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Ach ist das schön ! Wie sich die Zeiten ändern .... War mein Alltag vor meinem Begreifen, daß Sadomasochismus ein wichtiger Teil meines Lebens ist und gelebt werden möchte, noch schrecklich langweilig, so hat sich seitdem doch viel getan.
Es ist spannend, wenn vom Vermieter ein Arbeiter zum Auswechseln der Schlafzimmer Fußbodenleisten angekündigt wird und ich trotzig beschließe, aus solch nichtigem Grund meine private, dunkle Höhle nicht in einen Vanillaraum zurückzuverwandeln.
Und es ist noch spannender, wenn zum Termin nicht der erwartete Mitfünfziger im Blaumann, sondern ein bildhübscher 1,90mTraum mit Charming Augenzwinkern erscheint, der rein zufällig ein Studienfreund des stockkonservativen Vermietersöhnchens ist. Wieviele Tassen Kaffee die beiden nötig hatten, um alle Feinheiten meines Folterzimmers en detail durchzusprechen, wird mir leider ewig verborgen bleiben.
Mit der Gerte fummle ich immer noch am besten den verlorengegangenen Ohrring unter dem Bett hervor, Handwaschpullis behalten ihre optimale Form, wenn man sie zum Trocknen mit Brustklammern an einer Spreizstange befestigt und ich kann mir stets das Grinsen nicht verkneifen, wenn Besucher den unglaublich praktischen, langen Metallschuhanzieher loben, der in Wahrheit hauptsächlich markante Abdrücke auf meinem Po hinterlässt.
Jaaa, wir sind schon richtig Perverse, mein Geliebter und ich....
wir amüsieren uns königlich über uns selbst, wenn wir im Lackoutfit zwischen zwei Sessions, Sonntag nachmittags Tee und Mandelhörnchen genießen und über Feminismus diskutieren. Abendelang auf der Coach kuscheln und mein stahlharter, nichtrauchender Dominus nachts für mich zum Zigarettenautomat pilgert , weil ich, als seine "geknechtete Sklavin" zu faul bin, um die 5 Stockwerke ohne Lift auf mich zu nehmen.
Wir sprechen vom "Frottee-Fetisch", wenn ich mich nach einer Bizarrparty nur noch nach Flauschpulli und Leggins sehne und vom "Zwergenaufstand", wenn er liebenderweise mit mir quengelnder, devoter Frau zu kämpfen hat, die von seinen Händen einfach nicht genug bekommt und sich ihre Schmerzeinheiten erbettelt.
Jaaa, wir sind wohl richtig Perverse, mein Geliebter und ich....
und in letzter Zeit wünschen wir sie uns des öfteren dazu, Frau Leutheusser-Schnarrenberger & Co., die heilige Alice und Rita, die in ihrem Namen den Mut bereits trägt.
Sie mögen uns zusehen, uns beobachten, mit uns sprechen. Sie mögen sich ihr Urteil bilden , die "Liberalen", die "Demokraten", die "Sozialen". Sie mögen über ihren Tellerrand in unser weites Meer blicken, Sie mögen aus ihren unbeweglichen Strukturen andersartige weite Länder sehen.... und dann mögen sie es uns ins Gesicht sagen, daß wir krank, hilfebedürftig und eine Gefahr für uns selbst und andere darstellen.
Dann. Erst dann!
(c) Andrea
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