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Meine Sub war ungehorsam, sie hat meinen Anweisungen nicht Folge geleistet! Skandal! Meine Sub muss erzogen werden! Meine Sub muss? erzogen werden? Ich komme ins Grübeln ... Soll ich das? Kann ich das? Darf ich das? Will sie das? Und wozu das Ganze?
Erziehung wird dann schlagartig unnötig, wenn ich meine Erwartungen auf genau das Verhaltensrepertoire meiner Sub reduziere, das sie derzeit sowieso drauf hat. Dies ist jedoch mit meinem Selbstverständnis als Dom nicht in Einklang zu bringen. Um überhaupt nur den Gedanken an Erziehung verschwenden zu können, ist klar, dass meine Sub eine gute Sub sein wollen muss. Sie muss in die Erziehung einwilligen.
Wenn sie aber einwilligt, weiss sie schon, dass ihr Verhalten als Sub noch nicht perfekt ist, dass es in ihr Regungen gibt, die sich ihrer Hingabe an mich, ihrem Sub-Sein, entgegenstellen. Aber wenn sie dies weiss, warum ändert sie ihr Verhalten dann nicht von sich aus? Was braucht es dann noch Erziehung?
Oder verhält sie sich noch nicht gemäss ihres eigenen Sub-Ideals, weil sie gewisse seelische Hürden in sich noch nicht überwinden konnte? Erhofft sie sich von meiner Erziehung die Motivation und Kraft, diese Hürden zu überwinden?
Aber wenn dies so wäre: welche Mittel wähle ich zu ihrer Erziehung? Erziehe ich sie, indem ich sanft drängend lange nächtliche Gespräche mit ihr führe (so, wie wir heute Kinder erziehen)? Oder drohe ich mit Strafe, wenn ich die nächste Verfehlung an ihr entdecke (so, wie man früher Kinder erzogen hat)?
Nun: wenn meine Sub Schmerzen als erotisierend empfindet, wird sie ja bewusst meine Erziehung unterlaufen, weil sie die Strafe geniessen will. Sie unterliefe damit mein ganzes Programm .... oder ich müsste mir für sie schmerzlose Strafen ausdenken.
Strafen, gleich welcher Art, machen nur Sinn, wenn sie in ein Verhältnis zu den Verfehlungen meiner Sub gebracht werden und wenn die Strafandrohung vor einer potentiellen Verfehlung bekannt ist. Hieraus folgt, dass ich ihr zunächst Verhaltensweisen erklären oder aufschreiben (so eine Art privates D/S-Gesetzbuch) und ihr gleichzeitig Strafmassnahmen bei deren Verfehlen erläutern muss. Diese Vorstellung erscheint mir irgendwie recht kindisch. Sie bringt für mich einen Wust von starren Klischees in unser Verhältnis, das ich doch viel eher von gemeinsamer Freude und Spontaneität geprägt wissen will.
Die Frage, ob meine Sub erzogen werden will, braucht hier nicht diskutiert werden – ich kann sie ja fragen.
Die Fragen an mich selbst sind komplexer. Soll ich sie erziehen? Wenn ich dies tue, zwinge ich sukzessive meiner Sub meine Vorstellungen davon auf, wie eine gute Sub sich zu verhalten hätte. Kann das in der Praxis zweier sich liebender, im Alltag partnerschaftlich miteinander umgehender Menschen gelingen? Oder habe ich mittels irgendwelcher Geschichten mir zu viel "Kopfkino" reingedröhnt?
Damit verbunden ist meine Frage, ob ich meine Sub erziehen darf. Der Hintergrund ist ein ethischer: darf ich mir – im Rahmen unseres Lieblingskürzels SSC – anmassen, in ihre Persönlichkeit einzugreifen? Darf ich es, weil, wie eingangs gesagt, ihr Wille zum Erzogen-Werden eh die Voraussetzung des ganzen Prozedere ist?
"Gute" Erziehung ist, wenn wir dem Denken Jean-Jacques Rousseaus folgen, das er in seinem Erziehungsroman Emile beschrieb, eine solche, die dasjenige am zu Erziehenden herausarbeitet, was die Natur keimhaft schon in ihm angelegt hat. Im Falle meiner Sub wäre eine gute Erziehung also eine solche, die ihre geheimen Wünsche, Fantasien und Träume herausarbeitet und sie zum Selbstbewusstsein ermuntert, diese zuzulassen und zu leben. Mit meinen Dom-Vorstellungen meiner Sub hätte dies aber nicht unbedingt etwas zu tun.
Die Frage, ob ich meine Sub erziehen kann, zielt auf meine eigenen Fähigkeiten und Unfähigkeiten. Jeder von uns hat Pädagogen erlebt, deren erzieherisches Wirken absolut kontraproduktiv war. Andererseits erwarten wir von einem dreizehnjährigen Pennäler nicht, dass er die Einsicht in die Notwendigkeit seiner Erziehung hat - von meiner Sub, die ein erwachsener Mensch ist, erwarte ich dies wohl. Ich erwarte also ihr Wohlwollen gegenüber meinen Erziehungsmassnahmen. Dennoch brauche ich ein Höchstmass an Sensibilität, damit sie an sich selbst die wohltuende Wirkung meiner Erziehung spüren kann.
Wie steht Ihr Subs dazu? Wurdet Ihr erzogen oder wollt Ihr erzogen werden? Wenn ja, wie geschah eure Erziehung?
Und Ihr Doms, wollt Ihr eure Sub erziehen? Wozu, mit welchem Ziel? Oder habt Ihr das schon hinter euch?
Mit Spannung erwartet eure Erfahrungen und Meinungen,
Euer Stephensson
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