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Rose Kane: Seltsam, im Nebel zu wandern! Von Trennung und Neuanfang


"Seltsam, im Nebel zu wandern! Leben ist Einsamsein.Kein Mensch kennt den Andern, jeder ist allein."

Diese Worte von Hermann Hesse wollen mir seit ein paar Wochen nicht mehr vom Herzen weichen. Sie beschäftigen mich. Fesseln mich. Würgen mich. Machen mich nachdenklich und traurig. Lassen mich toben und weinen. Lösen mein Schweigen. Was ist passiert, damit diese so auf mich wirken können?

Nun, ich habe monatelang egoistisches Nichtssagen zwischen den Fronten zu meinem Lebenspartner walten lassen. Habe die Augen verschlossen und die Ohren auf taub gestellt. Habe meinen Abstand gesucht, um der Wahrheit zu entkommen. Bis er zum Schluss mich nicht mehr erkannte. Bis er mir aus den Fingern glitt, ohne dass ich es bewusst wollte. Ich habe mich mühselig aus dieser langjährigen Beziehung herausgeschält. Und bin auf unfaire Art ausgebrochen. Jetzt bin ich seit wenigen Wochen solo.

Es hat heftig gekracht. Wir haben uns bis aufs Messer gefetzt. Streit und Wut haben verletzte und müde Egonzentren hinterlassen. Haben große Enttäuschungen aufgemauert. Nichts ist mehr, wie es mal war, wie es hätte sein sollen, aber nie gewesen ist.

Der Zynismus sticht mir aus den Augen. Denn ich weiß, dass mein Vogel-Strauß mir beliebt, aber nicht die Lösung ist, sondern nur das Selbstmitleid ankurbelt. Das lässt mich mit den Tränen kämpfen. Das treibt mich in die Ecke und gibt mir den Rest.

Und ihn? Ihn umfängt die Stille. Ihn umhüllt die Verzweiflung. Ihn zermürbt mein ich. Und doch will er mich nicht loslassen.

Und uns? Uns umklammert das Gewesene und fesselt die Resigniertheit. Uns bannen die Strategieüberlegungen, was an Umgangsformen noch gehen würde und was nun absolut nicht mehr funktioniert.

Das Nichts hat mein Herz erfasst. Erpresst das Singledasein, nur um das Alleinsein in der Angst der Verletzung zu zelebrieren. Tja nun. Der Scherbenhaufen liegt vor meinen Füßen. Was soll ich tun?

Er, mein Ex-Geliebter würdest sagen, nimm das Kehrbesteck und tu die Pflicht der Nichtigpflichtigkeiten. Also kehre ich all den Müll mal auf und hoff auf seine Wenigkeit. Doch vergebens tu ich das. Denn die Bestandsaufnamen zeigen, dass der Verstand das warum, weshalb, wieso und auch das wer, wie, was und wo der Trennung noch nicht verarbeitet hat. Mein Verstand sagt mir nur eins, dass wir nicht konsequent voneinander loslassen wollen. Nicht können und nicht sollen. Und es doch müssen. Denn sonst wäre das Neue nichts anderes als das Alte, das eigentlich Beendete - wenn auch noch lange nicht Abgeschlossene.

So stehe ich da und versuche, die Kontakt-SMS's seinerseits zu ignorieren. Obwohl ich weiß, dass er nicht irrtümlich an mich gedacht und gewählt hat meine Nummer ohne Hintergrund. Ich versuche, das zu umschiffen und schaffe es einfach nicht. So stehe ich im Regen und versuche, unsere Gespräche und Treffen im Jetzt zu ordnen, obwohl wir so lange der Stille anheim gefallen sind. Ich versuche, mein eigenes Reden, mein eigenes Loslassen zu verstehen. Und kann es doch nicht fassen.

Es ist wie mit Erich Kästners Worten in dem Gedicht "Eine sachliche Romanze". Jemand verlor seinen Stock und den Hut. So wie ich den Draht zu ihm. "Ich mag ihn noch immer", würde ich jetzt sagen. Doch nie: "Ich liebe ihn". So wie er in all den Jahren mir kaum hat sagen können: "Ich liebe dich".

War es denn je wirkliche Liebe? So kommen mir die Zweifel. Erst nach dem Trennungsspruch sprach er diese berühmten, alles bewegenden Worte. Und ich? Ich weinte. Ich stehe im Nebel und habe das Gefühl nicht greifbar zu sein. Nicht greifbar für Andere, die mir im Jetzt begegnen. Nicht greifbar für Neues, das mich erstürmt. Und nicht greifbar für ihn, der mich eigentlich wieder haben will. Ich fühle mich im Nebel gefangen und weiß, dass meine Wunden noch nicht verheilt sind. Ich weiß, dass die Narben noch nicht dem Alltag stand halten. Und doch begebe ich mich der Ungeduld huldigend in die Abenteuer neuer Bekanntschaften. Ich schaue den Nebel und weiß, dass du mein neues Ufer genauso wenig fassbar bist wie ich. Und doch reiche ich dir die Hand. Reiche sie voller Hoffnung. Schenke sie voller Wünsche. Gebe sie voller Vorstellungen. Handle sie voller Projektionen. Ohne deiner einer Selbst wahr zu nehmen. Denn mein Nebel und auch deiner hindern mich daran.

Was bleibt? Was geschieht? Was wird passieren?
Das kann wohl keiner von uns sagen. Es sei denn, Gott persönlich würde in uns fahren. Es sei denn, der Liebe Kraft wär' für uns vorhersehbar. Es sei denn, die Teufelsmacht könnt Würfel stocken. Doch das ist nicht der reale Zeitenlauf. Dieser würde eher stolpern und das Leben wieder fallend machen.

Eines Tages so hoffe ich, gibt es wieder jemand, dem ich mein BDSM, mein Gefühl und mein Vertrauen schenken kann. Ob im kurzen Spiel oder in langer Beziehung das weiß ich nicht. Es wäre nur schön. So fühle ich, die glaubt zu wissen, was mit ihr passiert. So denke ich, die glaubt zu spüren, was sie umgibt.

Es grüßt Dich herzlich lieber Leser,
Deine Rose Kane

Rose Kane erscheint im Wechsel mit ‚DarkGrafs Pantoffelkino` und ‚Ironies Spitzen'. Kontakt, Autogrammwünsche und Briefbomben an rose_kane(at)web.de

 

 
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