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HAMBURG
vorgestellt von Jan Hendrik und Andrea
Manche meinen noch immer, Hamburg sei die Hauptstadt der nichtkommerziellen SM- und Fetischszene in Deutschland. Wie dieses ebenso hochtrabende wie erwartungs-frohe Etikett zu Stande kommt, ist mir als Quiddje und überzeugtem Hanseaten nicht ganz klar.
Vielleicht liegt es daran, daß hier im hohen Norden die Wiege der Schlagzeilen stand, damals 1989. Vielleicht liegt es aber auch an der Liberalität und Weltoffenheit einer Hafenstadt, in der das Geschäft und der Umgang mit Sex im weitesten Sinne nicht nur einen erheblichen Wirtschaftsfaktor darstellt, sondern in manchen Gegenden allgegenwärtig im Straßenbild präsent ist.
Nicht nur die Reeperbahn im Stadtteil St. Pauli, auch das schwul-lesbische St. Georg am Hauptbahnhof bietet eine ganze Menge Befriedigung für den lüsternden Besucher der Stadt. "Leben und leben lassen" war und ist noch immer ein Motto, daß die vielen Menschen in dieser Metropole - in Hamburg und dem Umland leben circa 2,1 Millionen Menschen - zusammen hält oder jedenfalls friedlich nebeneinander leben läßt.
Schon früh haben sich hier Sadomasochisten und Fetischleute zusammen gefunden, um sich auszutauschen, miteinander zu spielen und eine ganze Menge Spaß zu haben. Auf geht's zu einer durch und durch subjektiven Tour durch das perverse Hamburg:
Hamburger Szene - Die Treffs
Wer in Hamburg SM'ler und SM'lerinnen jeden Alters und aller Schichten persönlich treffen will, schaut z.B. im"Cafe SittsaM" (Wexstrasse 42, am Großneumarkt) rein. Das 1.Hamburger SM & Fetisch Cafe ist ein Anlaufpunkt um im Kreise von Gleichgesinnten einen netten Abend zu verbringen.
Nach dem Umzug zum Grossneumarkt und dem Fortgang von Sabine hat sich einiges geändert, aber auch Pepe und ihr Team kümmern sich nett um das leibliche Wohl Ihrer Gäste, die Stimmung ist locker und entspannt, und so manche Paare zieht es nach Anmeldung am Tresen auch in den Keller. Dresscode ist hier übrigens _nicht_ Pflicht, aber natürlich möglich. Geöffnet ist Montag bis Sonntag, die exakten Öffnungszeiten entnehmt bitte der Sittsam Homepage. Jeden letzten Samstag im Monat findet hier übrigens auch eine offene Partynacht für Singles und Paare statt. Und auch der immer mal wieder stattfindende SM Flohmarkt hat seine Liebhaber gefunden.
Einen zweiten wichtigen Anlaufpunkt bietet seit Oktober 2006 nun auch die UnSchlagBar, Nobistor 36, in HH St-Pauli. Ganz nah an der Reeperbahn haben Sabine und Andrea einen sehr ansprechenden Rahmen für die Szene gefunden, von der sie in den letzten Jahren sehr vermisst wurden. Nun sind sie inkl. frischem Wohnzimmer für alte und neue Gäste zurück und lassen sich einiges einfallen. Ob bei Lesungen, Veranstaltungen, oder auf einen Drink in samtrotenem Ambiente, - Hamburg schaut rein und freut sich über die Heimkehr zu bekannten Gesichtern. Im Keller ist auch ein kleiner Spielraum vorhanden, die Küche wurde allerdings abgeschafft, deshalb besser nicht hungrig kommen.
Für einen ersten Kontakt mit der Szene besonders zu empfehlen ist der Schlagwerk "Chill Out" an jedem Sonntag ab 19:00 Uhr in der UnSchlagBar, Nobistor 36, in HH St-Pauli. Hier treffen sich jedes Mal rund 20 alte und junge, männliche und weibliche, kleine und große, dicke und dünne Menschen aus der Stadt (und auch von viel weiter wech), die Spaß haben an ihrer außergewöhnlichen Sexualität und Lust haben, andere kennen zu lernen, denen es ebenso geht. Der Schlagwerk "SMalltalk", das ausschließlich für Einsteiger angebotene Treffen an jedem 2. und 4. Sonntag im Monat (im Noodles, Schanzenstraße 2-4, 20357 Hamburg), richtet sich speziell an Einsteiger und soll bitte auch nur von diesen genutzt werden.
Für alle Menschen, die sich im weiblichen Körper viel wohler fühlen würden oder gerne in die Frauenrolle schlüpfen, ist der richtige Treff der Transgender Stammtisch der jeden Donnerstag ab 19 Uhr im Cafe Uhrlaub, Lange Reihe 63, Hamburg / St. Georg stattfindet. Die Gruppe veranstaltet auch immer mal wieder Transgender Partys, also einfach mal den Kontakt suchen und weitersehen.
Wer sich für Korsetts und High Heels begeistern kann, dem sei der internationale LGM-Club "Les gracieuses modernes" In der offenen Gruppe treffen sich Freunde und Freundinnen des elegant-geschnürten Frauenkörpers, um sich ihrem kleinen Fetisch hin zu geben, darüber zu reden und Gleichgesinnte zu treffen. Außerdem veranstalten die Korsettfreunde einmal im Jahr die sogenannte "geschnürte Nacht" in einem Schloß mit allem drum und dran. Aber Achtung: Das offensichtlich-sexuelle scheint hier deutlich im Hintergrund zu stehen, viele Aktive legen mehr oder ausschließlich Wert auf eine Eleganz, wie sie in Western- oder auch Sissy-Filmen zum Ausdruck kommt. Für Clubmitglieder gibt es außerdem eine kleine Zeitung mit Texten und Bildern zum Thema. Wann und wo sich die Gruppe trifft, erfahrt ihr auf der Homepage des LGM-Clubs oder per Email.
Partys & Events
Thema: "Dresscode": Eine Garantie, auch wirklich eingelassen zu werden, gibt es nicht. Wenn man aber darauf achtet, sich einer erotischen Veranstaltung entsprechend zu kleiden und die eigene Phantasie - die bei weitem nicht immer schwarz sein muß - auch bei der Kleidung spielen zu lassen, ist die Wahrscheinlichkeit dabei sein zu können ziemlich groß. Auch hierbei merkt man, daß Hamburg weniger elitär ist als manch' andere Metropole.
Leider hat sich die Hamburger Partyszene seit 2003 stark verändert. Einige Veranstalter mussten die Segel streichen, so gehören "Heaven & Hell" und die Abart-Partys inzwischen leider der Vergangenheit an und nur wenige neue Veranstalter folgen mit einzelnen, unregelmässigen Events nach.
Erhalten wird die Extravaganza, die zwischenzeitlich ein- bis zweimal jährlich im "Bunker" stattfindet. "Fetishdecadence" heisst es unregelmässig aber hoffentlich noch oft für Musik- und Fetischfans, wenn das Exclusiv Team Hallen füllt.
Der Nachfolger der schon legendären "Les Fleurs Du Mal"-Partys im Molotow am Spielbudenplatz ist die Respekt!-Party, die vom AuA Sündikat und der Redaktion der Schlagzeilen jeden 1.Freitag in den ungeraden Monaten ausgerichtet wird.
Die Partys werden veranstaltet in der Prinzenbar (Kastanienallee 22, 20359 Hamburg- Siehe Foto oben), die für diesen Zweck entsprechend hergerichtet wird. Die Spielräume befinden sich im Keller. Die Stimmen zur Respekt! sind sehr gemischt: manche Besucher sind hellauf begeistert von der "paarfreundlichen Atmosphäre", andere selbst ausgewiesene und begeisterte SM'ler aus Hamburg berichten, sie seien mit der Begründung, die Männerquote sei bereits erreicht oder das Outfit eben nicht erotisch genug, bereits an der Türschwelle abgewiesen worden. Welche Version wahr ist, vermag ich nicht zu sagen. Am besten, man versucht sich sein eigenes Bild zu machen.
Für Einzelpersonen und Paare sind möglicherweise die SM-Touch Parties im kommerziell-professionellen SM-Lokal Touch(Erichstr. 16, 20359 Hamburg) interessant. Wer Reeperbahn Clubambiente schätzt, kommt hier fast täglich auf seine Kosten, einmal monatlich finden am Samstag reine Paarabende statt. Neu sind die Lipstix-Veranstaltungen speziell für TVs, TS, Bi-Frauen und Lesben, die in unregelmässigen Abständen im Keller des neuen Cafe SittsaM stattfinden.
Shops & Einkaufsmöglichkeiten
Auch hier gab es Veränderungen. Der legändere PULS Drugstore ist leider nur noch als Online Shop erreichbar, nachdem sich das Ehepaar PULS nach vielen Jahren auf dem Kiez nun auf seinen Altersruhesitz in Ungarn zurückgezogen hat. Schade, die beiden Hamburger Urgesteine werden fehlen.
Dafür ist erfreulicherweise das Team rund um Christiane Bludau zurück! Seit April 2006 befindet sich die wunderbare Goldschmiede ORO wieder mitten auf St.Pauli und wer besonderen Schmuck, als Zeichen der Verbundenheit oder auch als Intimschmuck sucht, der lässt ihn sich dort nach eigenen Wünschen anfertigen. Ein Besuch lohnt sich allemal wenn man auf dem Kiez ist, ob zum inspirieren lassen oder mehr, - das ORO Team kümmert sich ebenso professionell wie herzlich um die Wahrwerdung Eurer Schmuckwünsche. Zu finden in der Paul-Roosen-Straße 30, 22767 Hamburg-St.Pauli, Mo-Fr 10 bis 18 Uhr, Sa 10 bis 14 Uhr oder nach Vereinbarung: Tel.: (040) 54 80 37 94, und natürlichauch im Web: http://www.goldschmiede-oro.de
Reichlich Ware von der Stange gibt es für unsereins in der Boutique Bizarre(Reeperbahn 35, 20359 Hamburg). Im größten Fetisch- und SM-Kaufhaus Europas, das selbst in der harmlosen Hamburger Stadtillustrierten SZENE große Anzeigen schaltet, hat sich seit dem Umbau im Jahr 2002 viel getan, weshalb auch diese Rezension mit der Zeit verändert wurde. Heller, freundlich und kompetent ist nun der Rahmen, allerdings muß man am Wochendende in diesem Laden auch mit 1 Euro Eintritt rechnen, ob sich als interessierter Kunde von der Kiez-Guck-Kundschaft zu unterschieden und Einlass zu erhalten. Beim Kauf wird dieser Betrag aber angerechnet. Und: da führt kein Weg drum rum: ein Besuch in der "Bizarre", die täglich bis 2 Uhr nachts geöffnet hat, ist ein MUSS beim Kiezbumel.
Fetishdesign, Piercing und Tattoofreunde zieht es ins Karoviertel, etwas oberhalb von St.Pauli um bei Jungbluth einzukaufen. Dort findet sich extravagante Mode, nach Design von Silvia Jungluth, sowie gute Betreuung bei Piercingwünschen. Daphne ist dort Eure Fachfrau fürs Stechen, Heilen und Schmücken.
Eine herrlich große Auswahl an atemberaubend hohen Pumps bieten die beiden Schuhgeschäfte Messmer und Blicker auf der Reeperbahn. High Heels in allen Formen, Farben und Variationen, ebenso schlichte und mit Schnörkeln verzierte wie elegante und verdorbene Exemplare haben diese beiden Fachgeschäfte im Programm. Hier finden sich übrigens auch die beliebten und in "normalen" Schuhgeschäften so seltenen schenkellangen Schaftstiefel auf Leder oder glänzendem Lackmaterial. Hier kauft die Stammkundschaft aus dem ältesten Gewerbe der Welt ihre erotische Arbeitskleidung ebenso wie das mutige Vanilla-Pärchen vom Lande erste Gehversuche auf hohen Hacken macht. Empfehlenswert!
Auch das Redaktionsteam der Schlagzeilen lässt sich gerne besuchen. Mit ein wenig Glück erhascht man einen Blick auf die Macher der Szenezeitschrift und kommt mit ihnen bei einem Kaffee zum Klönen. Ihr findet sie in der Simon-von-Utrecht-Strasse _hinter_ der weissen Kirche, einfach dem Eingangsschild "Charon Verlag" folgen und klingelnd Einlass begehren. Dort kann man sich mit Seilen, Büchern und SM Schmuck eindecken.
Ansonsten gibt es natürlich auf der Reeperbahn selbst, Sex und Sexartikel an jedem Eingang. Einen Bummel über die heisse Meile solltet Ihr Euch also nicht entgehen lassen.
Soweit die SM City-Tipps aus Hamburg, dem Tor zur Welt. Diese Aufstellung ist nicht vollständig. Wenn ich etwas Wesentliches, einen besonderen Laden oder eine Top-Location vergessen habe, bitte ich schon jetzt um Nachsicht.
Wenn ihr Euch auf den Weg macht in den Hohen Norden, laßt es uns wissen, wo ihr wart und wie es war. Die Redaktion und der Autor freuen sich sehr über Euer Feedback.
(c) Jan Hendrik & Andrea aktualisiert im November 2006
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