Spacer München: 21.11.08
Für alle Südlichter gilt am kommenden Wochenende: Le Café Bizarre goes New York! Die nächste Fetish night findet in der Diskothek "New York", Sonnenstr. 25 im Münchner Zentrum statt. Rauchen ist am 21.11. im Partybereich uneingeschränkt möglich, geöffnet ist von 21:30 bis 04:00 Uhr, bitte mit Dresscode. Mehr unter http://www.bdf-party.de/

 

 

 

 

"Schmutziger Hals": eine besondere SM Story von Autor T.Lagemann

Ich schaue in den Spiegel. Nein, denke ich, mein Hals ist nicht schmutzig. Und dann sehe ich mein Lächeln. Auch das ist nicht schmutzig. Warum also hat der Mann das gesagt? Es ist ja gerade erste eine Stunde her. Im Bus habe ich da gesessen, müde von der Arbeit. Und dann hat sich dieser Mann neben mich gesetzt. Irgendwo zwischen 40 und 50 habe ich den einsortiert. Seine Hände haben sich miteinander beschäftigt, während seine Augen durch den Bus geirrt sind. An meinem Hals sind sie dann schließlich hängen bleiben.

"Muss das sein?" hat der Mann eine Haltestelle später gefragt. Ich habe mich nicht angesprochen gefühlt, warum auch. Was besagt es denn, wenn man nebeneinander in einem Bus sitzt? Man ist nicht miteinander verheiratet, will das auch nur seltenst sein, trägt keinerlei finanzielle Verantwortung füreinander und möchte das auch nicht. Mehr als die Fahrtrichtung hat man nicht als gemeinsames Ziel.

"Ich meine sie!" hat der Mann dann etwas lauter gesagt.

Ich bin gemeint, habe ich da gewusst und mein Buch zugeschlagen. "Bitte?"

"Muss das sein?" hat der Mann erneut sehr laut gesagt.

"Was denn?" "Das mit dem Schmutz an ihrem Hals!"

"Was für Schmutz?"

"Diesen Schmutz da", hat der Mann auf meinen Hals gezeigt. Und da habe ich gewusst, was für ihn so schmutzig gewesen hat. Seine Finger und seine Augen haben mein Halsband im Visier gehabt. Ich habe gelächelt, natürlich habe ich das. Mein Hals ist nicht schmutzig und auch mein Halsband nicht. Da mag der Mann behaupten was er will, er hat Unrecht.

"Doch", hat der Mann auf mein Kopfschütteln gesagt. "Das ist Schmutz!" Und seine Finger haben wieder auf meinen Hals gedeutet. Ich trage dieses Halsband seit drei Jahren. Sie hat es mir geschenkt, die Frau, die mich liebt und die ich liebe. Sie hat es mir eines Tages umgelegt und mir damit gesagt, dass ich jetzt ganz ihr gehöre. Überraschend ist das für mich nicht gewesen, genau danach habe ich gesehnt. Das Halsband ist aus Leder, und vorn, da gibt es diesen kleinen Ring aus Silber. Das Leder ist nach all den Jahren abgegriffen und der Verschluss hakt schon mal. Und auch das Silber mag nicht mehr schimmern, für mich aber erstrahlt alles in hellstem Glanz.

Als sie mir das Halsband umgelegt hat, habe ich vor ihr gekniet und dabei den Kopf gesenkt. Ich habe ihr Parfüm gerochen und auch das Leder ihres Rocks. Damals habe ich nicht gewusst, ob es diese Gerüche gewesen sind, die mich sprachlos gemacht haben oder das ungewohnte Halsband. "Bist du mein?" hat sie gefragt. Ich habe nicht antworten können, da ist ein Kloß gewesen in meinem Hals. Ein großer Kloß ist das gewesen, ich habe den nicht schlucken können.

"Ganz mein?"

Ich habe genickt und bei jedem Nicken das Halsband gespürt. Und ich habe sie gerochen. Und dann habe ich mich daran erinnert, was sie alles für mich ist.

"Sag es!" hat sie mich aufgefordert.

"Ja", habe ich gesagt. "Ja, ich bin ganz dein!"

"Ganz?"

"Ja, Herrin!"

"Sag es, Sklave!" hat sie mich streng angeschaut. So ist mir ihr Blick damals vorgekommen, sehr streng. Heute weiß ich, diese Strenge ist nur Liebe gewesen.

"Sag es!" hat sie mich wieder aufgefordert.

"Ich bin ganz dein, meine Herrin!"

"Das ist Schmutz", hat der Mann die Businsassen auf seiner Seite geglaubt. Noch immer hat er auf mein Halsband gezeigt. "SM ist krank", hat er gesagt, "total krank!" "Wir lieben uns!" habe ich schließlich doch etwas gesagt.

"Das ist keine Liebe, das ist Schmutz!" hat der Mann gewusst.

"Warum?" habe ich den Mann gefragt.

"SM ist krank. SM ist Schmutz. Keine Liebe. Liebe sieht anders aus. Krank ist das. Eingesperrt gehört ihr alle. Ab in die Klappse!" Der Mann hat diese Worte nur so ausgespuckt.

"Warum?" habe ich wieder gefragt.

"Das ist schmutzig", hat der Mann mich angeschrien dabei seinen Kopf wie verrückt rumrucken lassen. Beifall hat er gesucht und keinen gefunden.

"Was ist denn an dem Mann schmutzig?" hat ein Teenager wissen wollen.

"Das da, das Halsband. Das ist schmutzig! Sowas tragen nur Kranke! Leute, die SM haben!" Mehr als der halbe Bus ist sich dann sicher gewesen, mein Hals ist nicht schmutzig. Und krank sei ich auch nicht. Mit kurzen, oftmals nur halben Sätzen hat man mich unterstützt.

"Ist nur ein Halsband..."

"Wenn es ihm gefällt..."

"SM ist nicht krank."

"Es bedeutet ihm viel!"

"Was soll denn das, du Tuppes!"

"Steig aus oder schweig!"

"Ein bißchen mehr Toleranz..."

"Seien sie doch einfach still, nur still."

"Hast selbst so ein Halsband nötig, scheint mir..." A

uch andere Stimmen hat es gegeben, Recht hat man dem Mann gegeben, mal mit lautem "Jawoll"-Sagen, mal mit einem Nicken. Aber die Stimmen gegen den Mann sind zahlreicher gewesen und lauter.

Fünf Minuten später ist der Mann ausgestiegen. Als er ausgestiegen ist, ist er kurz in der Tür stehen geblieben und hat mich angeschaut. In seinen Augen ist eine grenzenlose Wut gewesen, fast schon Hass. Auf was? Auf mich? Auf das Halsband? Auf den Schmutz, den er zu sehen glaubt?

Als ich meiner Herrin nach dem Essen von meinem Erlebnis im Bus erzähle, spielt ihr Zeigefinger mit dem silbernen Ring meines Halsbandes. Sie hört mir wortlos zu. Als sie mich dann später mit den Worten "Du bist mein Sklave!" ganz dicht an sich heranzieht, rieche ich sie wieder. Und ich spüre die Wärme ihres Körpers. Selbst wenn mein Hals schmutzig wäre, denke ich, wäre ich sehr glücklich.

(c) T.Lagemann

 

 

 
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