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"Ganz oder gar nicht" ein Beitrag "pro Nähe" von Conny
Seit Jahren lebe ich mein Neigung aus, ich bin dominant, habe sehr gern die unnahbare Frau nach außen gezeigt. Die Rolle der "Femdom" ließ dies sehr leicht zu, wirkliche Nähe wurde abgewiesen. Von mir selbst, oftmals auch von meinem Gegenüber, Distanz war das Spielelement, das im Gegensatz zur Nähe, Sicherheit für beide Seiten versprach.
Doch genau danach wird der Wunsch nun immer stärker und meine Entscheidung tendiert fest in diese Richtung. SM und Nähe? Ja! SM und tiefe Gefühle? Ja! SM und Liebe? Wäre ganz klar zu wünschen!
Anders, als nur in der vordergründigen Rolle gesehen zu werden, als ganzer Mensch angenommen zu werden mit allen Stärken aber auch mit allen Schwächen, die Frau neben der Dom zu zeigen und diese ebenso geliebt, begehrt und gemocht zu wissen, dies ist das Ziel, das erst wachsen musste, das mir aber gerade in der Femdom/Malesub Konstellation nur sehr schwer möglich zu sein scheint. Die Gründe dafür sind mir durchaus nachvollziehbar, aber sie entsprechen nicht mehr dem, was ich mir wünsche.
In Studios müssen die professionellen Dominas ganz klar die Distanz bewahren. Zum Teil als Selbstschutz, aber genau diese Distanz der "unerreichbaren Herrin" wird auch vielfach gewünscht. Ein Großteil der passiven Männer macht hier seine erste Erfahrungen, wird phantasiegeprägt und "versteift" sich im wahrsten Sinne des Wortes immer mehr auf die "kühle Herrscherin". Auch im Buch- oder Filmbereich wird dieses Bild sehr stark projiziert: Kühle, Distanz, keine Gefühle zueinander, Herrschaft....
Auch ich habe als dominante Frau sehr lange aus unterschiedlichen Gründen so gelebt, habe mich an dem Bild orientiert, wie eine Femdom "zu sein hat", sicherlich mit der selbstgewählten Distanz auch mein Herz geschützt und habe lange gebraucht um zu verstehen, worin mein Reiz der dominanten Neigung wirklich liegt: jemanden zu finden, der mein Herz erreicht, jemanden der mit meiner Nähe umgehen kann, jemanden dem ich so stark vertrauen kann, dass ich auch fähig bin, ihm diese Nähe zu zeigen.
Oftmals wird in der Femdom der Mutterersatz gesucht. Ich weiß, dass ich mit diesem Satz Viele zum Aufschreien bringen werde und es auch eine Aussage ist, die sicher nicht auf alle Malesubs zutrifft. Aber eben doch auf einen großen Teil.
Seine Mutter kann man zwar achten, respektieren, sich ihr unterordnen.
Aber kann man sie auch begehren?
Sie lieben? Wenn, dann sicher auf eine ganze spezielle Art und nicht in Form der Liebe zwischen Mann und Frau.
Oft sehe ich gerade in Grenzspielen, wie aus ganz starken Kerlen plötzlich kleine Kinder werden, wie sie weinen, Schutz suchen, einfach nur Geborgenheit finden möchten, sich endlich fallen lassen können.
Das ist auch mir sehr wichtig, doch es sollte eben auf einer anderen Ebene sein. Die Ebene die neben dem "Anteil Mutter", auch die Geliebte, die Herrin, die Partnerin, die Vertraute, - eben alles in einem beinhaltet. Und jemanden deswegen ständig auf Distanz zu halten, nein das ist nicht meine Vorstellung. Für mich ist SM die tiefste Form der Liebe zueinander, sicherlich vordergründig im sexuellen Bereich, doch sie geht durchaus auch in den Alltag über.
Und genau hier liegt das Problem. Jemanden an meiner Seite zu wissen, der mir dann auch noch die starke Schulter zum Anlehnen bietet, der auch dann zur Stelle ist, wenn es der doch so " starken " Frau einmal schlecht geht, die dann auch einen Menschen braucht, der sie hält. Er sollte damit umgehen können und nicht in irgendeiner Weise den Respekt vor mir verlieren. Einfach verstehen, dass auch Femdoms ganz normale Frauen sind.
In umgekehrte Konstellation Maledom/Femsub ist dies oft problemlos möglich, auch in meinen bisexuellen Erfahrungen gab es damit niemals Probleme, dort war ich Herrin, Freundin und durchaus auch Geliebte. Umso mehr finde ich es traurig, dass dies mit Männern anscheinend nicht funktioniert.
In meinem Bekannten/Freundeskreis gibt es durchaus eine Menge Femdoms die meine Probleme kennen, aber auch keine Lösung sehen. Und vielfach wird auch dort dann eben auf eine Beziehungsform verzichtet und SM lediglich als Spielbeziehung ausgelebt. Bedauerlich, oder?
Nein, dieser Text soll kein "Mitleid heischen", - er entspricht einfach meinem persönlichen Resümee nach 7 Jahren SM Beziehungen, denen Tiefe fehlte.
Und ich bin froh, endlich aufgewacht zu sein und nun zu wissen was ich wirklich suche. Ob dies jemals im SM-Bereich möglich sein wird, weiß ich nicht. Aber vielleicht habe ich hiermit ein paar Malesubs zum Nachdenken gebracht, damit wäre schon sehr viel erreicht. Seht in uns doch bitte auch die normalen Frauen und nicht nur die "anbetungswürdigen Göttinnen". Sicherlich gibt es auch diese gerade in unserem Bereich, aber es gibt eben auch die "anderen" dominanten Frauen.
Und diese suchen SM mit Nähe, wünschen sich SM und Liebe.
(c) Conny
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