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Murder at the Gallop! Ponyplay - Königsdisziplin des SM
Ein Beitrag unseres Redakteurs Extensis
Es gilt selbst innerhalb des BDSM als exotisch, ist auffällig und wird kontrovers diskutiert: das Spiel mit dem Tier im Menschen, dem Pony-gewordenen Spiel- oder Lebenspartner, das für viele noch immer ein eher undurchschaubares Gebiet ist. Sicher nicht neu ist das Motiv des weibliches Ponys, ob als Reittier in Szene gesetzt wie schon anno 1976 von Helmut Newton († 23.01.2004) oder als erotisch-fetischistisches Zugtier vor Sulkys, wie man sie schon hier und da auf einschlägigen Parties sehen konnte. Bevor jetzt die Einwürfe kommen, dass es ja noch reichlich andere Petplay-Varianten gibt, etwa Hasen oder Hunde (Herrn Pocher mit seinem Auftritt als Hund (Real Video siehe Link) bei "Rent a Pocher" im letzten Oktober klammere ich da jetzt mal aus), sei hier festgestellt, dass dem so ist, aber die Ponys doch eine der "offensivsten" Petplay-Arten darstellen und hier einfach mal exemplarisch genannt sein sollen.
Petplay ist in jedem Fall auch im BDSM eine Spielart, die polarisiert und bei einigen auf völliges Unverständnis stößt. Ist sie für die einen eine eher alberne Pferdeimitation, bietet sie anderen einen zusätzlichen "Kick" durch die Möglichkeit, verschiedene Elemente des BDSM zu mischen. Hinzu kommt die besondere, oft stolz wirkende Erotik des Ponygirls und (zumindest in den Medien seltener zu beobachten) seines männlichen Pendants, des Ponyboys. Konzentrieren wir uns also, nicht allein wegen der einfacheren Namensgebung, auf das Ponygirl, wobei im Grundsatz natürlich auch das andere Geschlecht gemeint ist.
Für diejenigen, die sich nicht dem Petplay zurechnen, steht beim Anblick eines solchen Gespanns oft neben der Erotik die Frage im Vordergrund, wieweit sich speziell der passive Part mit seiner Tierrolle der Lächerlichkeit aussetzt. Ein Argument, das sicherlich nicht zuletzt dazu beiträgt, potentiell interessierte, aber noch unsichere Ponys davon abzuhalten, diese Spielart auszuprobieren. Dabei ist Petplay bei näherer Betrachtung da nicht anders gelagert als andere Rollenspiele auch. Sobald es um Rollenspiele geht - und wer kennt nicht die zahlreich auftretenden devoten Zimmermädchen und Dienerinnen? - schwingt für Außenstehende immer auch die Frage nach dem "Albernheitsfaktor" mit, während die Akteure bereits für sich entdeckt haben, dass ihre Spielart ihre ganz eigene Bandbreite hat und ihnen einen individuellen Freiraum bietet.
Beim Ponyplay finden sich, aufgrund seiner speziellen Gestaltungsmöglichkeiten, viele Elemente, die auch sonst im Rahmen von BDSM zu beobachten sind. Angefangen von Dominanz/Devotion bis hin zu Bondage und Rollenspiel-Anteilen ist alles komprimiert vertreten, was auch im SM-Bereich zu finden ist. Hier bieten Dressur und Training die Plattform für alle, die Wert auf die besondere Betonung der Erziehungselemente legen und es findet sich für den SMler sicher ein Grund, auch die Gerte im Rahmen des Spiels einzusetzen. Ponyplay ist nicht nur eine Spielfeld für Dominanz/Devotion und Erziehung, sondern bietet zudem einen breiten Raum für Fetische aller Art. Neben den klassischen High-Heels, die sozusagen als "Standard-Fetisch" mitlaufen können, kann der eine hier in Reitzeug und -zubehör seinen Kick finden, während der andere die Nacktheit seines Zugtieres bevorzugt und ein dritter in Latex schwelgt. Bondage muss hier nicht nur durch Seile stattfinden, sondern wird ergänzt durch Elemente wie Zaumzeug und Geschirre. Richtig komplett ist das Pony dann, wenn es - mit viel Übung - auf Hufstiefeln laufen kann und sich trotz der Bewegungseinschränkungen durch Geschirr und Trense eine stolze Körperhaltung bewahrt.
Die Grenzen zwischen BDSM und Petplay sind, soweit es sich um das Outfit handelt, bei näherer Betrachtung eher fließend. Ob eine Frau in einem Geschirr nun noch "normales" Outfit trägt oder schon fast "Pony" ist, liegt stark im Auge des Betrachters. Fest steht, dass die Tierrolle eine ziemliche Bandbreite von BDSM-Elementen zusammenfasst und ihnen einen inhaltlichen Zusammenhang bzw. thematischen Überbau gibt.
Einer der Gründe, warum Ponyplay, von außen betrachtet, als so exotisch empfunden wird, ist wohl, neben der auffälligen Ausstattung, der sehr starke Eindruck des "Urlaubs von der Verantwortung", den das Pony mit seiner Rolle vermittelt. Besonders, wenn es den Spielern stark um die Imitation der Tierrolle geht, hat das Pony kaum noch menschlichen Fähigkeiten, trägt dafür aber auch keine Verantwortung für seine Handlungen im Rahmen des Spiels. Es darf beispielsweise nicht sprechen, verfügt aber gleichzeitig über den temporären Luxus, nicht sprechen zu müssen, also auch nicht Formulieren oder sich zielgerichtet äußern zu müssen und sich auf Gebärden reduzieren zu können. Während des Spiels bestehen die Anforderungen im Leben dann nur noch aus einem kleinen Satz fester Regeln. Da es sich zudem um einfache, sprich tiergerechte Regeln handelt, sind diese auch schnell zu erlernen, was wiederum sehr schnell zu entsprechend positiven Reaktionen des "Halters" führt. Dem Pony stehen in dieser sehr spezifischen, tiernahen Spielart dann auch tierische Freiheiten zu. In bestimmten Bereichen kann das mehr sein, als die Subs in einem "normalen" BDSM-Spiel zur Verfügung haben. So verfügen Ponygirls, wenn es denn in der gegenseitigen Abstimmung so angelegt ist, allen Einschränkungen der menschlichen Kommunikation zum Trotz über eine komplette "tierische" Körpersprache. Sie können damit jemandem, der sie in der Rolle nicht korrekt behandelt, durchaus verweigern und ausschlagen - eine Situation, die in "normalen" Rollenspielen so manche Sub in die Bredouille zwischen Rollenverhalten und Selbstverständnis und damit zum "Aussteigen" bringen würde.
Ponyplay ist eine der auffälligeren Spielarten des BDSM und fordert ein gewisses Maß an Exhibitionismus und Selbstsicherheit von den Akteuren. Während sich Dom und Sub beiderlei Geschlechts auf nahezu jeder Veranstaltung auch einmal unauffällig in die Ecke setzen können, um die Füße hochzulegen, ist es kaum möglich, mit einem Pony und einem Sulky in der Menge abzutauchen. Gerade vom Pony wird hier also auch eine Menge mentaler Konstitution gefordert, da es nahezu ständig unter Beobachtung steht.
Der Antrieb für Tierspiele ist mindestens ebenso vielfältig wie die Gründe, überhaupt BDSM zu betreiben und dürfte kaum auszuloten sein. Ausschlaggebend ist, wie auch bei allen anderen sexuellen Vorlieben, die persönlichen Motivation der Beteiligten. Für jeden Petplayer, speziell dem passiven/tierischen Part, stellt sich zur Ausgestaltung des Spiels und der Rolle da die Frage, was er für sich in der Tierrolle sucht, wie er Petplay für sich definiert. Geht es ihm um das kurzzeitige Abschalten seines Menschseins, will er zum Tiersein gezwungen werden? Will er sich frei äußern können oder eingeschränkt werden auf eine nur minimale (tierische) Kommunikation? Soll es möglichst nah am Rollenmodell sein? Erwartet er bodennahe Haltung im Öko-Stil, also beispielsweise nackt im Stall mit etwas Hafer untergebracht zu sein oder geht es um den möglichst eleganten, fetischistischen Auftritt in edlem Geschirr und Zaumzeug vor Publikum? Und ähnlich vielfältig dürfte wohl auch die Motivation und Erwartung der (je nach Rollenverständnis) Besitzer, Trainer oder Tierpfleger sein.
Interessant ist im übrigen die Aussage vieler Petplayer in Foren, dass den Spielen, eben weil es sich um ein Tier handelt, häufig die sadistische Komponente fehlt. So wird zwar die Dominanz nach Herzenslust mit Kommandos und Trainings ausgelebt und es gibt wohl auch den Klaps mit der Gerte, aber das SM-typische "Po vollhauen" entfällt bei vielen Ponyspielen fast völlig. Vielleicht, weil man einem Tier eben doch nicht so böse sein kann und die Rolle so auch eine Schutzfunktion beinhaltet. Umgekehrt bringt die Entmenschlichung des (Spiel-)Partners durch die Tierrolle aber auch dem aktiven Teil durchaus Vorteile. So kann er selbst Hemmungen ablegen, die er dem Individuum gegenüber hätte und direkter und einfacher kommandieren und mit einfachen Regeln das Rollenverhalten für das Spiel festlegen.
Ponyplay gibt es, grob gefasst, in zwei verschiedenen Stilrichtungen: einer eher "tier-orientierten" und einer SM-orientierten Richtung. Währen die eine Spielart, die überwiegend in den USA angesiedelt ist, versucht, die Tierrolle möglichst genau nachzuspielen und dazu sogar Felle und falsche Schnauzen und Ohren trägt, aber kaum SM ausübt, ist die andere Spielart deutlich vom SM geprägt. Hier geht es weniger um die Kopie der Tierrolle, sondern um eine Erweiterung in der Bandbreite des SM. Das Ponygirl wird erzogen, Elemente wie DS, Bondage und Fetisch werden mit integriert. Diese Form des Ponyplay ist überwiegend in Deutschland und Großbritannien zu finden.
Ablauf einer Ausbildung - beispielsweise zum Ponygirl:
Wie nun ein Pony "abgerichtet" wird, ist vermutlich, wie immer beim BDSM, eine Frage des gegenseitigen Respekts und der Wünsche aller Beteiligten. Bei Pony und Reiter stehen, wie bei allen andern "Rollenspielen" auch, die Absprachen zwischen beiden Partnern im Vordergrund. Die Beteiligten sollten sich in jedem Fall darüber unterhalten, was sie am Ponyplay in der jeweiligen Rolle reizvoll finden. Jeder sollte wissen, was er/sie tun will und was er von dem Arrangement erwartet, ob nun sexuelle Befriedigung, das Gefühl zu besitzen oder besessen zu werden, das Gefühl von Sicherheit oder einfach nur Vergnügen. Es sollte beispielsweise, um spätere Abstürze zu vermeiden, geklärt sein, wie realistisch die Ponyhaltung durchgeführt werden soll.
Weiter zu Teil 2 des Pony Specials mit den Themen:
- Interview mit Michael Will über sein Verständnis von pony Play
- Ponyplay in der Historie
- weiterführende Infos und Adressen zu Ponyplay Liebhabern
(c) Extensis
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