Spacer München: 21.11.08
Für alle Südlichter gilt am kommenden Wochenende: Le Café Bizarre goes New York! Die nächste Fetish night findet in der Diskothek "New York", Sonnenstr. 25 im Münchner Zentrum statt. Rauchen ist am 21.11. im Partybereich uneingeschränkt möglich, geöffnet ist von 21:30 bis 04:00 Uhr, bitte mit Dresscode. Mehr unter http://www.bdf-party.de/

 

 

 

 



Höhepunkte mit Leid oder Mitleid?
Oder: SM und Orgasmus

Jedes Mädchen hört es spätestens als junge Frau, wenn sie ihre ersten orgasmusmäßig enttäuschenden Sexerlebnisse hinter sich hat: „Sex ist doch auch ohne Höhepunkt schön, mein Schatz! Das tut doch unserer Zweisamkeit keinen Abbruch!“, verkündet der junge Galan. Und die holde Maid antwortete: „Ja, Liebster, unsere Zärtlichkeit ist mir soooo viel wichtiger!“ Und er setzt sich auch weiterhin nicht näher mit ihren sexuellen Bedürfnissen auseinander und kann nun ohne Rücksicht auf Verluste weiterficken  – immerhin findet sie es ja auch „ohne“ schön. Sie darbt und vertrocknet vor sich hin, wünscht sich sehnsüchtigst, doch auch einmal kommen zu dürfen, und kommt schließlich, aber zu dem Schluss, dass das alles nur an ihr läge, ja, ihre Schuld sei...


Unter BDSM-Vorzeichen spielt sich häufig ganz genau dieselbe Situation (bei mir selbstverständlich mit vertauschten Rollen) ab. Doch wenn die Herrin zu ihrem Sklaven sagt: „Nein, du wirst heute nicht kommen!“, dann ist das natürlich ganz etwas anderes. Oder?

Orgasmusverweigerung im Rahmen von sadomasochistischen Spielen dient meist der Disziplinierung im Sinne eines höheren erzieherischen Ziels, ist also Kasteiung zu höheren pädagogisch-erotischen Zwecken. Na gut, zugegeben: Manchmal geht es auch einfach nur um Bestrafung aus niedersten egoistischen Motiven, zum Beispiel aus Schadenfreude und lustvoll-boshaftem Vergnügen. Sei es wie es sei, in vielen Fällen hat die Absenz eines sklavischen Ergusses jedenfalls bewusste Gründe – und hängt nicht wie im oben beschriebenen Beispiel mit einem eklatanten Mangel an Bereitschaft, Geschicklichkeit oder Einfühlungsvermögen zusammen.


Der Effekt ist allerdings oft ein ähnlicher: Beim Spiel ganz hart am Rande des Orgasmus wird im Sklaven der sehnsüchtige Wunsch nach einem Höhepunkt ebenfalls immer intensiver, je länger die Herrin ihren Sub gängelt. Es ist ein Genuss, genau auf jenen Punkt zu lauschen, wo das gequälte Stöhnen gerade noch nicht in das abhebende Japsen übergeht... Wenn ich meine roten Fingernägel über die Sklavenhaut kratzen lasse, in sein bestes Stück drücke, über die zarte Haut gleiten lasse, um dann mit spitzen Finger das Bändchen an der Unterseite zu massieren und zu zwicken – japs! Dann wird rasch ausgelassen und unschuldig gegrinst ... Kommt gut, wie man so schön sagt...

Bei manchem unterwürfigen Stück muss frau gar nicht so direkt werden, um rasch an die fragliche Grenze vorzustoßen. Da reicht es, die Brustwarzen zu kneifen, mit Klammern zu versehen und oder zu peitschen – schon ertönt das wohlig-schmerzvolle „Ahh!“, das auch auf dominantem Rücken Schauer rieseln lässt. Anderen genügt ein zu leckender Fuss, eine Fußsohle oder noch weniger: die Sohle eines Schuhs. Mit viel Fingerspitzengefühl, Fingernägeln, Nadeln oder Absätzen lässt sich wunderbar an diesem Grat entlang balancieren, manchmal auch tageland... Fragt sich nur, was am Ende passiert.

Ihr alle, ihr dominanten, boshaften und/oder einfach nur sadistischen Frauen, ihr kennt die Situation: Du hast dich mit deinem Toyboy vergnügt, ihn gekratzt, geschlagen, gepeitscht, ihm die Augen verbunden, den Schniedel gebondagt und die Brustwarzen geklammert, bist auf ihm herumgesessen oder gestiegen, hast ihn verbal/anal/oral traktiert, bepinkelt, gestochen, geknebelt, geritzt... Eine richtig schöne Session war das, herrlich, du hattest deinen Spaß und dein Lustobjekt ziemlich offensichtlich auch.


Und es hat sich auch brav zurückgehalten, hat deutlich seinen jeweiligen Reizzustand erkennen lassen und sich benommen, wie es sich eben gehört. Deshalb steht ihm doch auch eine Belohnung zu, oder? Deshalb lässt ihn die verantwortungsvolle Herrin ergießen, nicht wahr? Explodieren, bevor er des Nachts in sein Laken explodiert... Hmm...

Nur: Was geht mich eigentlich sein Laken an? Was geht es mich an, ob er sich im Traum gönnt, was er bei mir nicht gekriegt hat? Wenn ich genug habe, dann ist es eben genug. Punktum. Ob er kommt oder nicht, könnte mir als dominanter Part doch eigentlich egal sein, nicht? Oder ist die Sache doch nicht so einfach? Bis zu welchem Grad muss frau auf die triebhaften Bedürfnisse ihres submissiven/masochistischen Gespielen eingehen?

Wie dominant ist es eigentlich und wie viel Spaß macht es denn, wenn du genug hast und ihm aus Mitleid oder Pflichtbewusstsein auf seine Frage hinauf „Darf ich bitte kommen, Herrin?“, noch gestattest, sich einen runterzuwedeln? Oder wenn du dazu gar selbst vielleicht auch noch Hand bzw. Fuß anlegst? Armseliges Ende...

Ich verstehe ja, dass eine orgiastische Session nach einem entsprechenden Abschluss geradezu schreit, weil sonst häufig ein schaler Nachgeschmack zurückbleibt statt des wohlig-erschöpften Glückgefühls, das sich nach vollbrachtem Spiel einstellt. Ich gestehe ja, dass das Lust-Röcheln eines Sklaven einen ganz besonderen Kick für mich darstellt, und dass ich dieses „nachher“ auch sehr mag, wenn der Sub versucht, seine aufgelösten Grenzen wiederzufinden...


Aber bin ich zu irgendwas verpflichtet? Nö. Immerhin hat mein Gespiele natürlich, genau so wie ich, die Entscheidungsfreiheit, sich mir kein nächstes Mal anzuvertrauen. Aber Erfüllungsgehilfin seiner Feuchtträume bin ich sicher nicht, so schade das manch einer auch finden mag. Deshalb gibt es ja auch Damen, die für ihre dominante Dienstleistung (schöner Widerspruch in sich!) bezahlt werden. Ich will was anderes von einem Spiel haben.

Und wenn wir schon beim „Lohn“ des Vergnügens sind: Hat sich schon mal jemand Gedanken gemacht, wie es dem dominanten Teil orgasmusmäßig geht? Wie viele Herrinnen kommen eigentlich während der ach so orgiastischen Sessions selbst? Ich persönlich kenne jedenfalls nur wenige, die den Spagat schaffen zwischen dem Beherrschen der Situationen, wie es ihrem dominanten Status entspricht, und dem Aufgeben der Kontrolle, wie es ein sexueller Höhepunkt erfordert. Und die wenigen kommen garantiert auch nicht immer. Wieso sollte es also für Subs anders sein?

Langer Rede kurzer Sinn: Wie die Herrinnen Höhepunkte handhaben, bleibt natürlich jeder einzelnen überlassen. Für allgemeine Grundsätze ist diese Angelegenheit viel zu stark Geschmackssache und vom Verhältnis der Spielenden zueinander, vom Verlauf der Session, von allen möglichen sonstigen Umständen und nicht zuletzt von der individuellen Laune abhängig. Und eine Regel nach dem Motto: „Erst wenn die Herrin gekommen ist, darfst auch du!“, würde wohl die Zahl der bei Sessions erlebten Höhepunkte drastisch reduzieren.


Als einzige Grundregel würde ich festhalten: ein Orgasmus muss verdient werden. Meistens empfiehlt es sich wohl, den – wohlverdienten – sklavischen Höhepunkt in das Spiel zu integrieren und zeitgerecht stattfinden zu lassen, das heißt, dann, wenn es der Herrin passt. Mich persönlich nervt nichts mehr, als wenn der Sub nachher ein „Oh, jetzt schon?“ (oder eine dämliche Bemerkung ähnlich minderer Qualität) von sich gibt. Dann bemühe ich mich das nächste Mal (so es ein solches überhaupt geben sollte) ganz sicherlich darum, dass er diesen Satz nicht aussprechen muss – indem das Thema Orgasmus eben ganz einfach vollständig vermieden wird. Punktum.

Bis bald mal wieder!
CaroLine

P.S.: Achso, wie ich selbst auf meine Kosten komme? *grins*
Mein kleines Geheimnis...

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