den Grenzwert, der für Kinderspielzeug gilt, um ein Vielfaches. Diese Phthalate dürfen in Spielzeugen nur in einer Konzentration von 1.000 Milligramm pro Kilo enthalten sein. Bei den ‚Jelly'-Toys waren es bis zu 243.000 Milligramm pro Kilo. Weichmacher stehen im Verdacht, den Hormonstoffwechsel zu stören, indem sie durch die Haut in den Körper eindringen und sich in Leber, Nieren und Fettgewebe ablagern.
Selbst Branchen-Insider sprechen, laut Stern-Bericht, von diesen Sex-Toys als "stinkendem, toxischem Schrott". Leider liegt die Vermutung nahe, daß sich seit 2001 nicht sonderlich viel an der Sachlage verändert hat. Das ist wohl auch der Grund dafür, daß sich die Vibrator-Hersteller in den USA mit dem Hinweis "Sold as novelty only" (Entspricht etwa: Nur als Scherzartikel zu verwenden) ein juristisches Hintertürchen aufhalten.
Der geneigte Leser mag festgestellt haben, daß die Tests anhand der Grenzwerte für Kinderspielzeug durchgeführt wurden. Das liegt schlichtweg daran, daß es keine Grenzwerte für Sexspielzeuge gibt. Dieser nicht ganz unwichtige Lebensbereich wird bislang von Behörden und Verbraucherschützern weitgehend ausgeklammert. Hier dürften Prüderie, Berührungsangst und Verklemmtheit immer noch eine gewisse Rolle spielen.
Universelles Helferlein Silikon
Nun besteht aber kein Grund, das Thema Vibratoren aufzugeben und sich komplett von den kleinen elektrischen Lustspendern fernzuhalten - man sollte nur auf die netten Geräte aus ‚Jelly' und ähnlichen Leckereien aus dem Chemielabor verzichten.
Als Alternative bieten sich Vibratoren aus anderen Materialen an. Vorbildlich sind hier Firmen wie die Fun Factory aus Bremen oder Nobra, die ihre Vibratoren und Dildos aus gesundheitlich unbedenklichem Silikon anfertigen. Wesentliche Vorteile von Silikon sind, daß es ungiftig, hautfreundlich, antiallergisch, pflegeleicht sowie geruchs- und geschmacksneutral ist. Die Oberfläche ist samtweich, verfügt aber über die nötige Festigkeit. Silikon nimmt schnell die Körpertemperatur an und ist daher sehr angenehm beim Einführen. Diese Spielzeuge sind nicht unbedingt die preisgünstigsten auf dem Markt, werden dafür aber auch nicht unter gefährlichen Bedingungen irgendwo in China gefertigt, sondern in Handarbeit in Deutschland.
Wichtig ist auch die Oberfläche des Vibrators. Auch hier bietet Silikon einige Vorzüge. Je glatter der Vibi ist, um so besser ‚flutscht' er auch; je mehr Rillen und Vertiefungen er aufweist, um so schwerer ist er zu reinigen. Will man den Vibrator auch in der Badewanne oder unter der Dusche verwenden, schränkt sich das Angebot noch einmal deutlich ein und man sollte auf ungewisse ‚auswärtige' Produkte zugunsten der am Markt verfügbaren, entsprechen als ‚Wasserdicht' gekennzeichneten ‚sicheren' Silikonprodukte verzichten.
Käfer oder Porsche - wo kommt die Power her?
Kaum ist die Materialfrage geklärt, kollidiert die Vibrator-Käuferin (oder natürlich der Vibrator-Käufer) mit der nächsten Frage: Was leistet das gute Stück überhaupt? Die hochglanz-verpackten Vibratoren im Shop geben da nur äußerst rudimentär Auskunft, es sei denn, daß man die Ankündigung des ‚Multi-Power-Super-Hurra-Orgasmus' als ernsthafte Qualitätsaussage auffaßt.
Um es gleich vorweg zu sagen: die Leistung eines Vibrators ist natürlich eine höchst private Einschätzung, aber es scheint doch so, daß eine stärkere, ‚tiefe' Schwingung mehr Anklang findet als eine eher leichte. Schnelle Vibration. Unter diesem Blickwinkel erreichen nur sehr wenige Vibratoren zufriedenstellende Ergebnisse. Diesen ‚Schwingungsmangel' machen einige Geräte dafür mit erhöhter Lautstärke wett. Um das zu verstehen, ist ein schneller Blick ‚unter die Haube' notwendig. Vibratoren arbeiten zumeist mit Motoren, auf die ein Schwungkörper aufgesetzt ist, der unrund läuft und so die Vibration erzeugt. Wenn man nun überlegt, daß es sich - speziell bei den batteriebetriebenen Modellen - um winzige 3-Volt-Motörchen mit einem entsprechend schmächtigen Schwungkörper handelt, wird klar, daß man da kaum heftige Vibrationen erwarten kann. Leider gibt es nur wenige Vibis - meist kabelgebundene -, die mit stärkeren Motoren und damit auch größeren Schwungmassen ausgestattet, angenehme, tiefe Vibrationen erzeugen können.
Laut und luschig
Auch die Lautstärke ist ein wichtiges Kriterium, denn wer will schon die Nachbarn mit dem Geräuschpegel einer Mittelklasse-Küchenmaschine davon in Kenntnis setzen, daß man gerade wieder an der Lehrgangsreihe ‚Multipler Orgasmus leichtgemacht' arbeitet? Die Webseite ‚Lovetoytest' hat zahlreiche handelsübliche Vibratoren getestet und dabei bei einigen Modellen über 50 dB festgestellt; das entspricht einer Lautstärke, die sich schon störend bemerkbar machen kann. Zum Vergleich: Eine durchschnittliche elektrische Zahnbürste erreicht etwa 59 dB.
Bei der Vibrationsstärke liegen viele der Freudenspender unter dem als optimal angegebenen Wert von 50 mm/sek. Hier liegen, neben dem kabelgebundenen ‚Hitachi Magic Wand', der mit gut 138 mm/sek so etwas wie die Vibrator-Referenz ist, eigentlich nur die Silikonprodukte aus deutscher Herstellung vorn. Diese Geräte, die schon qua Material gesundheitlich die beste Wahl darstellen, werden in Deutschland hauptsächlich von der Bremer ‚Fun Factory' angeboten. Sie erreichen Werte von 50 bis knapp über 60 mm/sek und erreichen, je nach Modell, eine Lautstärke von ca. 43 bis 60 dB.
Daneben gibt es noch einige ‚Ausnahmegeräte' in Deutschland, die in Kleinauflagen gefertigt werden. In diese Kategorie fallen die handgefertigten Produkte von ‚Nobra', die aber bisher von ‚Lovetoytest' nicht getestet wurden. Hier erreichen einige Modelle Schwingungszahlen, die mit 430 mm/sek sogar noch deutlich über der Referenz von Hitachi liegen.
(c) Extensis
Wichtige Tipps rund um den Vibi hat uns "Nobra", eine Herstellerin von Vibratoren, in einem Interview verraten ->
Quellen und Verweise:
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