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"Der erste Stiefelkuss " - Ein Erlebnisbericht von Uwe
Ich gehe auf sie zu, mit einem dicken Kloß im Hals. Kleine Schweißperlen stehen auf meiner Stirn. Ich fluche innerlich darüber, dass ich es tun muss. Und doch weiß ich, dass kein Weg daran vorbei führt. Ich muss sie ansprechen, es ihr sagen. Ich muss. Ich muss. Ich muss. Sie hat mich in ihrem Netz gefangen. Im Vorbeigehen. Sie hat noch nicht einmal bemerkt, dass sie mich am Haken hat. Sie steht dort an der Schaufensterscheibe. Ein guter Ort. Ein guter Zeitpunkt.
"Entschuldigen Sie, meine Dame..." Sie dreht sich um, sieht mich erstaunt an. So ist sie vermutlich noch nie angesprochen worden. Jetzt, wo ich vor ihr stehe, schätze ich sie auf Anfang Fünfzig.
"Ja..., bitte...?" sagt sie. Ich merke, dass ihr Blick zwischen meinen Augen und dem Halsband mit dem Ring, das ich trage, zögernd hin- und herspringt. Unauffällig und leise atme ich tief ein, fülle meine Lungen mit dem Geruch des frischen schwarzen Leders, das sie trägt.
"Es klingt jetzt vielleicht aufdringlich, aber ich muss Ihnen sagen, dass ich Sie schon seit einiger Zeit unauffällig verfolge....", beginne ich.
"So?" antwortet sie kurz und wartet misstrauisch auf meine weiteren Erläuterungen.
"Ja..., haben Sie vielleicht ein Viertelstündchen Zeit, um mit mir in dem Café dort drüben etwas zu trinken?" versuche ich mein Glück.
"Wie bitte? Ich kenne Sie überhaupt nicht, was soll diese Frage?" antwortet sie leise aber bestimmt. Sie beugt sich leicht zu mir vor, was das Leder ihres langen schwarzen Mantels zum Knirschen bringt. Mich schaudert.
"Nun..., natürlich..., Entschuldigung, ich heiße Uwe Ochsmann..." bringe ich zögernd hervor, "und ich möchte Sie fragen, ob... Sie schon jemanden in Diensten haben, der sich um die Pflege ihrer Stiefel kümmert..." Jetzt ist es raus. Ich spüre, dass ich hochrot im Gesicht angelaufen bin.
Sie starrt mich an. Ist verblüfft. Dann schaut sie an sich herab. Ihr Blick folgt ihren Beinen, die in einer gut geschnittenen schwarzen Lederhose stecken, hinab zu ihren schwarzen Lederstiefelletten mit den kleinen Riemchen und dem bleistiftspitzen Zwölf-Zentimeter-Absatz. Es folgt eine lange Pause.
"Entschuldigung...", sagt sie schließlich, "aber ich verstehe ihre Frage nicht recht." Dann schaut sie an mir herab, ich bin Mitte dreißig, schlank. Ihr Blick streift das schwarze Lederjackett und die schwarze Lederhose, die ich trage und bleibt dann wieder an meinem Halsband hängen. Liegt da ein flüchtiges Lächeln auf ihren Lippen?
"Nun, sehen Sie, Sie tragen viel Leder, den Mantel, die Hose, diese wunderbaren Stiefelletten, und da dachte ich, vielleicht heißt das, dass Sie..., dass Sie eine dominante Ader haben und sich über jemanden freuen würden, der Ihnen Ihre Stiefel und Füße pflegt und Ihnen das Tragen Ihrer Taschen abnimmt... und Ihnen das Leben angenehmer macht..."
Sie schaut mich stumm an, versucht scheinbar mühsam einzuordnen, was ich ihr da gerade gesagt habe. "Sie geben mir den Kaffee aus, ja?" fragt sie schließlich. "Ja, selbstverständlich", antworte ich schnell. "Na, dann gehen Sie mal voran." Sagt sie leise. "Gern", antworte ich.
Das ganze Gespräch findet in einer der eleganten Einkaufspassagen statt, mit denen die Düsseldorfer Königsallee reich gesegnet ist. In der Mitte der sternförmigen Passage gibt es ein Rondell mit einem offenen Café. Es ist nach wenigen Schritten erreicht. Ich habe mich nicht umgesehen und bekomme jetzt ein wenig Angst, dass sie hinter mir einfach in einem anderen Gang verschwunden ist. Doch als ich einen freien Tisch in der Mitte erreicht habe, taucht sie neben mir auf. Sie stellt ihre Einkauftasche auf einen freien Stuhl und will gerade ihren Mantel ablegen, da bin ich auch schon hinter ihr und helfe ihr. Kurz zuckt sie zusammen, lässt es dann aber geschehen. Ich lege den Mantel sorgfältig neben ihr über die Stuhllehne. Unter dem Mantel trägt sie einen mittelblauen, weich-fliessenden Angorapullover. Ich sehe, dass ihre Lederhose am Gesäß keine Taschen hat, sodass sich der kühle Stoff fest um ihr Gesäß legt. Sie ist für eine Fünfzigjährige sehr schlank, mittelgroß und sehr gepflegt. Ihre Haare sind schwarz mit grauen Strähnchen, sie ist dezent geschminkt, hat dunkelrot lackierte Fingernägel und ist umgeben von einem leichten Hauch eines mir unbekannten Parfums. Ihre Falten erhöhen für mich den Reiz ihrer erotischen Ausstrahlung.
Ich setze mich ihr gegenüber, nachdem ich mein Jackett ausgezogen habe. Das Halsband wird weitgehend vom Kragen meines dunkelblauen Hemdes verdeckt. Bis zu diesem Punkt hatte ich mich innerlich vorbereitet, jetzt gerate ich ins Stocken und überlege, wie ich das eigentliche Gespräch beginnen kann. Auch sie scheint plötzlich verunsichert, lacht mich aber zögernd und mit einem kleinen Glucksen an.
"Ja, bitte?" sage ich und lache zurück. "Später, erst sind Sie dran!" antwortet sie. Und dann: "Ich hätte gern einen Milchkaffee. Das müsste schnell gehen, ich habe tatsächlich nur eine Viertelstunde Zeit." Ich nicke, stehe auf und laufe der Kellnerin in die Arme, der ich unsere eilige Kaffeebestellung antrage.
Nachdem ich mich wieder gesetzt habe, nimmt sie die Initiative in die Hand. "Machen Sie sowas öfter?" fragt sie.
"Was meinen Sie?" antworte ich.
"Nun, eine Frau zu verfolgen, sie irgendwann anzusprechen, sie auf einen Kaffee einzuladen und ihr zu offenbaren, dass sie ihre Stiefel putzen wollen, das meine ich", gibt sie zurück.
"Nein, ich habe es mich heute zum ersten Male getraut. Verfolgt habe ich auch schon andere, aber noch keine angesprochen."
"Soso, und das soll ich Ihnen glauben?"
"Warum nicht?"
Sie atmet einmal tief ein und aus und fragt dann: "Warum ich?"
"Nun, sie tragen soviel Leder, haben einen festen..., dominanten Schritt, wenn ich das so sagen darf. Sie scheinen zu wissen, was sie wollen. Das strahlen Sie aus. Und Sie sind - ich hoffe, das beleidigt Sie nicht - eine erfahrene Frau in einem sehr anziehenden Alter. Ich habe gehofft, dass das erleichtert, dass Sie mich verstehen." Sie schaut mich an, sagt aber nichts. "Sie werden es wahrscheinlich schon ahnen, aber ich..., ich bin ein Fetischist, ein Leder- und Stiefel- Fetischist mit devoten Neigungen. Ihre Ausstrahlung berührt mich, regt mich an. Ich wollte unbedingt wissen, ob dahinter eine dominante Frau steckt, eine, die bewusst weiß, was sie ausstrahlt. Und wenn das so wäre und ich ihnen sympathisch bin, dann würde ich mich freuen, wenn ich Sie näher kennen lernen dürfte."
"Hhm...", macht sie, "Sie sind mutig, das muss ich Ihnen lassen." Die Kellnerin bringt die Kaffees, wir klammern uns dankbar an die Tassen.
"Ich hoffe, ich enttäusche Sie nicht, wenn ich Ihnen sage, dass ich dese Lederkleidung und die Stiefel nicht anziehe, um die Aufmerksamkeit von Menschen mit Ihrer Neigung auf mich zu ziehen. Aber ich würde lügen, wenn ich sagte, ich wüsste nicht, wie sie wirkt." Jetzt schaue ich sie stumm an. "Ich habe auch keine dominanten Züge, zumindest habe ich sie noch nicht entdeckt...", lächelt sie. "Aber jetzt etwas anderes: Sie sind doch sicher, sagen wir, fünfzehn Jahre jünger als ich, ich bin verheiratet. Haben Sie keine Freundin?"
"Doch", antworte ich. Sie ist verblüfft. "Sie weiß, dass ich mich früher oder später das traue, was ich mich heute getraut habe."
"Puh, und das geht gut?" fragt sie.
"Bis jetzt wunderbar", antworte ich.
Sie nimmt zwei Schlucke Kaffee und sieht auf die Uhr. "Also ehrlich gesagt weiß ich nicht recht, was ich davon halten soll."
"Das kann ich mir vorstellen", sage ich schnell, "ich gebe Ihnen jetzt meine Telefonnummer und Sie können mich anrufen, wenn Sie möchten."
Und dann?", will sie wissen.
"Nun, wir könnten uns wiedersehen, ich helfe Ihnen beim Einkauf, trage ihre Taschen, mache mich nützlich und würde mich freuen, wenn Sie mir erlauben würden, zum Abschied Ihre Stiefel zu küssen."
"Was, jetzt und hier?" fragt sie erschrocken. Ich weiß, dass ich mit dem Feuer spiele, Top oder Flop, ich weiß, dass ich sehr weit gehe. Zu weit?
"Oh, da ist mir etwas runtergefallen", sage ich, beuge mich unter den Tisch, bevor sie wahrnehmen kann, was passiert. Da sind ihre Füße in den wunderschönen Stiefelletten. Ihr Kopf taucht unter der Tischkannte auf.
"Lassen Sie den Bödsinn!!" zischt sie. Also Flop! Ich stehe langsam wieder auf, weiß nicht, wo ich hinsehen soll und murmele ein "Entschuldigung".
"Schon gut", sagt sie, "Sie sind mir nur ein bisschen zu schnell. Begleiten Sie mich noch zur U-Bahn?" Ich schlucke. "Aber beeilen Sie sich!"
Bevor ich verdattert wahrnehme, dass das ein Angebot ist, hat sie schon den Mantel an, die Tasche in der Hand und sucht ihren Weg zwischen den Tischen hindurch zum Ausgang. Ich hole schnell mein Portemonnaie hervor, 20-Euro ist der kleinste Schein, den ich habe. Egal, ich klemme ihn unter meine Untertasse, rufe der Kellnerin zu, das Geld liege auf dem Tisch und haste meiner Unbekannten Lederdame hinterher, die schon 50 Meter Vorsprung hat. Ich hole sie am Ende der Passage ein, von dort geht es direkt in den U-Bahn-Schacht. Mein Herz rast wie wild. Ich fahre wortlos hinter ihr die Rolltreppe herunter. Sie sieht sich nicht um. Als wir auf dem Bahnsteig ankommen, fährt schon eine Bahn ein. "Mist", denke ich. Doch was macht sie? Sie wartet das rege Treiben ab, lässt die Bahn anfahren und beobachtet, wie sich der Bahnsteig wieder leert. Dann sieht sie mich schelmisch an, sagt "Komm!" und verschwindet hinter dem nächsten breiten Betonpfeiler. Ich folge ihr nach, sie sieht mir in die Augen und sagt: "Jetzt darfst Du mir die Stiefel küssen." Ich schwebe, ich zittere, ich tue es. Zwei lange feste Küsse auf jede Stiefelspitze. Die Zeit steht still. Wie in Watte gepackt höre ich eine Horde Jugendlicher die Rolltreppe herunterkommen.
"Es ist gut!" sagt sie, "Steh auf!" Ich gehorche, senke unwillkürlich meinen Blick. "Du tust es also tatsächlich..." sagt sie langsam. Und dann: "Gib mir Deine Telefonnummer..."
Das war gestern...
(c) Uwe
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