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Ein Redaktionsbeitrag von Andrea Schneider
In allen Lebenssituationen die mit Liebe und Gefühl zu tun haben, können sie vorkommen: emotionale Abhängigkeiten sind nicht SM-gebunden. Es gibt sie in Vanilla Beziehungen, in Eltern/Kind Situationen, unter Geschwistern, Freunden, in rein sexuellen Beziehungsgeflechten ebenso wie in platon-ischen Konstellationen.
Auch wenn es der "gesunden" Liebe nicht passieren soll: manchmal ist einer der Beteiligten formbarer als der andere, werden Gefühle manipuliert, absichtlich oder unabsichtlich Schwächen zum eigenen Vorteil ausgenutzt, wird die Waagschale von Emotionen dominiert, die in ihrer starken Präsenz kein Glück versprechen. Nein, emotionale Abhängigkeiten finden sicherlich nicht nur im Sadomasochismus fruchtbaren Boden, aber die Feststellung, dass dieser in einer Sexualität die auch mit Abhängigkeitsverhältnissen spielt, gefährlich gut gedüngt ist, dürfte nicht allzu weit hergeholt sein.
Es kommt vor, dass SM Beziehungen eingegangen werden, die kein weiteres gemeinsames Fundament neben der harmonierenden Sexualität haben und an denen im Alltagstest trotz kläglichen Scheiterns über lange Zeit festgehalten wird . Es werden Lieben und/oder Herr/Sklaven Konstellationen inszeniert, die zwar erotische (Abhängigkeits-) Träume erfüllen, aber mit menschlichen Seelen umgehen, als gäbe es diese täglich frisch am Wochenmarkt.
Ob als "Spiel" oder "Lebenseinstellung" gesehen, - wenn Grenzen nicht für beide Seiten erfüllend verschoben, sondern möglicherweise das Durchbrechen von Tabus gefordert wird...
Wenn Hingabe nicht mehr als freiwilliges Geschenk gewürdigt, sondern verantwortungslos als "zu liefernde Mitgift" erwartet wird...
Wenn Dom/e unreflektiert zum ausschließlich eigenen Vergnügen austeilt und sich niemals -auch- die Frage nach eigener Unzulänglichkeit stellt...
Dann hat dies mit SM nur noch wenig zu tun, dann bewegen wir uns in einer Situation, die viel mit emotionaler Abhängigkeit zu tun hat. Schließlich ist da eine/r der/die etwas mit sich machen lässt, das ihn real entmenschlicht, Eigenverant-wortlichkeit beschneidet, Grenzen überschreitet und persönliches Glück auf eine harte Probe stellt.
Die Gründe sind vielfältig: wer opfert schon gerne die Erfüllung seiner Träume "nur" weil es neben vielen glücklichen Situationen im Laufe der Zeit auch ungesunde Wendungen gibt? Wie viele haben lange -zu lange- nach einem Partner gesucht, der SM Neigungen sein eigen nennt? Wie ist das mit der Sklavin, die aufgrund ihres reifen Alters um die Schwierigkeiten einer weiteren gescheiterten Beziehung weiß? Straffe Haut ist vergänglich, das Interesse männlicher Beachtung auch... Will man seine Vanilla Ehe wirklich geopfert haben, um letztendlich doch alleine mit seinen Phantasien zu leben? Ist die Einsamkeit dem hartnäckigen Festhalten persönlicher Grenzen vorzuziehen? Und schließlich ist es irgendwie doch sein "Recht als Herr"...
Glücklicherweise sind sie selten, aber es gibt sie und sie erschrecken mich: Emotionale Abhängigkeiten zwischen SMern, die auf der Suche nach dem großen Glück leidvolle Kompromisse eingehen, die Narben hinterlassen, Seelenspuren zeichnen und im schlimmsten Fall als "einzig echter" SM gerechtfertigt werden.
Nein, SM Sklave/in ist nicht, wer aufopfernd - ohne Rücksicht auf eigene Verluste- zum Spielball herrschaftlicher Wünsche wird. Und Herr/in beweist sich nicht durch Manipulation und Ignoranz gegenüber menschlichen Schwächen. Auch nicht unter dem Deckmäntelchen der abgesprochenen Selbstaufgabe oder der von Anfang an formulierten Erwartungen.
"Ohne bleibende Schäden" nennt sich das, was wir alle -rein körperlich gesehen - problemlos unserem (Spiel-)Partner zu garantieren bereit sind. Mit der psychischen Unversehrtheit wird es nicht immer ebenso ernst genommen. Manches NEIN an der persönlich notwendiger Stelle, und die dazugehörige Akzeptanz ohne emotionalen Erpressungsversuch könnte leidvollen freien Fall ersparen, der weitab von ersehntem hohem Flug liegt. "Tu es für mich, wenn Du mir wirklich dienen willst" ist eine ebenso abstruse Aussage wie der Wunsch nach einem uneingeschränkten Liebesbekenntnis. Wer selbst glaubhaft liebt, wird dieses niemals einfordern und wer mit Herz und Verstand beherrscht, benötigt kein tabuloses Gegenüber.
Klar: auch hier gilt wie so oft: Vorstellungen und Wünsche sind vielfältig und Verantwortung ist keine Einbahnstrasse. Der morgendliche Blick in den Spiegel darf von beiden Seiten neben Rasur oder Schminken jederzeit durch einen kurzen ungeschönten Augenblick erweitert werden und sich die Frage nach gegenseitigem Respekt, Glück und speziell emotionaler Sicherheit stellen. Im Gegensatz zur Abhängigkeit lebt diese von Freiheit, Vertrauen und guten Gefühlen.
Ein Blick lohnt.
© Andrea Schneider
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