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Eine Steigbügelhilfe für unerfahrene Aktive
ein Redaktionsbeitrag von Andrea Schneider
Himmel, kann das schwierig sein! Da hat man ein potentiell williges "Opfer" vor sich, das einem seine submissiven Wünsche offenbart, eindeutig erleben möchte was "geile Schwester Phantasie" seit langer Zeit nachts in feuchten Träumen vielversprechend ahnen lässt, alle Tabus sind fast schon zu oft sachlich durchdiskutiert, - es fehlt nur noch eines... dass "Top" endlich loslegt, das "Spiel" bravourös eröffnet und den wunderbaren Traum zur einschlagenden Wirklichkeit werden lässt... Souverän, sicher und problemlos versteht sich. Als echter Meister. Hhart aber gerecht, liebevoll und dennoch ohne emotionale Einbrüche, so wie sie anscheinend alle anderen täglich praktizieren, eine Bilderbuchsession eben...
Aber was bitteschön macht man denn, wenn die Sache mit der Dominanz ziemliches Neuland ist ? Phantasien sind da, klar, jede Menge... aber irgendwie braucht so eine Session doch einen gewissen Rahmen, Spannung, Sicherheit. Und auf jeden Fall soll sie Subbie fliegen lassen, damit man als Aktiver neben all der Verantwortung auch auf eigene Kosten kommt. Und wie ist das mit der oft beschworenen "Naturdominanz"? Braucht es die wirklich, um als frischgebackene/e Top Spaß an SM haben und vermitteln zu können?
Fragen über Fragen... schauen wir mal, ob wir ein paar hilfreiche Antworten finden können. Zunächst: vergessen Sie das Unwort "Naturdominanz". Eigentlich gibt es sie nicht, denn jede/r verantwortungsvolle Top kennt Momente der Unsicherheit und unterscheidet sich von panischen Gemütern ausschließlich durch die Souveränität, sich diese nicht wirklich anmerken zu lassen. Eigentlich geht es also um eine gewisse Gelassenheit, auch mit unvorhersehbaren Ereignissen umgehen zu können. Und das ist die gute Nachricht: diese Gelassenheit kann man lernen. Eigentlich benötigt man nur wenige "Kopfanker" um geliebt, gelobt und glücklich erste Top-Sessions geregelt zu bekommen:
Planen Sie Ihre ersten Spielversuche, aber "verplanen" Sie sich nicht
Will heißen: fokusieren Sie Ihre Gedanken auf Ihr aktuelles Kopfkino, stellen Sie sich vor, welches "Thema" Ihre Session haben soll. Sie benötigen zum Anfang den Rahmen, um sich selbst sicher zu fühlen und die notwendigen Utensilien parat zu haben. Aber "verplanen" Sie sich nicht, so dass sie "aussteigen müssen", weil das 10 Meter Seil fehlt ,an dem dummerweise die wochenlang en Detail ausgefeilten Schritte 3-5 aufbauen :o)
Wählen Sie für den Spielbeginn einen entspannten Moment ohne Zeitdruck und beginnen Sie z.B. mit einer Eröffnung, die auch angenommen werden kann. Also beispielsweise die Anordnung an Sub, sich in eine Ecke des Zimmers zu knien, die Augen zu schließen, ruhig zu werden und wenn er/sie die Spieleinladung annehmen möchte, schließlich Reaktion X zu zeigen.
Vermeiden Sie Hektik in Ihren Gedanken, Ihren Aktionen, Ihrer Sprache Das klingt logisch, ist aber die größte Fehlerquelle die eine Session kippen lassen kann. Denn nicht befürchtete Langeweile ist für Sub der Tod der Geilheit, sondern der Versuch des/der Top alles ein bisschen, aber nichts konkret zu tun. Lassen Sie sich Zeit für jede Körperzone um die Sie sich "kümmern wollen". Fünf Schläge auf den Po und einmal Brustzwicken sind ein netter Versuch, aber Ihr Partner verliert damit die Möglichkeit sich in eine vielversprechende Situation hineinfallen zu lassen. Bleiben Sie bei einer Region, verwöhnen, quälen, necken Sie ausschließlich diese. Wechseln sie Utensilien oder Schlaginstrumente nicht hektisch, sondern bewusst. Spielen Sie mit Wechsel der Intensität, nicht mit dem gesamten SM Koffer. Sie haben alle Zeit der Welt und können nötigenfalls minutenlang über einen verbalen Satz nachdenken. Formulieren Sie ihn in Wortlaut und Tonfall gedanklich aus, bevor Sie ihn aussprechen. Er wird dann klar und sicher wirken, was sich automatisch auf ihr Gegenüber überträgt.
Nutzen Sie kleine Dinge mit großer Wirkung
Bereits eine zärtlich umgelegte Augenmaske gibt ihnen die Möglichkeit in aller Ruhe über weitere Schritte nachzudenken, während Sub sich mit gespannter Vorfreude beschäftigen kann. Passende Musik die zum mentalen Fliegen einlädt, verscheucht die zu Beginn oftmals hilflos wirkende Stille. Und: laut genug eingestellt, kann bereits eine "nicht erwartete" Berührung Ihre/n Partnerin absolut überraschen. Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, dass eine Session gewaltigen Aufwand benötigt um "einschlagend" zu sein. Erinnern Sie sich an die Wünsche über die sie gemeinsam gesprochen haben: ein/e Passiver , der/die begeistert von der Vorstellung des "Gespreizt seins" berichtet, kann es hingebungsvoll genießen an exponierter, erhobener Stelle eine solche Körperhaltung einzunehmen, während Sie in aller Ruhe -mal sanft mal schmerzhaft- sich um die Genitalien bemühen, einige Schritte zurückgehen, zum Beobachter werden, mit Worten die "hündische" Wirkung beschreiben, mit dem Schamgefühl des/r Sub spielen.
SIE wissen was passieren wird, für Ihren Partner ist die Ungewissheit bereits ein spannender Kick, - warum also nicht von schrecklichen Möglichkeiten berichten, die nie eintreffen müssen? Allein diese Vorstellungskraft kann ein bereicherndes Sessionelement sein.
Umgehen Sie "Sackgassen" - bleiben Sie flexibel
Womit ich meine: manövrieren Sie sich nicht in Situationen, die nur noch einen möglichen Ausgang bieten. Keine Frage: dies können sehr spannende Spiele sein, aber zu Beginn haben Sie als Top darin schnell schlechte Karten, wenn Unvorhergesehenes passiert und Sie in der Verantwortung von Durchführung oder Auflösung landen. Um die Chance unterschiedlicher Möglichkeiten werden Sie spätestens dann froh sein, wenn Sub Unmut bekundet und Sie die Entscheidung zur veränderten Fortführung der Situation in dessen Hand legen können. Das geht durchaus ohne Gesichtsverlust und nimmt den u.U. ausgestiegenen Sub wieder mit ins Spiel. Lassen Sie wählen, stellen Sie Wege zur Auswahl durch die Ihr Partner ihnen zeigen kann, was aktuell vorstellbar ist.
Meist ist nicht das Spiel der/s Tops, sondern lediglich eine einschneidende Handfessel o.ä. schuld an unguten Gefühlen, die mit einem Handgriff gelöst werden können, solange Ihr Kopf dies zulässt. Beziehen Sie also Unmutsäußerungen nicht sofort auf sich und Ihre Fähigkeiten - wäre doch schade um das ganze Spiel, das zu jedem Zeitpunkt noch eine prima Wendung nehmen kann.
Bewahren Sie Ihre Phantasie und Ihre Lust
Ach ist das leicht gesagt und schwer getan, wenn man sich als Top absolut nicht sicher ist, welchen Zauber man genau veranstalten soll.Dennoch: auch wenn Sie den rationaleren Part übernommen haben, Ihre Lust am Spiel ist wichtig und sie können sicher sein, dass Sub ohne Top nur schwerlich fliegen kann. "Dienstleister" hin oder her, Spaß machen manche Dinge einfach nur zu zweit und SM Sex gehört unter Garantie dazu. Also: gönnen Sie sich die Momente in denen auch Sie abschalten können. Lassen Sie sich verwöhnen, stellen Sie sich in den Mittelpunkt, wenn Sie in Gefahr laufen "auszusteigen", oder nehmen Sie sich kurzzeitig zurück. Ob sie sich mit dem Mund befriedigen lassen möchten oder eine "Ficksequenz" einschieben ist völlig gleichgültig, solange Sie damit wieder Lust auf mehr bekommen.
Eine andere Möglichkeit wäre, Sub sicher "zwischen zu deponieren" und eine Zigarettenlänge Auszeit im Nebenraum zu nehmen. Mit ein bisschen Geschick kann dies von Ihnen sogar als Entspannungszeit für den Passiven "verkauft" werden, auch wenn in Wahrheit Ihnen die Ideen ausgegangen sind. JETZT ist Zeit für Gelassenheit! Lehnen Sie sich zurück, stressen Sie sich nicht und lassen Sie Ihre Phantasien wiederkehren. Sie sind kein Übermensch, aber Sie haben den aktiven Part gewählt. Genießen Sie ihn, malen Sie ihn sich aus, führen Sie sich gemeinsam mit Sub durch eine Session an der beide Spaß haben sollen.
Das Geheimnis liegt in Ihrer Ruhe. Was immer Sie tun, bleiben Sie klar und überholen Sie sich nicht selbst. Ich bin sicher - Sie schaffen das!
Viel Vergnügen bei Ihren ersten, glücklichen Spielen!
© Andrea Schneider
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