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Monogam - Duogam - Polygam: Die Geschichte einer Wandlung von Tevoda


Noch vor einem Jahr hätte ich an dieser Stelle ein flammendes Plädoyer für die Monogamie geschrieben. Aber damals war meine kleine subbige SM-Welt auch noch ein Wolkenkuckucksheim - weit entfernt von meiner Realität. Knapp nach meinen ersten SM-Erlebnissen suchte ich nur nette-harmlose Chatbekannschaften, fand eine anregende Spielbeziehung und aus der war völlig ungeplant eine echte tiefe Freundschaft und Liebesbeziehung geworden.

Ich hielt mich selbst für eine sehr hingebungsvolle devote Frau mit gegen nulltendierenden masochistischen Neigungen. Und als solche war es mir schlicht unvorstellbar, mich mehr als einem einzigen Mann zu schenken. Ich genoß es mich grenzenlos vertrauend in die Hände von Mister Wonderful fallen zu lassen. Meine gelegentlichen Anfälle von Unruhe, der Lust nicht nur auf die Überholspur, sondern gleich ganz links außen auf die Gegenfahrbahn zu gehen und die für mich noch so nigelnagelneue schwarze Welt zu erkunden - all das entschuldigte ich vor mir selber mit der Ungeduld einer Newbie. Schließlich war ich ja glücklich mit meinem Mister Wonderful, der meine Seele berühren konnte wie kein Mann zuvor.

Zunächst hatte ich auch kein Problem damit, dass er kein Mister Perfect war, sondern nur ein Teilzeitdom, der jeden Abend pünktlich zu seiner Ehefrau heimkehrte. Einer Ehefrau mit der er seit fast 30 Jahren nicht nur das gemeinsame Konto sondern auch jeden freien Tag seines Lebens geteilt hatte. Fast jeden Monat machte er eine Dienstreise, auf die ich ihn dank eigenem Einkommen und zahlreicher Überstunden locker und problemlos begleiten konnte. Es gab sie also, die so wichtigen gemeinsamen Nächte, verplauderte Abende in der Eckkneipe und berührende Konzertabende. Es war für mich belanglos, dass es in unserer Heimatstadt nie gemeinsame Ausflüge, nie gemeinsame Nächte und erst recht keine gemeinsamen Ausflüge in die SM-Szene geben würde. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass ich noch jahrelang seine glückliche monogame Begleiterin durch das gemeinsame secret life würde sein können.

War es der Neid der Götter oder schlicht meine Selbstüberschätzung, jedenfalls es kam anders. Mir machte meine Gesundheit einen dicken Strich durch die Rechnung und auch seine berufliche Situation änderte sich. Ganz abgesehen davon, dass ich mir die Begleitung auf seinen Dienstreisen weder gesundheitlich noch finanziell mehr leisten konnte, er hatte auch keine Dienstreisen mehr. Unsere gemeinsame Zeit reduzierte sich auf täglich 90 Minuten, gelegentlich auch noch mal ein langer gemeinsamer Abend. Ich liebte ihn unverändert, aber ich merkte deutlich, dass mir zu einem glücklichen Leben einiges fehlte.

Mir fehlte ein Mann für den Alltag. Ich bittelte, ich bettelte, ich flehte um mehr Platz im Leben von Mister Wonderful. Damals war ich enttäuscht, weil er mich nicht mit einem billigen Versprechen abspeiste, sondern ehrlich sagte, dass er mich zwar mit keinem Mann teilen wolle, aber er sei schlicht unfähig seine Frau zu meinen Gunsten noch mehr zu belügen. Und ich? Ich wollte nicht auf jedem Stammtisch als Solistin erscheinen, ich wollte nicht ständig auf die Hilfestellungen von Freunden und Bekannten angewiesen sein, ich wollte nicht .... Ja was wollte ich eigentlich? Rückblickend würde ich sagen, ich ging nicht aktiv auf die Suche, aber während ich auf der einen Seite darum kämpfte, mehr Platz im Leben von Mister Wonderful zu bekommen, begann ich mich wieder verstärkt und unruhig durch die verschiedenen Chatrooms zu treiben. Ich war passiv suchend. Und wie so oft griff der Zufall mal wieder in mein Leben ein. Der defekte Dampfkochtopf einer Nachbarin brachte mich mit einem Chatter erst in ein technisches Hilfestellungsgespräch, dann wurde es eine lange Diskussion über humanitäre Hilfsorganisationen und irgendwann landeten wir auch bei unseren jeweiligen Lebenssituationen. Ich merkte sehr schnell, dass mich dieser Mensch tiefer berühren konnte als ich es eigentlich wollte. Bereits wenige Stunden nach Beginn unseres bis heute nicht abgerissenen Gespräches, habe ich Mister Wonderful von meiner neuen Bekannschaft erzählt. Was folgte war ein Wirbel an Gefühlen und Ängsten. Mir wurde immer klarer, dass zwischen Mister Painful und mir etwas am entstehen war. Er konnte mir das bieten, was ich bei Mister Wonderful so schmerzlich vermisste. In seinem Leben war auch Platz für einen gemeinsamen Alltag, mit ihm konnte ich auf Stammtische und einschlägige Parties gehen. Und als er davon sprach, dass er ein Bodyplayer ist, drängten sich von mir nach hinten geschubste masochistische Phantasien wieder nach vorne. Ich wollte diesen Mann in meinem Leben haben, andererseits hatte Mister Wonderful mir klar gesagt, dass er zwar immer mein Freund bleiben würde, aber dass ich ihn sofort als Dom verlieren würde, wenn ich nur einmal fremdspielen würde. Ich war zerrissen. Schließlich entschied ich mich für ein Spiel mit Mister Painful und sprach damit wehen Herzens meine stillschweigende Kündigung als Sub von Mister Wonderful aus.

Mit der ersten Berührung eroberte Mister Painful nicht nur meinen Körper, sondern auch mein Herz und noch in den ersten gemeinsamen Stunden erweckte er die Masochistin in mir zum Leben. Von ihm bekam ich alles, was ich bei Mister Wonderful so vermisst hatte. Und Mister Wonderful war ja weiterhin unverändert einer meiner besten und engsten Freunde. Ich hätte glücklich sein müssen, aber ich war es nicht. Hatte mir vorher der Schmerz gefehlt, so fehlte mir jetzt die Dominanz. Sehr schnell war mir klar, dass ich ein Gierschlund bin und dass ich beide Männer in meinem Leben brauchte, um wirklich glücklich zu sein. Jeder für sich macht mich schon glücklich, aber jeder hinterließ bei mir auch reichlich unerfüllte Träume und Wünsche. Allerdings ergänzten ihre Eigenschaften und Wünsche sich für mich in gerade zu einmaliger Art und Weise, ohne miteinander zu konkurieren. Gemeinsam waren und sind sie für mich Mister Perfect.

Das Eingeständnis fiel mir nicht leicht, aber ich - um es vereinfacht zu sagen - als Sub wollte zwei Doms haben. Ich denke ich hätte so oder so um die Erfüllung dieses Wunschbildes gefightet, aber es war Mister Painful der zu mir sagte "Das Beste was dir passieren könnte ist, dass du uns beide als deinen Dom und deinen Sadisten im Leben behalten könntest. Ich habe damit kein Problem." Zunächst lehnte Mister Wonderful die Idee mich mit einem Anderen zu teilen und trotzdem mein Dom zu bleiben ab. Aber als er begriff, dass er mit einem Verzicht auf meine Dienste als Sub, mich zu tiefst unglücklich machen würde, durfte ich wieder seine Sub sein. Wenn ich eine Tasse Kaffee bin, so ist der eine die Milch und der andere der Zucker und gemeinsam sind wir der perfekte Milchkaffee.

Wobei es sich in unserem Alltag als sehr vereinfachend herausgestellt hat, dass sowohl Mister Painful als als auch ich großen Wert auf unseren eigenen vier Wände legen. Jeder meiner Mister Perfect hat Schlüssel zu meiner Wohnung. Ich weiß nicht genau, ob die zwei sich intern absprechen, aber ich mache keine Terminplanung. Mister Wonderful ist der romantische, dominante Träumer und Mister Painful besetzt die Stelle des alltagstauglichen genussvollen Sadisten in meinem Leben. Ich liebe jeden auf eine ganz einzigartige Weise. Es ist nicht so, dass wir über den jeweils Abwesenden nicht sprechen würden, aber es gab noch keinen einzigen Augenblick, in dem ich in den Armen des einen den anderen vermisst hätte.

Und wie geht es meinen Mister Perfect? Nun Mister Wonderful sagt, als Dom würde er Mister Painful natürlich am liebsten auf den Mond schießen. Aber als mein Freund würde er sich freuen, weil ich jemanden habe, der mir all das schenkt, was ich für ein glückliches Leben brauche und was er mir leider nicht schenken kann. Mister Painful wiederum sagt, er glaube, dass Mister Wonderful die große romantische Liebe in meinem Leben ist, während er den Platz der großen Alltagsliebe einnehmen würde. Und beide versichern mir äußerst glaubhaft, dass sie glücklich mit mir sind.

Vorgestern war ich eine von ihren eigenen Träumen beunruhigte Vanilla. Gestern war ich die monogame und liebende Sub meines Mister Wonderful. Heute bin ich eine glückliche und duogam lebende Frau, deren zwei Männer für sie zu einem Mister Perfect wurden. Und was wird morgen sein - werde ich da polygam leben?

Mein Verstand sagt, man soll nie nie sagen und alles ist möglich. Mein Herz sagt eher nein, denn es ist ausgefüllt mit Menschen die es liebt. Meine zwei Mister Perfect sind in vielen Punkten verschiedener Ansicht, aber in einem Punkt sind sie ganz und gar einer Meinung, sie wollen mich mit keiner weiteren Person mehr teilen. Und mein Körper sagt "Polygam - nein Danke!!", denn eine unfolgsame duogame Sub hat auch zwei strafende Männer. Und soooo masochistisch bin ich dann doch nicht ....

.... oder doch?

(c) Tevoda

 

 

 
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