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LustSchmerz Story

"Sommerabend - Ein Monolog mit Zuhörer" von Auriane

Es ist warm. Obwohl es längst dunkel ist vor meinen Fenstern; obwohl ein leichter Wind weht, mit den Vorhängen spielt. Sommerwärme in meinen Räumen. Ich gehe umher und zünde die Kerzen an, der Reihe nach, bis überall kleine Flammen lodern. Licht und Wärme, erwartungsvolle Ruhe. Auch in mir.

Ich lasse mich auf dem Bett nieder, lasse meine Finger über die Metallstreben des Bettes gleiten, seltsam kühl in der Hitze des Raumes (oder bin ich es, die glüht?). Es ist alles bereit. Das Klingeln, obwohl erwartet, überrascht mich doch immer wieder. Ich springe auf, laufe zur Tür - auf dem Rückweg werden meine Bewegungen gelassener sein. Du wirst da sein, und ich werde diese Ruhe spüren, die ich immer spüre, wenn ich dich sehe. Meine Stärke. Durch dich.

Deine Schritte im Hausflur, deine Gestalt im Türrahmen. Wie du dir die Schuhe ab-streifst und dich hinkniest, um sie auszuziehen. Meine Hand fährt in deine Haare. Es ist die erste Berührung heute abend. Dein Kuss. Du hättest ihn gern länger gehabt, doch es ist zu früh für großzügige Gesten. Komm herein. Setz dich hin. Dir ist ja alles vertraut. Vertraut bist du.

Wir reden. Über den Tag. Pläne fürs Wochenende. Dein Blick fällt aufs Bett. Auf das ausgebreitete schwarze Kleid; die Seile, sorgsam aufgewickelt (von deinen eigenen Händen, an einem anderen Abend.) Ich sehe dein Lächeln. Ich weiß, was du willst, weiß, dass du willst. Ich brauche nicht zu fragen. Ich weiß es immer.

Während ich an der Stereo-Anlage zu Gange bin, fragst du mich, ob ich etwas trinken möchte. Ich sage nicht nein. Du holst den Wein und die Gläser aus der Küche. Wir sitzen zusammen, ich auf dem Sofa liegend, du auf dem Stuhl daneben. Im Hintergrund die Gitarrenwände, gut für den Anfang. Wir sprechen, spielen mit den Worten. Wie immer ein Vergnügen, Worte mit dir zu wechseln.

Deine Finger streicheln über meine Hand, führen sie an die Lippen, sie zu küssen. Ich kann nicht widerstehen, wenn ich dich so sehe. Ich muss an deiner Nasenspitze nagen. Du wischt einmal heftig mit der Hand darüber, gespielte Empörung. Ich höre mich lachen. Es ist dieses laute, schallende Lachen. Du kennst es. Als Antwort lässt du dich vom Stuhl heruntergleiten, hockst vor mir auf dem Boden, den Blick gesenkt. Ich will deine Augen sehen, hebe mit zwei Fingern dein Kinn zu mir hoch. Dein Blick. Und wieder dieses versonnene, kleine Lächeln. Was ist? Willst du etwa spielen?

Ich stelle einen Fuß auf deinen Oberschenkel. Ja, ich trage Schuhe; du musst sie mir ausziehen. Du machst dich daran, langsam, den Stiefel aufzuschnüren. Meine Hand fährt deinen Nacken entlang, zerteilt das Haar, die Haut darunter suchend. Noch ein Ruck, dann hast du's. Aber erwarte nicht, dass ich dir dabei helfe. Du musst halt heftiger ziehen. Ich merke schon, du hast Angst, mir wehzutun. Ein Stich mit dem Fingernagel in deinen Nacken und du hast den Schuh in der Hand. Mach weiter; und stell sie ordentlich nebeneinander, wenn du fertig bist! Die Strümpfe leg dazu!

Meine Füße. Darauf hast du gewartet, nicht wahr? Nimm sie! Koste davon. Aber we-he, du beißt! Sie können dich stoßen, zu Boden drücken, diese Füße, wenn ich es je-mals wollen sollte. Doch du kennst die Regeln. Ich spüre ein sanftes Kitzeln. Deine Zunge. Solcherart Früchte will ich dir gerne geben... Dennoch muss ich sie dir wieder wegnehmen. Verzeih, wir könnten uns sonst den ganzen Abend aufhalten damit, und ich habe anderes im Sinn.

Ich stehe auf, ein Laut des Bedauerns von deiner Seite. Ich winde mich aus der Umklammerung meiner Beine, trage die Weinflasche und dein Glas in die Küche zurück. Es ist Zeit für andere Musik. Elektronischere Klänge. Für gewöhnlich würde dich das stören. Doch nicht heute und nicht jetzt.

Ich spüre die Hitze. Sie ist überall. Deine Hände, ich merke es, wollen sich austoben. Nun gut. Bewege sie, solange du kannst. Zieh mich aus. Den Rock und die Bluse, während ich vor dir stehe. Die Unterhose nicht. Für diesen Versuch gibt's einen Schlag auf die Schulter. Nur leicht und mit der Hand. Ich nehm's dir nicht übel, aber es gehört dazu. Du wolltest doch spielen. Leg alles ordentlich über die Couchlehne. Das kann doch nicht so schwierig sein? Du machst es. Machst wie immer alles, weil ich es sage. Meine Stärke. Durch dich.

Die Hitze. Reich mir das Glas zu! Ich will mich nicht danach bücken müssen. Du lächelst, als du gehorchst. Es ist dir ein Vergnügen (Wie könnte ich dich jemals einen Sklaven heissen?). Ich tauche einen Finger in das Glas, lasse dich den Wein von meiner Haut lecken (Deine Zunge! Ich spüre deine Zunge so gerne). Deine Hände fahren sanft über meinen Körper, Ich weiß, du hättest gern mehr von meiner Haut. Doch nicht jetzt. Noch nicht. Siehst du das Kleid auf dem Bett? Es wartet. Du hast mich ausgezogen. Nun zieh mich wieder an.

Nimm das Kleid. Ich stehe vor dir, mit erhobenen Armen, fühle, wie der schwere, schwarze Samt kühl an mir herabgleitet, sich um meinen Körper legt. Vieles verhüllend und doch alles offenbarend. Die Schnüre im Rücken. Binde sie fester, auf das mein Gewand mir nicht von den Schultern fällt. Fester! Oder soll ich dich schlagen? War das ein "Ja" eben? Deine ironische Art - wenn sie nicht so reizvoll wäre, ich könnte ernsthaft zornig sein auf dich.

Gut, du sollst haben, was du dir wünscht. Ein kurzer Griff nach dem Bett und als ich mich umwende, umrahmt die schwarze Maske meine Augen, halte ich die Peitsche in der Hand. Dass du zurückweichst - ist es Spiel, ist es Ernst? Ein sehr ernsthaftes Vergnügen wohl... Ich glaube dir nicht, dass du Angst hast. Ich weiß, du hast keine. Ich habe recht, sagst du? Natürlich habe ich recht!

Wir haben den ganzen Raum, einander zu jagen. Das Wild und seine Jägerin. Doch es ist ein gefährliches Wild. Es hat Zähne und Klauen. Es fängt die Peitschenstränge mit seinen Zähnen. Wag nicht, meinem schönen Instrument Schaden anzutun! Auch ich habe Krallen... Du schreist auf. Ich lache. Diesen kleinen Schmerz wirst du doch wohl ertragen kön-nen! Das geht viel schlimmer... Du weißt das? Gut.

Keine Sekunde kann man nachlassen, dich im Auge zu behalten. Schon duckst du dich hinter ein Regal und ziehst mich mit hinab. Meine Beute kämpft. Deine Hand hält meinen Arm und es ist kein sanfter Griff. Ich spüre den Druck, während meine andere Hand mit der Peitsche spielt, die Lederriemen über dein Gesicht streicheln, kitzeln, reizen... Dein Griff wird härter. Ich spüre Schmerz und schlage zu, einmal nur, auf den Arm, der mich festhält. Du lässt los, ich richte mich auf. Die Hitze im Raum. Meine Beute. Das Wild und seine Jägerin in gegenseitiger Bewunderung ihrer Zähigkeit. Verschwitzte Haarsträhnen in deinem Gesicht; ich wische sie nach hinten. Du schnappst nach meinen Fingern, beisst zu. Ich lasse dich gewähren, doch meine andere Hand, die Peitschenhand, bohrt sich in deine Schulter. Du fährst hoch. Fauchst mich an. Ein leises Schnurren von meiner Seite. Die samtene Jägerin wird ihre Beute überwältigen.

Im nächsten Moment trägst du ein Oberteil weniger, stehst an die Wand gelehnt, die Arme nach oben ausgestreckt. Ich auf deinen Füßen, die Peitschenstränge kitzeln deine Haut, fahren sanft und harmlos über deine nackte Brust. Deine Augen sagen mir, dass der Kampf fast vorbei ist und ich lasse meine Zähne deinen Hals entlang-wandern. Den Kopf zur Seite weggestreckt, den Mund halboffen, doch stumm, so will ich dich sehen.

Was ist es, was du empfindest in diesem Moment? Schmerzen - oder anderes...? Doch noch gibst du nicht auf, windest dich los und setzt dich zur Wehr gegen deine Jägerin im Samtgewand. Komm nur! Kämpf mit mir! Dein Körper ist ja stärker als meiner. Aber wie stark ist mein Wille, dich zu bezwingen? Und wie stark dein Wunsch, von mir bezwungen zu werden? Haben dich viele bezwungen? Ich glaube nicht, das macht es so schön...

Die Musik spielt mit. Wir toben, jagen, tanzen durch den Raum. Halt dich fern nur von den Kerzenständern! Das Feuer hinter deinen Augen genügt mir. Sieh mich an! Was findest du hinter der Maske?

Brennendes Eis? Sehr hübsch! Wer hat dir denn Poesie beigebracht? Ich dich ausla-chen? Wie kommst du bloß darauf? Du bist ein kluges Beutetier! Dein Blick. Was ich jetzt in deinen Augen sehe, ist das Wild, das gerissen werden will. Werfe ich dich aufs Bett oder fällst du von selbst? Du wirfst deine Kraft hin, wirfst sie mir zu Füßen. Meine Stärke. Durch dich.

Du brauchst mir nicht sagen, dass ich gewonnen habe. Ich weiß es.

Ein Griff nach deinem Hosenbund. Zieh das aus. Dreh dich um, das Gesicht im Kissen. Sei mein. Dein Atem. Noch immer rasch, nach dem Kampf. Meine Hand fährt deinen Rücken entlang. Kein Widerstand, als ich dir Hand- und Fußgelenke mit Ledermanschetten umspanne, die durchgeführten Seile an den Metallstreben des Bettes festzurre... Gefesselt liegst du vor mir, nackt, die Haare fallen über deinen Rücken. Lass dich berühren, lass dich an- und aufrühren von mir. Die Lederriemen in meiner Hand. Ich kann dir nicht beschreiben, wonach sie sich anfühlen, aber ich mag dieses Gefühl... Die Schläge nun sind keine Strafe, denn es gibt nichts, was du falsch gemacht hättest.

Ich sehe deinen Körper zusammenzucken. Doch scheint mir, mehr fast bei dem Knall in der Luft als in dem kurzen Moment, wenn die Peitsche deine Haut trifft. Du schreist, als hättest du darauf gewartet, schreien zu dürfen. Ein verwundertes Zucken auch noch, als plötzlich nurmehr die zarten Enden einer Pfauenfeder deinen Rücken streifen. Die Peitsche liegt neben mir, schlaff. Es ist vorbei. Ich spüre die Hitze in mir nachlassen, deinen Körper, wie er sich langsam entspannt.

Dann sind es meine Hände, die sich auf deine Haut legen, meine Hände, die deine Fesseln lösen. Die Striemen auf deinem Rücken werden auch morgen noch zu erkennen sein; doch spürst du, wie die Schmerzen vergehen, unter meiner Berührung? (Habe ich dich weinen gesehen?) Ich streife das Kleid über den Kopf. Schwerer, schwarzer Samt, der sich auf uns legt, unser beider Körper bedeckt. Deine Hände. Endlich. Deine Hände auf meiner Haut. Ganz nah. Bei dir. Es ist warm.

(c) Auriane

 

 

 
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