
Haha! Haue!
Oder: Humor ist, wenn man trotzdem lacht…
Immer wieder kommt es bei SM-Spielen zu Situationen, in denen sich zeigt, dass wir alle nicht perfekt sind: Sklaven nicht und leider, so ungern ich es zugebe, auch wir Herrinnen nicht immer. Klar kann es passieren, dass sich die stolze Gebieterin im eben erst kunstvoll drapierten Bondageseil verheddert und der Länge nach auf den Sklavenkörper fällt. Ups! Und natürlich kann es vorkommen, dass sich der Sklave im Eifer des Gefechts verhaspelt, wenn er die Peitschenhiebe mehrerer Herrinnen mitzuzählen hat und dann gar nicht mehr weiß, ob er sich nun bei der "Herrin", der "Madame" oder der "Gräfin" bedanken muss.
Schade, wenn dem dominanten Teil der Angelegenheit in solchen Situationen nichts Besseres einfiele, als die Strafe zu erhöhen, die Disziplinarmassnahme zu verschärfen oder den Druck zu verstärken. Viele glauben, einer Domina dürfe niemals ein Lächeln über die Lippen kommen. Höchstens höhnisches Gelächter. ("Hähähä, unwürdiger, nichtsnutziger Sklave, du! Dir wird' ich's zeigen!") Wer beim Quälen lacht und lächelt, vielleicht sogar noch über sich selbst, der könne es nicht wirklich ernst meinen.
Natürlich sind Züchtigungen obligat, wenn sich das Lustobjekt unerlaubterweise in Heiterkeitsausbrüchen ergeht. Aber in einigen Fällen kann es der Ernsthaftigkeit der Lage zuträglicher und damit der Lust weitaus förderlicher sein, der Komik nachzugeben und nicht nur selbst mal laut herauszulachen - wenn es sein muss, auch über sich selbst - sondern dies auch dem submissiven Mitspieler zu gestatten. Nach drei Mal tief Durchatmen kann man sich dann wieder gefasst, erfrischt und erfüllt von neuen boshaften Ideen dem unvollendeten Erziehungswerk wimen.
Bei und über BDSM zu lachen (und beim sadomasochistischen Treiben tatsächlich Spaß zu haben) hat nichts mit Sich-lustig-machen oder Verantwortungslosigkeit zu tun. Und bevor man zu einem verantwortungsvollen, aber humorlosen, langweiligen und spießigen Sadomasochisten wird, wäre eine Portion "leicht nehmen" angesagt. Leicht nehmen heißt nicht "auf die leichte Schulter nehmen". Heißt nicht "Verantwortung abschieben". Heißt nicht "den Schwanz einziehen" (hihi!). Leicht nehmen heißt: Spaß haben, sich vergnügen, sich selbst genug sein.
Ich kenne einen Fotografen, dessen Motto "Fetish is Fun" sich in jedem seiner (höchst anregenden, erotischen) Bilder widerspiegelt, selbst wenn darauf schmerzhafte SM-Praktiken zu sehen sind. Nicht erst einmal musste er sich von einem Betrachter ein verwunderters "Aber die lachen ja!" anhören. SM muss weh tun, nicht Spaß machen.
Immer wieder erhalte ich Mails von Lesern, die sich darüber mokieren, ich würde mich über BDSM lustig machen oder dem Thema nicht den gebührenden Ernst widmen. Ich wäre eine überhebliche, gefühllose Person ohne Verständnis für das andere Geschlecht.*) Und es gibt einen ganzen Haufen Scherzkekse, die es vorziehen, witzig gemeinte Passagen gleich gar nicht mitzukriegen oder kläglich misszuverstehen und jede Formulierung auf die Waagschale zu legen. Über SM schreibt man keine frivolen Zweideutigkeiten.
Natürlich ist Sadomasochismus ist eine ernst zu nehmende Sache. Sehr ernst. Überaus ernst sogar. Nach wie vor werden bekennende BDSMler unter Druck gesetzt, sozial ausgegrenzt oder sie verlieren sogar ihren Arbeitsplatz. Wir Sadomasochisten sind weit davon entfernt, mitsamt unserer Form der Sexualität als Gleiche unter Gleichen anerkannt zu werden. Und wirklich grundlegend wird sich daran voraussichtlich auch in den nächsten paar Jahren nichts ändern, auch wenn mittlerweile jeder Durchschnittsnormalo mindestens ein fetischistisches Kleidungsstück im Schrank hängen hat. Also: Auf in den Kampf, Genossen?
Mitnichten. Oder wenigstens: Nur mit einem Grinser im Gesicht. Verbiesterte Verbissenheit hat noch niemandem genutzt, außer der Faltenbildung.
Manche selbsternannte Szenegurus nehmen sich selbst und ihr Anliegen so ernst, dass sie ganz darauf vergessen, dass es bei strengen Spielen, wie bei jeder Art von Sex, vor allem und in erster Linie um LUST geht. Um Erotik. Vergnügen. Selige Befriedigung. In ihrem Streben danach, dass BDSM von der Öffentlichkeit als durchaus "normale", nicht-krankhafte, sondern lustvolle sexuelle Variation anerkannt und ernst genommen wird, gehen sie um ein paar Kilometer zu weit. Dann wird Sadomasochismus zu einem Thema, über das man einfach nicht zu lachen hat. SMler müssen leiden, nicht lachen.
Dabei resultieren viele unserer Probleme mit der Öffentlichkeit ja erst daraus, dass die Leute die Sexualität viel zu ernst nehmen. Wenn SMler endlich als lebenlustige, humorvolle, lachende Personen wahrgenommen würden - wer weiß, vielleicht kriegt dann jemand Lust, bei all dem Spaß auch mitzumachen...
Natürlich ist es eine ernst zu nehmenden Angelegenheit, einem anderen Menschen Schmerzen zuzufügen, ihn zu schlagen, zu stechen, zu schneiden, auf ihm herumzuspazieren oder ihn bewegungsunfähig zu machen. Ihn zu erniedrigen, zu beschimpfen oder zu demütigen. (Lechz!!!) All das sind schlimme Dinge, unbestritten, und wer sich nicht auch ernsthafte Gedanken darüber macht, ist ohne Zweifel eine Gefahr für die restliche Menschheit. Ich sehe beim Thema SM jedoch weitaus mehr Hirnwixer und Angsthasen als Genießer und Lebenskünstler.
Hier in Wien gibt es zum Glück ein Sprichwort, das die übliche Dramatik: "Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos" in ihr weitaus amüsanteres Gegenteil verkehrt: "Die Lage ist hoffnunglos, aber nicht ernst." Subtil freundlich, nett und höflich lassen wir den Rest der Welt unseren Buckel runterrutschen. Mir scheint, manch verstocktem Lesermailschreiber stünde die Aneignung dieser Sichtweise ganz gut an. Denn es gibt wenig Lustvolleres, als nach vollendeter Session gemeinsam mit dem Sklaven lachen zu können. Und dann gibt's einen Fußtritt und ab ins Körbchen, wie es sich gehört...
Mit einem herzhaften Harhar!!! (wie Kater Karlo sagen würde, wer ihn noch kennt) , verabschiedet sich für heute
CaroLine
*) Wie wäre es um meine Qualitäten als Herrin bestellt, wenn ich für meine Sklaven nicht konsequent Strenge und Härte aufbrächte? Verständnis und Mitgefühl gibt's bei der Freundin. Hier gibt es Haue.
Photos: R.Putzker
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