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LustSchmerz Story

"Matratze": eine Grenzgang-Geschichte von T. Lagemann

Rote Strümpfe, denke ich, warum trägt sie rote Strümpfe? Oder ist es sogar eine Strumpfhose? Das hat sie ja schon mal gemacht, damals, als wir uns noch nicht lange kannten. Ich hab ihr das dann mit den Strumpfhosen erklärt, auf meine Weise. Und doch geht sie jetzt da mit rot bestrumpften Beinen vor mir die Treppe hinauf. Will sie mich provozieren? Aber das soll sie mal ruhig tun. An meine Antwort wird sie sich noch lange erinnern. Und ob Strumpfhose oder Strumpf ist mir da egal. Rot gehört einfach nicht zu den Farben, die ich an ihr mag.

Ich muss mir das Rot ihrer Beine noch zwei Stockwerke lang anschauen. Mit kleinen, ungelenk wirkenden Schritten geht sie da vor mir das Treppenhaus hoch. An den Schuhen liegt das nicht, mit zehn Zentimetern Absatz kann sie nicht nur gut umgehen, sie kann damit wirklich gut gehen. Aber der Rock, der ist verdammt eng. Der lässt ihr an der entscheidenden Stelle keine Möglichkeiten. Rund um die Knie ist der sehr eng zugeschnitten. Ich liebe derlei Maßarbeiten und zahle auch gerne die erforderlichen Preise. Korsetts von der Stange können viele kaufen, von Lackkleidern ganz zu schweigen, aber wenn es darum geht den wunden Punkt einer subbie ganz offen zu legen, da muss man schon hinschauen können. Und sie hasst es nun mal, wenn sie sich nicht bewegen kann. Ein paar andere Dinge hasst sie auch noch.

Wir kennen uns jetzt seit einem Jahr. Was wir miteinander haben ist eine Spielbeziehung. Die Regeln sind also klar definiert. Für Gefühle ist kein Platz, alles andere geht seinen gewohnten Gang. Ich rufe sie an, nenne ihr Zeit und Ort. Und sie ist da. Über alles andere haben wir im letzten Jahr nicht oft geredet. Da bedarf es keiner weiteren Worte mehr.

Für heute habe ich dieses alte Fabrikgebäude entdeckt. Es liegt im Süden der Stadt und steht seit ungefähr zehn Jahren leer. Die Fenster sind blinde, schwarze Löcher, überall riecht es nach Verfall. In einem der Kellerräume hat ein Penner sein Lager aufgeschlagen, viel mehr als leere Konservendosen und Weinflaschen habe ich von dem noch nicht gesehen. Aber ich weiß, er ist da.

"Da willst du mit mir rein?" hat sie vor dem rostigen Tor des Fabrikgeländes gesagt.

"Ja."

"Sieht..., naja, also schrecklich aus."

"Und?"

"Und was?"

"Und was möchtest du mir damit sagen?" habe ich gefragt.

"Ich habe Angst", hat sie geantwortet.

Ich habe nichts gesagt, ich habe sie nur an mich gedrückt. Ich habe sie spüren lassen, was mich bewegt. Ich habe ihr meinen in der Hose lauernden Schwanz an den Arsch gepresst, ohne ein Wort zu sagen. Und auch sie hat nichts gesagt, sie hat nur tief durchgeatmet. Ich habe ihren Atem gehört und ich habe ihn gespürt.

Am Ende der Treppe ist dann diese Stahltür, Rost hat sich durch die Farbe gefressen. Das Schloss hat irgendwann jemand mit Gewalt herausgebrochen, die Klinke ist auf groteske Weise verbogen. "Rein da", fauche ich sie an.

Sie schiebt die Tür auf, die verrosteten Scharniere leisten Widerstand.

"Schneller!" Sie schiebt sich durch den noch viel zu schmalen Spalt. Ihre Bluse reißt an der Schulter auf.

"Rein da!" schnauze ich sie an.

Sie schaut dann doch auf den Riss, ganz schnell, bevor sie die Tür unter einem schrecklichen Quietschen weiter öffnet. Ich bin dicht genug hinter ihr, um sie in den Raum zu stoßen. Mit erhobenen Armen stürzt sie, gerade noch so kann sie die Knie anziehen und die Hände vor ihren Körper bringen. Dennoch rutscht sie über den Boden.

"Ich hab gesagt, rein da!" Sie sagt nichts, sie liegt nur da, leicht gekrümmt, ihr Kopf schaut nach vorn, dahin, wo die Matratze liegt.

Die Matratze habe ich den Kellerräumen des Gebäudes gefunden. Als ich die zwischen all den leeren Weinflaschen, Konservendosen und was sonst noch auch immer gesehen habe, habe ich gedacht, die ist es. Die Matratze muss dem Penner gehört haben, die ist so ein richtig verdrecktes und versifftes Stück. Als ich die hochgeschafft habe unters Dach, habe ich dafür Einmalhandschuhe getragen. Die Matratze hat gestunken, keine Ahnung, was man sich beim Anfassen von so etwas alles an Krankheiten holen kann. Die ist es, habe ich dennoch gedacht. Ich habe einen Haken in die Matratze geschlagen und dann habe ich sie an einem Seil nach oben gezogen. Das ist nun drei Tage her.

"Leg dich hin", sage ich jetzt zu ihr.

"Ich liege schon ..." kommt es von ihr zurück.

"Aber nicht dort, wo ich dich haben will", sage ich.

Noch immer schaut sie die Matratze an. Ich weiß nicht, welche Geschichten ihr all die Flecken erzählen, die auf der Matratze zu erkennen sind. Rote Flecken sind das, die schon ins bräunliche übergehen, gelbliche Flecken sind das und Flecken, die nur noch grau schimmern, und da sind diese Rissen und Scheuerstellen, auch Flecken irgendwie. Mit einer Hand greift sie nach ihrem Rocksaum, versucht ihn nach unten zu zupfen. Erst jetzt sehe ich, sie trägt wirklich Strümpfe. Selbsthaltende sind das mit einem breiten Abschluss aus Spitze. In einer anderen Farbe als Rot würden die mir sicherlich gefallen.

"Mach schon", schnauze ich sie an.

"Bitte", sagt sie leise und schaut wie gebannt auf die Matratze.

Ich bin sofort an ihr dran, mit einer Hand packe ich ihr Haar, mit der anderen ihr Kinn. Ich wirbel ihren Kopf zu mir herum.

"Du", sage ich, "machst was ich sage." Und dann lass ich ihr Kinn los, nicht ohne ihren Kopf am Haar noch ein Stück weiter nach oben zu zwingen. Und dann verpasse ich ihr eine Ohrfeige. Ich schlage sie nicht hart, aber der Schlag klatscht laut und treibt ihr Tränen in die Augen.

Als wir uns kennengelernt haben, ist es meine direkte Art gewesen, die ihr so gefallen hat. Auf der Party damals hat sie ihr Typ einfach zu stehen lassen. Ihre Hände hingen wie verloren an einem Garderobenhaken. "Machs gut", hat er gesagt und sie dabei mit einem Blick angeschaut, bei dem wir fast schlecht wurde. Aber es gibt sie eben, diese Typen, die für ihre Subs nur Verachtung übrig haben. Und genau so gibt es diese Subs, die nichts anderes wollen als Verachtung. Die neben dem Schmerz am Körper auch die Pein fühlen wollen, denen man ihrer Seele bereiten kann. Eine Stunde später hingen die Arme der Frau noch immer oben an diesem Garderobenhaken. So sehr sich die Frau auch in ihren Plateaustiefeln zu recken versuchte, so sehr sie die Arme auch streckte, sie kam nicht heran an diesen Knoten.

Ich hatte mich umgehört, natürlich, und erfahren, zwischen den beiden war die Luft schon lange ziemlich dick. Es gab schon einige, die mir ganz klar sagten, dass das da am Garderobenhaken seine Abschiedsvorstellung gewesen sei. Das hatte ich mir bei diesem Blick schon gedacht, aber auf Nummer sicher musste ich trotzdem gehen. Und so sehr mir ihr Strecken und Recken nach oben auch gefiel, ich habe ihr dann den Knoten gelöst. Dabei habe ich kein Wort gesagt. Und als sie mir dankbar in die Arme fallen wollte, hab ich sie fortgestoßen Richtung Toilette. Ich hab sie in eine der Kabinen geschoben und dort habe ich ihren Rock gehoben. Ich hab sie dann von hinten genommen, wortlos. Ich hab mir dabei richtig viel Zeit gelassen, ich habe anfangs sogar mitgezählt, wie oft ihr Kopf bei meinem Zustoßen gegen die Wandkacheln geknallt ist.

Als wir raus sind aus der Toilette, habe ich mir ihre Nummer geben lassen. Zwei Wochen später habe ich sie angerufen, ich habe ihr gesagt, wo sie hinkommen soll. Sie ist gekommen, und daran hat sich seit damals nichts geändert. Wenn ich sie anrufe, kommt sie.

Eine Viertelstunde später liegt sie vor mir auf der Matratze. Sie liegt auf dem Rücken und hat die Beine gespreizt, ihr Rock hängt ihr wie ein Gürtel um die Taille. Ihren Slip - auch rot - hat sie zerreißen müssen, ihre Finger spielen mit den Schamlippen.

"Schneller." Ihre Finger spielen schneller.

"Und jetzt rein!" Sie schiebt sich einen Finger in ihr Loch.

"Du machst das gut!" lobe ich sie. Sie schaut mich nicht an, ihr Blick geht hoch zur Decke. Ihr Gesicht hat etwas mechanisches, da bewegt sich nicht viel. Und wenn, dann ist in diesen Bewegungen nichts menschliches.

"Tiefer."

Sie schiebt ihren Finger tiefer in sich rein. "Beweg ihn!" Sie bewegt ihren Finger.

"Weißt du", sage ich im Plauderton zu ihr, "weißt du, du erinnerst mich an eine Nutte, die ich mal kannte." Ihr Finger ist in ihr und er bewegt sich. "Die hat auch alles gemacht, was ich wollte..." Ihr Blick geht starr zur Decke. "Sie hat sich mit einer Kerze befriedigt, so eine richtig dicke, weiße Kerze ist das gewesen..."

Sie starrt weiter zur Decke, ihr Finger bewegt sich noch immer in ihr.

"Ich hab zuerst gedacht, sie kriegt die Kerze nicht in ihr Loch, aber dann mit einem Mal war dieses Monstrum von Kerze in ihr..."

Ich habe schon mit Allerlei in den Löchern der Frau gespielt. Ich darf alles tun, sie muss alles mit sich machen lassen, so lautet die Regel. Auch mit einer Kerze habe ich in ihr gespielt, eine richtig dicke ist das gewesen. Als sie die endlich in sich drin hatte, arbeiteten ihre Zähne wie Mahlwerke und ihre Augen waren vor Schmerz geschlossen.

"Diese Nutte hat alles für mich gemacht..., an diesem Abend. Ich habe ihr gesagt, was sie tun soll, sie hat mir gesagt, was das kostet. Ich habe dann Geldscheine auf das Nachtschränkchen gelegt, mal auch mit einem dicken Trinkgeld aufgestockt. Ich kann dir sagen, es war eine geile Show... Und das geilste an der Show war, als ich sie dann ans Bett gebunden hatte, habe ich mein Geld genommen und bin gegangen."

Der Finger der Frau arbeitet weiter in ihr, der Blick geht noch immer nach oben zur Decke. Ich weiß nicht, was sie dort sieht, aber es scheint ihr zu helfen. "Vorher habe ich ihr natürlich meinen Schwanz in den Arsch gesteckt", sage ich. Sie hasst es von hinten, das weiß ich. Sie sei da zu eng, es würde ihr wehtun, sehr weh, hat sie mir mal anvertraut. "Und jetzt dreh dich um!" Sie zögert. "Sofort", brülle ich.

Sie dreht sich um, noch immer zögernd, aber sie tut es. "Gesicht auf die Matratze!" In ihrem Gesicht arbeitet es, sie will ihr Gesicht nicht auf die Matratze pressen. Das Ding stinkt einfach zu sehr nach alter Pisse, Erbrochenem, Schweiß und verschüttetem Wein.

"Auf die Matratze!" Sie macht das dann, sie presst ihr Gesicht auf diese völlig versiffte Matratze. Ihre Arme zittern ein wenig, ihre Hände versuchen irgendwo Halt zu finden, aber den Rand der Matratze wollen sie nicht greifen. Das Ding ist einfach zu ekelhaft.

Ich begnüge mich dann damit ihr die roten Strümpfe von den Beinen zu zerren. Ihre Schuhe lasse ich vorher wütend durch den Raum fliegen. Als meine Hände unter den Spitzenabschluss der Strümpfe gegriffen haben, ist ein Schauer durch ihren Körper gegangen. Ihre Arme haben vor Anspannung gezittert, ihre Hände sich in den Rand der Matratze gekrallt.

"Wenn du noch einmal rote Strümpfe trägst", sage ich dann mit leiser Stimme, "oder eine rote Strumpfhose, werden wir uns nie wiedersehen."

Sie sagt nichts, da ist nur dieses Zittern ihrer Schultern, das sich über den ganzen Körper ausbreitet. "Und jetzt steh auf..."

Sie bleibt liegen.

"Steh auf!"

Bislang habe ich sie jedes Mal gefickt, mal schnell, mal langsam, aber ich habe sie jedes Mal gefickt. Sie ist das Loch gewesen, in das ich mich habe entleeren können. Wie eine Maschine ist sie mir dabei vorgekommen, sie hat es einfach hingenommen. Da ist der Kolben gewesen, der in ihr etwas bewegt hat.

Ich weiß, das sind billige Bilder. Aber so ist sie, sie tut, was ich ihr sage. Sie tut es fast ohne jeden Widerstand. In dem Jahr, das wir uns nun schon kennen, habe ich ihre Grenzen noch nicht gefunden. Nicht fickenderweise und auch sonst nicht. Ich habe sie schon hart geschlagen, ich habe ihre Brüste bearbeitet, ich habe sie mit Nadeln durchbohrt und sie auf vielfältigste Weise erniedrigt. Alles hat sie hingenommen, so als sei das alles nur Teil eines Programmes, das sie zu erfüllen hat. Und jetzt will ich sehen, wie sie darauf reagiert, wenn ich sie nicht ficke. Was macht ihr Programm dann?

Sie steht auf, ihr Gesicht ist gerötet, ihre Augen suchen nach einem Fixpunkt. Ihre Hände streichen über ihre Bluse, versuchen den Rock herunter zu schieben. "Deine Schuhe liegen neben der Tür..." sage ich. Sie geht dann zu Tür, ihr nackter Arsch sieht weiß aus, ihre Beine sehen ohne Strümpfe so verletztlich dünn aus. "Und jetzt gehen wir", sage ich, als sie ihre Schuhe an den Füßen hat. Die Röte aus ihrem Gesicht ist verschwunden und einem maskenhaften Weiß gewichen.

Als sie dann später zu ihrem Wagen geht, mit nackten Beinen und einem Rocksaum, der völlig verrutscht ist, frage ich mich, ob sie nicht wie die Matratze ist. Man kann alles mit ihr machen und sie bleibt was sie ist, eine Matratze. Nur ein Ding. Und ich frage mich, wo der Mensch in ihr geblieben ist. Und dann, dann fange ich mich an zu fragen, was ich beim nächsten Treffen mit ihr mache. Und ob ich sie nicht doch eines Tages finden werde, die Frau in ihr. Ich wünsche mir das so.

(c) T. Lagemann

 

 

 
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