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BDSM ist für viele Leute etwas so Edles und Schönes, dass mir ganz anders wird, wenn ich dieses schmuddelige Bild von SM in der Öffentlichkeit sehe, welches ich persönlich nur schwer ertragen kann. Ist es nicht eher so, dass das Ausleben einer BDSM-Neigung, fast schon einer Kunstform gleichkommt?
Mit wie viel Liebe und Hingabe wird sie zelebriert, wie viele Leute bemühen sich um realistische Aufklärung und Information, um sie der Menschheit in ihrer wahren Schönheit näher zu bringen? Es gäbe jetzt sicherlich 1.000 Bildnisse, und wenn man BDSM tatsächlich als Muse betrachtet, welche in uns künstlerische Energie freilegt, dann könnte man es mit unglaublich vielen Kunstformen vergleichen.
Mir gefällt jedoch ein Vergleich besonders gut, welchen ich von einer geistreichen Seele erhalten habe. Er erklärt für mich wunderbar die Symbiose von Dominanz und Devotion. Es ist die Wesensverwandschaft von BDSM mit der Trapezkunst:
Beides zeugt von einer unglaublichen Anmut des Zusammenspiels zweier Körper in einer Welt, die uns für kurze Zeit zum Träumen einlädt. Beides braucht in der Realität grenzenloses Vertrauen in den Partner, den Mut des Loslassens und die Kraft des Auffangens.
Den Mut zum Loslassen findet nur, wer auf das Vorhandensein der auffangenden Kraft vertraut. Nur dann kann er die Höhenflüge erleben und die Kunststück vollbringen, zu welchem er unter der Schwerkraft des Lebens, auf dem Boden der Tatsachen, niemals fähig wäre.
Allerdings bedarf es auch auf Seiten des Fangenden, des gehörigen Mutes: Des Mutes nämlich, auf die eigene Kraft zu vertrauen und der übernommenen Aufgabe wirklich gerecht werden zu können. In seinen Händen liegt das Leben eines Menschen, denn wenn er sich im Takt irrt, dann greifen seine auffangenden Hände ins Leere. Vertrauen, Zutrauen und Selbstvertrauen gehen dabei eine so enge Einheit ein, dass es keinen Sinn macht, diese wirklich auseinander dividieren zu wollen.
Letztlich ist das auch gar nicht nötig. Denn wie bei einem Trapezakt, ist es auch beim BDSM erst die Ergänzung und das Aufeinander-Bezogen-Sein, das die eigentliche Vollendung und Befriedigung schafft: Dominanz bedarf der Devotion, Devotion der Dominanz, um wirklich zu sich selbst zu kommen.
Das Oben- und Untensein beim DS ist nur die Oberfläche, im Grunde handelt es sich um ein Spiel zweier gleichberechtigter Partner, die darin übereingekommen sind, ein Spiel zu spielen, dessen erste Regel darin besteht, genau selbiges aufzuheben: Das es eben kein Spiel ist. Denn wenn der Fänger den Flieger nicht auffängt, stürzt dieser unweigerlich in sein Unglück.
Bei einem Spiel gibt es Gewinner und Verlierer, bei diesem Trapezakt sind jedoch beide die Künstler, die eine atemberaubende Leistung vollbringen. Und der "normale" Mensch sitzt währenddessen ungläubig staunend, mit offenem Mund im Zirkuszelt des Lebens und wünscht sich, einmal im seinem Leben den Mut zu besitzen, mit einem Akteur dieser kunstvollen Traumwelt tauschen zu können...
(c)Ina
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