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"Bericht eines SM-Softies" - Augenfeind über Woll & Pelzfetischismus
Hallo da draußen im World Wild Web. Bevor ich das Internet nutzen lernte, dachte ich, ich sei seit Leopold von Sacher Masoch ("Venus im Pelz") der einzige Fetischist von Pelzen und weichen Pullovern auf der ganzen weiten Welt. Dabei ist doch der Begriff "Masochismus" immerhin von diesem Mann und seiner "Wollust", die wie bei mir durch eine Frau im Pelz erst so richtig zum kochen kommt, hergeleitet.
Mein Leben könnte viel erfüllter sein, wenn ich doch nur mit einer "normalen" Sexualität gesegnet wäre. So dachte ich oft. Natürlich weiß ich, dass ich ohne meine verdrehten Sehnsüchte noch lange nicht mutiger oder draufgängerischer wäre, und schließlich ist es das, was mir besonders zum Glücklichwerden fehlt.Vielleicht aber hätte sich in mir ein realeres Frauenbild gebildet.
Für Masochisten ist es schwer, eine Frau zu finden, mit der sie glücklich werden - oder zumindest ein wenig die Freuden der Sexualität teilen können. Wenn sie dann aber auch noch einen Fetisch haben, der nicht auf den ersten Blick in die S/M-Ecke passt (obwohl er ja wohl der klassische Fetisch für Masochisten schlechthin ist - eben wegen "Venus im Pelz") wird´s erst recht schwierig. Ich frage mich, ob sich die Trägerinnen von Pelzen so fühlen wie sie aussehen? Pelz hat ja immerhin im Gegensatz zu weichen Pullovern und Jacken die Aura von Macht und Herrschaft. Schade, dass Pelz (gerade bei jungen Frauen) so verpönt ist.
Das Schönste, was ich mir vorstellen kann, ist eine Frau zu "vergöttern"(lediglich mein Christsein steht diesem Wunsch entgegen). Doch glaube ich, die meisten Frauen suchen einen Mann, an den sie sich anlehnen können. Ganz egal, ob sie erfolgreiche, emanzipierte Karrierefrauen oder unbeachtete graue Mäuschen sind. Dies ist sehr schade. So verbringe ich auch viel Zeit auf meinem Holodeck (Du kennst Star Treck?), auf dem die Frauen die Männer bezwungen haben. Hier, gleich am Anfang meines Aufsatzes, für den geneigten Leser, den es interessiert was mich wild macht, werde ich nun ein paar kurze Beispiele geben:
In einem Bericht über Fans von Splatter-Filmen kam ein niedliches Mädchen (ca. 20, sehr bieder aber nett und adrett) zu Wort und schilderte leicht verschämt, dass Gewaltszenen sie erregen würden. Nach dieser Aussage versteckte sie ihr hübsches Gesicht in ihrem riesigen, weichen Rollkragen.
Ich saß mit meiner damaligen Freundin auf ihrem Bett, sie lehnte an der Wand, ich lehnte an ihr. Sie trug einen sehr dicken und wunderbar weichen Pullover, hielt mich in ihren weichen Armen "gefangen", zog mich an meinen Haaren so an sich heran, dass mein Ohr ganz nah an ihrem Munde war. Ein Arm war sehr fest um meinen Hals geschlungen. Ziemlich überraschend wurde sie dieser Haltung gewahr und verwandelte sich in eine fiese Richterin. Sie sagte kalt und überlegen: "Was machen wir jetzt bloß mit diesem ungehorsamen Gefangenen?..."
Die gleiche Freundin stand einmal mit mir am Geländer meines Treppenhauses und wir schauten gemeinsam hinunter. Sie war ganz angetan von der Tiefe. Dann sagte sie sinngemäß: "Oh oh, wenn man da mal hinunterfällt..." bei diesem Satz drehte sie mich zu sich hin und zog mich beschützend mit dem Gesicht an ihren wunderbaren, lambswoolbeschalten Hals. Dann fuhr sie fort: "Na ja, noch wirst Du aber eine Weile gebraucht!"
Meine momentane Lieblings Softie-SM-Fantasie: Ich bin ein unerfahrener Junge, der zum Geigenunterricht geht. Die Geigenlehrerin ist (natürlich) eine sehr hübsche und strenge Frau. Nach und nach bemerkt sie, dass ich eine ziemliches Faible für ihre weichen Mohairjacken habe. Sie beginnt damit zu spielen und macht einige Haltungsübungen mit mir, bei denen sie mir immer sehr nahe kommt. Nachdem ich den eigentlichen Zweck meines Erscheinens augenscheinlich immer mehr vergessen habe, und meine Leistung immer mehr darunter leidet, kommt es zum "Showdown". Sie stellt sich im Laufe einer weiteren Stunde vor mir auf und schaut mit verschränkten Armen (die natürlich in dieser fantastischen Jacke stecken) auf mich runter, lächelt süffisant und sagt, dass ihr nun nur noch körperliche Strafe bliebe, um mich in ihr Unterrichtskonzept zu zwingen....Fortsetzung je nach Stimmung. Mal sehr brutal, mal in heimlicher Übereinstimmung mit meiner Sehnsucht spielend. Jedenfalls läuft es immer auf ein wildes Abhängigkeitsverhältnis hinaus. Sie präsentiert sich in herrischster Weichheit, lässt mich aber nie wirklich ran oder sie bedient sich meiner in sehr dominanter Weise.
Ach, ich liebe einfach den Gedanken, einer weichen Frau ausgeliefert zu sein, die es genießt, mich zu quälen. Ich glaube auch, dass gerade der Gegensatz eine Ursache meiner "Wolllust" ist. Gerade weil Frauen eben nicht so gewalttätig und machtbesessen sind, reizt mich der Gedanke. (Thesenuntermauerungs-Zusatz-Info: Es gibt in Deutschland viel weniger Frauengefängnisse als solche Anstalten für Männer und in diesen wenigen sitzen nur die wenigsten Frauen wegen irgendwelcher Gewalt-Delikte ein oder womöglich wegen sexueller Übergriffe).
Ab und zu kommt in mir die Hoffnung auf, es könnte sich doch etwas ändern in meiner verschrobenen Denke. Ich bin beileibe kein Freund starker Schmerzen. Was mich anmacht, ist die Anbahnung einer Abhängigkeit. So sind meine Fantasien ziemlich asexueller Natur und viel von Blicken und Dialogen geprägt. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als die Lust der Partnerin zu spüren. Diese Lust zu erleben verdrängt manchmal die Gewalt-Aspekte in meinem Kopf. Meine Fantasien werden immer zärtlicher und haben immer mehr mit Einigkeit als mit Gewalt zu tun.
Ich sehne mich nach einer Frau, die Spaß daran hat, mich zu kommandieren, wo, wie und wann ich sie nun zu streicheln und zu küssen habe. O.k. wenn ich dann etwas falsch mache, ist natürlich körperliche Strafe angesagt. Solange ich ein bisschen die Illusion der Unfreiwilligkeit haben kann, bin ich meist zufrieden. Die Vorliebe für weiche Kleidung macht mir vom Kopf her viel mehr Schwierigkeiten als der Masochismus. Damit kränke ich meiner Meinung nach die begehrte Dame, denn ich bin offenkundig mehr an ihrer Hülle als an ihr selbst interessiert. Es ist wahr, dass ich mich schon vielfach in Frauen verknallt habe, die ich ohne diese Garderobe nicht beachtet hätte.
Außerdem habe ich vielfach erlebt, dass Frauen die mich mit üblicheren Möglichkeiten locken wollten, mir nicht auffielen, einfach weil ich es nicht wahrgenommen habe.
Die vermuteten Ursachen dieses Fetisch:
Ganz beiläufig erzählte mir meine Mutter vor ca. zwei Jahren, dass ich als Säugling eine schwere Lungenentzündung hatte. Nun war damals Antibiotika noch nicht so verbreitet wie heutzutage. Meine Mutter folgte dem kinderärztlichen Rat und steckte mich in einen warmen weichen Plüschmantel (Teddymäßig oder so ähnlich), legte mich so, fest verpackt an das geöffnete Fenster. Wie sie behauptete, zog sich diese schwere (eventuell schmerzhafte?) Krankheit über ganze sechs Wochen hin.
Meine Mutter erwähnte noch, dass sie damals sowieso schon ein schlechtes Gewissen hatte, da sie meinte, wegen ihrer Überforderung ohnehin zu wenig körperliche Nähe zu geben. In der Zeit meiner Erkrankung allerdings sei sie kurz vor dem Zusammenbruch gewesen und habe mich sicherlich viel zu viel alleine gelassen. Ich staunte nicht schlecht, als mir endlich diese Erklärung geliefert wurde. Plüschmantel statt Hautkontakt, mir fiel es wie Schuppen von den Augen.
Als Kleinkind habe ich es noch gut verstanden meine Sehnsucht auszuleben. So war es zum Beispiel im Kindergarten oft mein Los, auf dem Schoß meiner überwiegend weich pulloverten Kindergärtnerin sitzen zu müssen, damit sie mich bändigen konnte. Ich kann mich noch heute an die Vorfreude darauf erinnern, die ich verspürte, wenn ich unartig war. Als ich in der vierten Klasse war, hatte ich meine erste Freundin (so richtig mit küssen und anfassen). Sie war mir körperlich überlegen und trug selbstverständlich dauernd kuschelige Pullover. In ihrer Kindlichkeit war sie oft sehr übermütig und ließ es auf Kämpfe ankommen in denen ich nur zu gerne unterlag. Einmal sperrte sie mich in eine große Truhe ein, und zwar (wenn meine Erinnerung mir keinen Streich spielt) richtig lange.
Meine Spontanität und mein unverkrampfter Umgang mit dem anderen Geschlecht ist mir dann in der sechsten und siebten Klasse verloren gegangen. Erstens waren die Mädchen zu der Zeit viel reifer und interessierten sich eher für die Älteren, zweitens war es damals völlig schlimm, wenn man als "aufdringlich" galt. Ich wollte auf gar keinen Fall aufdringlich sein. Na ja, außerdem war ich ein typischer Spätentwickler was mein Selbstwertgefühl (bis heute) arg ramponiert hat. Noch heute (mit 35) fühle ich mich nicht so richtig erwachsen. Ich sehe mich selber immer ein wenig als "Asterix" der ja nicht wirklich ein Mann ist, oder?
Zum Abschluss einige gewagte(?) Thesen aus meiner persönlichen Sicht:
Masochisten suchen sich symptomatisch die "falsche" Frau. Begründung: Masochisten sehnen sich nach der absoluten Gewissheit, geliebt zu werden. Wie kann eine Frau deutlicher darstellen, dass sie diesen Mann will? Indem sie ihn zwingt - deutlicher geht´s nicht.
Nun ist es aber bei den dominanteren Frauen die ich kennengelernt habe so, das sie sehr gut alleine klarkommen. Anders ausgedrückt: Das starke Selbstbewusstsein dieser Frauen führt die Männer in ein Wechselbad aus Stimulans (aufgrund dieses übersteigerten Bedürfnisses) und Verzweiflung, weil sie eben das, was sie eigentlich am nötigsten bräuchten nie bekommen.
Ich komme immer mehr zu der Erkenntnis: Nur die wenigsten Frauen sind dominant. Sonst würde es viel mehr Filme geben, die diese Richtung einschlagen. Oft beneide ich masochistische Frauen. Wenn die Gefühle die sie haben auch nur annähernd mit den meinen vergleichbar sind, müsste das Fernsehprogramm für sie eine einzige Inspiration sein. Vergeht doch kaum ein Krimi oder Western oder auch nur die tägliche Soap, ohne dass die Frauen ordentlich herumgeschubst, geschlagen, vergewaltigt oder sonstwie dominiert werden.
Filme dieser Art mit umgedrehten Rollen gibt es nur wenige und die sind dann meist sehr deutlich auf diese Sehnsüchte hingeschrieben, dass sie auch immer etwas dumm-emanzipatorisch peinlich wirken. Wer auf diesen Bericht reagieren möchte, ist herzlich dazu aufgefordert.
(c) Augenfeind
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