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Ein Redaktionsbeitrag von Ina
Viele SMler sagen, dass sie SM nicht ohne Liebe leben können. Zu tief gehen die Gefühle, - ohne Zuneigung für den Partner, sind sie nicht in der Lage, ihre Neigungen zu leben.
Der Anteil derer, die SM nur zum Ausleben ihrer sexuellen Vorlieben nutzen, ohne dabei gleichzeitig auf der Suche nach dem Partner zu sein, mit dem man diese erfüllt dauerhaft erleben kann, scheint gering zu sein. Und wagt man es gar, in einem Gespräch zu äußern, dass SM auch ohne Liebe und tiefe Zuneigung funktioniert - oh, weia.
Für die meisten ist das höchste Lebensziel in unserer Gesellschaft, bevor sie zum SM als Lebensform finden: Zusammenziehen, heiraten, Kinder. Jetzt mag mancher darüber schmunzeln und dabei doch glatt übersehen, dass es so ein "Lebensziel" scheinbar auch im SM gibt: Das Zusammenleben in Form einer 24/7-Beziehung. Ach, nein. 24/7 leben ja nur die SMler, bei denen der dominante Part, den devoten 24 Stunden am Tag "knechtet". Das hat ja nichts mit Liebe zu tun. (...)
Und andersrum? Der dominante Mensch, der seinen devoten Partner als gleichbe-rechtigten "Gegenüber" sieht, ihm Freiraum lässt und ihm sogar auf Feten sein Getränk holt - das sind ja gar keine "richtigen" SMler, die "spielen" ja nur. Oder?
SM und Liebe. Für manchen ist das eine ohne das andere nicht vorstellbar. Doch allzu oft finden sich im grauen Alltag Fallstricke, die viele Sehnsüchte an eine "geile" SM-Liebes-Beziehung nicht erfüllen lassen. SM und Liebe. Was ist Mythos und was ist lebbare Realität?
Sklavinnen, die den ganzen Tag nackt, nur mit Hand- und Fußfesseln bekleidet, daheim voller Demut auf ihren Herrn und Gebieter warten, um ihn dann in völliger Selbstaufgabe für jegliche Dienste zur Verfügung stehen - die gehören vermutlich genauso in das Reich der Mythen, wie der Meister, der gutaussehend, charmant, wohlhabend, selbst nach einem 20-Stunden-Arbeitstag immer noch "spitz wie Hund", jederzeit ein verständnisvolles Ohr, zärtliche Worte und ein paar aufmunternde lustvolle Peitschenhiebe für die Bedürfnisse seiner Sklavin hat...
Extreme - und dieses Wort einmal nicht unter einem negativen Wortlaut betrachtet - Phantasien und Wünsche lassen sich nur kurzfristig, jenseits des Alltags, als "Highlights" in kurzen Sessions leben. Sowohl psychisch, wie physisch (also geistig, wie körperlich) lässt sich solcher SM von gesunden Menschen auf Dauer nicht leben. Die Natur hat da natürliche Grenzen gesetzt, die sich nur auf ungesunde Weise über einen längeren Zeitraum ignorieren lassen. Somit sollte sich jeder SMler, der in einer Partnerschaft leben möchte, Gedanken darüber machen, dass er es in Kauf nehmen muss, dass der Alltag die SM-Leidenschaft abflachen lässt.
Ist 24/7 in der Realität also gar nicht lebbar? Doch. 24/7 löst sich aus dem Status eines unerreichbaren "Mythos" und wird lebbar, wenn beide Seiten erkannt haben, dass BDSM eine besondere Form von Zuneigung ist, die jedem Partner seinen eigenen Freiraum und seine Persönlichkeit lässt. Dann erzeugt der Alltag, durch die intensiveren Gefühle der Liebe, schneller das notwendige Vertrauen zum beider-seitigen erfüllten Ausleben der SM-Neigungen, als SM auf der Basis von Sympathie. SM ist auch ohne Liebe glücklich lebbar.
Doch ohne Liebe ist mehr Selbst-Vertrauen und Sensibilität beider Partner (also sowohl des dominanten, als auch devoten) notwendig, um die Tiefe im SM zu erreichen, die es erst ermöglicht, die eigenen Träume und Sehnsüchte zu erfüllen. Den Alltag, mit all seinen Problemen und zusätzlichen Belastungen für den SM, überlebt so eine Beziehung auf Dauer nur sehr schwer unter großer Anstrengung.
SM und Liebe. Nicht untrennbar miteinander verbunden, aber vermutlich erst in Kombination lebbare Realität so manchen Wunschtraumes.
(c) Ina
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