|
Ich sehe sie - von Andras
Ich sehe sie,
Augen offen, gespannt,
Ein Reh im Scheinwerferlicht,
eine Löwin im innern.
Gelesen, gesprochen, beschnuppert,
aber nicht gesehen.
Sie sieht mich
Ich sehe sie.
Höflich sprechen, tasten, proben
Höflich ist nicht, was man so denkt,
Die Augen glitzern, suchen tiefer, toben,
Ist er der, dem sie sich schenkt?
Kribbeln, in den Adern, auf der Haut
Ein Luftzug den man scharf verspürt,
die Ader, die am Hals pulsiert.
Berührung, die sie sehnlichst braucht
Ihre Augen, hilflos fordernd, halten Dich
Ich tauch hinein, will nähren, schützen, dieses Licht
Doch darauf lässt sie sich nicht ein
Du fühlst, Du riechst, sie ist jetzt Dein.
Es ist soweit, der Biss erfolgt,
Dein Puls tobt, sie scheint zu leuchten,
sie steht, sie geht, sie kommt schon wieder,
der Glanz in diesen Augen klar zu deuten
Sie hat jetzt den Befehl befolgt.
Kerzenschein wird blass dagegen,
wenn sie Deine Augen sucht, und fordert
wie ein Feuer, das hier lodert
in dem zwei Motten glühend fliehn
Es treibt uns fort, dem Licht entgegen
Schweigend, denn die Worte sind gesagt
Zitternd, bebend ihre Hand,
du greifst sie, zeigst dass sie die Stärke hat
Im Dunkeln zündest du die Kerzen an
Allein sie steht, sie sieht sie nicht
Die Dunkelheit ist ihr allein,
Sie ist das Licht, das Licht ist mein.
Des Lichts beraubt will sie nun sehen
Was die Dunkelheit verbirgt, mit aller Kraft
Die Nüstern beben, sie denkt, sie riecht, sie fühlt
was sie nicht sehen darf.
Leicht nur fühlt sie meine Hand,
legt bloß was noch verborgen,
und mit fallendem Gewand
ist sie mit mir nun aufgehoben.
Gedrückt, gelenkt, gebannt, geführt
Ist wie sie die Haltung findet,
es ist kein Seil das Sie hier bindet.
Es ist der Geist der sich berührt
Stahl ist schwach zu diesem Bogen
Der die Brücke spannt die wir jetzt gehen
Haut ist der Boden auf dem wir Handeln
Es ist Zeit die Sehnsucht anzuflehn
Sie atmet, bebt, die Welt steht still
Der Boden, bebt, die Welt entschwindet
So es ist, weil ich es will
Die Sicht verkürzt, der Raum verschwindet
Die Welt ist sie, ein Fokus, wie in Stahl gefasst
Sie kniet, kein Seil, ist doch gebunden,
Bewegungslos, obgleich sie rast
Sie kommt nicht weg, hab sie gefunden
Ich sehe jede Pore,
nichts bleibt vor mir versteckt,
die Welt
sie hat sich mir entdeckt.
Ich bin Sie, und sie ist mein,
Sie windet sich, sie bäumt sich auf,
in süßer Pein ist sie verzückt,
hat sie mein Ich Mir jetzt entrückt?
Der lange Weg, die ganze Reise,
zeigt sich hier, ganz offen, ehrlich,
schon lange nicht mehr zwei
wer fliegt, kann nicht alleine sein
Ein Stück von mir bleibt hier zurück
Irgendwo in all den Farben
Die Blindheit schenkt, MUSS ich mich laben
Das Stück das diese Reise lenkt
Ihr Atem ist, der Seele schenkt
Mein Kuss, der uns die Haut versengt
Ich halte Sie, den Weg bereitend
Ein Blatt im Wind, das jetzt hier gleitet
Wo ist die ganze Spannung jetzt
Wo verhallt der Seelenschrei
gemeinsam hab ich sie gebunden
gemeinsam haben wir gefunden
Ich sehe sie, sie sieht mich nicht
Hab die Augen ihr verbunden
Doch im Licht der Kerzen,
befürchte ich ein Blick der Schmerzen
Ich zögere, hab Mut gefasst
Langsam löse ich das Band,
such die Augen, ihren Blick
doch dort ist nichts, was mich jetzt hasst
Ihren Augen ziehen mich jetzt an,
ich suche, was ich finden kann.
Tief im Innern, seh ich mich,
Und in meinen Augen sieht sie sich
Hat sie gebunden, was mein Ich
Ich sehe sie
Und sie sieht
Sich.
(c) Andras - Für Angela
|