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Interview - 10 Fragen an Mark Nowiasz
1) Nach 8 Monaten Zielfindung, soll der Bundesverband Sadomasochismus (BVSM) nun am 31.05. 2003 als eingetragener Verein gegründet werden. Welche Ziele soll der BVSM bevorzugt vertreten?
Meiner Meinung nach Öffentlichkeitsarbeit und politische Lobbyarbeit. Servicedienstleistungen sind zwar nett, aber kein Grund einen solchen Aufwand zu betreiben.
2) Du gehörst zu den Menschen, die sich an diesem anstrengenden Prozess rege beteiligt haben. Somit _ könnte _ Dir am 31.05. das Vertrauen einer Vorstandsposition ausgesprochen werden. Würdest Du die Wahl annehmen und warum? Wovon wäre eine "Vielleicht-Position" abhängig?
Nein, ich würde nicht in den Vorstand gehen - aus mehreren Gründen: zum einen polarisiere ich selbst zu stark. Ein solcher Verein braucht Integrationsfiguren, und als solche habe ich mich noch nie gesehen. Zum anderen sehe ich mittlerweile den erzielten Kompromiss als für mich unbefriedigend an. Last but not least: ich war nie eine Person, die das Rampenlicht sucht - ich arbeite lieber im Hintergrund und überlasse öffentliche Ämter lieber besser geeigneteren Personen. Ist wie in der Poltik: die Minister oder Botschafter sind nur für die Öffentlichkeit da, die eigentliche Arbeit machen andere :-)
3) Ob im Vorstand oder in einem der angedachten Arbeitskreise: welches Aufgabengebiet würde Dir für die aktive Mitarbeit im BVSM am meisten entsprechen? Wo möchtest Du Dich engagieren?
Schwer zu sagen - das hängt ganz stark davon ab, wie der BVSM sich entwickelt und welche Aufgaben er übernehmen soll. Wenn er sich so entwickelt, wie ich das hoffe, entweder im Bereich Internet/Technik und/oder im Bereich Öffentlichkeitsarbeit.
4) Gibt es einen Themenbereich des geplanten BVSM, den Du keinesfalls aktiv begleiten möchtest?
Auch das hängt davon ab, wie der BVSM sich entwickelt. Keinesfalls würde ich im Bereich direkter Jugendarbeit irgendetwas tun - meine Bedenken in der Beziehung sind bekannt.
5) Über weite Strecken der Diskussion wurde der Themenbereich "Öffentlichkeitsarbeit" aus Gründen des Facettenreichtums BDSM als nicht erstrebenswert benannt. Nun spricht sich eine überwältigende Mehrheit der SMer unter "die Umfrage" für genau diesen Schwerpunkt aus. Wie lautet Deine Meinung dazu?
Meine Meinung ist die gleiche wie vorher: ein Bundesverband, der keine Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyarbeit macht, ist kein Bundesverband. Die anderen Features wie Servicedienstleistung sind zwar nett, rechtfertigen jedoch den Aufwand nicht. Dafür braucht es keine große Gründungsversammlung und eine Umfrage.
6) Es ergibt sich die Möglichkeit, für ein akzeptables Print-/ oder TV Medium den BVSM in einem Interview zu vertreten. Bist Du bereit, offen mit Deinem Gesicht und Deinem Namen eine Stellungnahme abzugeben? Und: welche Ansprüche stellst Du selbst an einen Vertreter des BVSM, der zu einer öffentlichen Stellungnahme bereit ist?
Sicher wäre ich bereit, mich öffentlich mit Gesicht und vollem Namen zu äußern - seit ca. 7 Jahren schreibe ich bewußt unter vollem Namen Mails/Postings/etc im Internet, außerdem habe ich einige Leserbriefe unter vollem Namen geschrieben. Da es nur einen "Mark Nowiasz" deutschland- (und wahrscheinlich weltweit) gibt, wäre es auch sinnlos, sich mich hier zu verstecken :-)
Allerdings: ich bin nicht wirklich medienerfahren, noch fotogen/telegen. Bedenken hätte ich persönlich keine. Zum zweiten Teil: auch ein öffentlicher Vertreter des BVSM sollte unter vollem Namen seine Aussagen machen - anders hätte das keinen Sinn. Der Öffentlichkeit muss gezeigt werden, dass SMler keine Duckmäuser sind, die Angst vor ihrem Schatten haben. Dies setzt selbstverständlich vorraus, dass der Betreffende schon geoutet ist bzw. keine negativen Konsequenzen durch ein Outing zu erfahren hat.
7) Organisatoren und aktiv Bewegende, stehen nicht nur im Fokus, sondern leider auch schnell im Angriff. Welche Deiner Eigenschaften und Fähigkeiten werden Dir in "heißen Phasen" am besten helfen, am Ball zu bleiben und die Sache weiter voran zu treiben?
Im Zweifelsfall: zur Not ein Paar Stunden abschalten, sich beruhigen und dann kühl und überlegt auf Angriffe einzugehen.
8) Blick nach vorne: welche Ziele sollte - Deiner Meinung nach - der BVSM in den nächsten 2 Jahren erreicht haben?
Ganz wichtig: Akzeptanz innerhalb der Subkultur - das sollte das primäre (und auch realistisch zu erreichende) Ziel sein. Fernziele sind natürlich für mehr Akzeptanz bezüglich SM zu sorgen, als ein Ansprechpartner für die Politik da zu sein - aber dies ist in 2 Jahren realistischerweise kaum zu schaffen. Deshalb auch: Kontinuierliche Arbeit.
9) Die "leichteste" Frage zum Schluss: Wie lautet Deine Definition von SM :) ?
Schwierig - OK, SM ist einfach Teil meiner Sexualität :-) OK, die Definition ist kaum sonderlich hilfreich... also versuche ich mal eine längere Antwort:
SM ist für mich das simulierte Ausleben von Situationen, die real weder erotisch noch ansprechend wären. Als Horror- und Achterbahnfan sehe ich zu SM eine Parallele: ich simuliere auch hier gefährliche Situationen (Achterbahn), die real harmlos sind bzw. geniesse fiktive Situationen (Horror), die ich real nie erleben möchte. Genauso ist es für mich bei SM: ich geniesse (als Switch) sowohl die simulierte Macht als auch die simulierte Ohnmacht - tief im inneren weiss ich jedoch, dass die Situation nicht real ist (und ich sie auch nicht real haben möchte)
Herzlichen Dank für Deine Antworten! Gibt es die Möglichkeit ein Bild von Dir zu veröffentlichen?
Kein Problem. (siehe oben)
Kontaktadresse: mark(at)schlagworte.org
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