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Trennungsschmerz? Inklusive!


Ein emotionaler Leserbeitrag aus weiblicher Dom-Sicht von "Lady S".

Wer kennt sie nicht, diese sehr unangenehme Situation, in der man schockartig vor Tatsachen gestellt wird. Von außen wirkende Ereignisses bestimmen das Spiel. Keine Chance, um ins Räderwerk eingreifen zu können - sozusagen Spielball "fremder" Mächte. Vor solchen Konstellationen sind Beziehungen im SM-Bereich ebenso nicht gefeit. Eine mögliche Variante wird im folgenden Artikel dargestellt.

Trennungsschmerz? ... Inklusive!

(Sklave) M.,

Dein letzter Brief begann so ganz anders. "Wo sind die hingebungsvollen Worte, liebreizenden Beschreibungen, demutsvollen Anspielungen?", fragte ich mich. Doch mit jeder weiteren Zeile spürte ich Nüchternheit, Emotionslosigkeit, eisige Kälte in Deinen Erklärungen. Diese konstruierten in meinen Gedanken ein Bild. Ich sah, wie ein Bogen sich spannt, den du spannst - vorgesehen, um ein todbringendes Geschoss abzuschießen. Der Inhalt Deiner Worte formte auch den Pfeil. Mir wurde klar, dass wohlgezielte Projektil wird sein Ziel nicht verfehlen. Und das Ziel bin ich.

Jetzt liegt das Herz und die Seele vom Pfeil zerfetzt in meinem Körper. Du hast mich, deine Herrin und Gebieterin, unbarmherzig getroffen. Gnadenlos zerstörst du mit wenigen kurzen Sätzen 13 Jahre gemeinsam entwickelte Erfahrungen, verwirklichte bizarre Träumereien, gewonnene Vertrautheiten, verlässliche Zuneigung sowie grenzenlos empfundene und erlebte Intimität.

Ja, doch, eines muss ich zugeben. Dass unsere Geheimnisse irgendwann einmal aufgedeckt werden, das wussten wir. Und dieses Damoklesschwert über uns, wir haben es beide versucht zu ignorieren. Ich hätte viel früher auf die notwendige Offenbarung unserer Geheimnisse gegenüber Deiner Frau und Familie und die damit verbundenen Konsequenzen bestehen müssen. Immerhin, ich habe mich von dir beschwichtigen lassen.

Jetzt, nach 13 Jahren, hast du endlich den Mut gefunden und "reinen Tisch" gemacht. Zumindest dafür zolle ich dir Anerkennung. Aber in Deinem letzten Brief verdeutlichen sich Verhaltensweisen, die ich bei dir bisher noch nicht bemerkt hatte. Deine ganzen hingebungsvollen Gesten, herzerwärmenden Liebesschwüre und das devote Benehmen verschwimmen in Makulatur, sind Schall und Rauch. Mit so einer Reaktion habe ich nicht gerechnet. Jedoch, um so weiter ich von Deinen Zeilen Abstand gewinne, spüre ich, du hast mir das Innerste von Deinem Ich doch nicht ganz gezeigt und ein gutes Schauspiel abgeliefert.

13 Jahre lang ist es dir gelungen, Deinen Egoismus hinter einer Maske zu verbergen. Du schreibst von dem Gespräch mit Deiner Frau. Das ganze letzte Wochenende habt ihr zusammen gesessen und geredet. Und vorhin erhielt ich das Ergebnis. Es verletzt mich sehr.

Ein Wochenende der Aussprache genügt dir, um den Entschluss zu fassen, mir, deiner doch so hochgeliebten Herrin, einen kurzen Abschiedsbrief zu schreiben. Erstaunlich: Die wenigen Stunden reichten aus, und du kennst für Abschiedsworte noch nicht einmal den Weg zu mir. Das Schuldgefühl in dir muss größer sein, als die Liebe zu mir. Oder kannst du mir nicht mehr in die Augen sehen, weil du mich fallen lässt wie eine heiße Kartoffel? Es wäre auch sehr interessant gewesen, Deine Frau auch mal persönlich kennen zu lernen. Schließlich kann sie froh sein, dass du bei mir Hilfe und Verständnis gefunden hast. Ein Wochenende reicht für dich aus, um 13 Jahre Gemeinsamkeit, Freude, Verzückung und intimstes Glück mit spärlichen Worten zu den Akten zu legen.

Erinnerst du dich? Eine von dir für mich geschriebene Geschichte endet: "Für Euch würde ich sterben!" Nun stellt sich heraus: eine Phrase. Trotz des Angebotes - niemals würde ich dieses Ultima ratio von dir verlangen. Deine Sicherheit und Unversehrtheit war mir jederzeit ein hohes Gut. Aber es ist nicht die mögliche praktische Umsetzung des Angebotes. Nein, der emotionale Gehalt Deiner Aussage berührte mich tief in der Seele. Und du? Stattdessen richtet der Sklave den gespannten Bogen auf seine Herrin und lässt dem vernichtenden Pfeil seinen freien Lauf. Trotz der tiefen, sehr tiefen Wunde: ich werde überleben.

Ein Wochenende ist der Grund, um in mir keine Chance mehr für die gemeinsame Zukunft zu sehen. Oder hast du mir etwa verschwiegen, dass dich meine dominante Art nicht mehr befriedigt; Du noch zu Weiterem bereit bist?

Deine Frau, die bisher keine Dominanz zeigte, ist von dir als neue Herrin auserwählt. Sie brauchte nur sagen: "Ich mach's!", und schon kniest du vor ihr. Oder soll/muss sie wegen dir jetzt dominant sein? Hast du nunmehr vor, als Sklave in einer D/s - Beziehung den Ton anzugeben? Ein Wochenende führt dich zur Erkenntnis, Deine Familie braucht dich jetzt mehr als früher. Es ist immer das gleiche Versteckspiel - eigentlich typisch. Wenn es kritisch wird, kneift der verheiratete Mann den Schwanz ein. Wie ein Wolf, der im Rudel nicht das Alphatier sein kann. Wahrscheinlich seit ihr letztendlich innerlich doch froh, zu Hause, bei der Ehefrau und Familie, das große Alphatier spielen zu können. Von der gesuchten weiblichen Dominanz fehlt dann jede Spur. Leider, ja leider, gliederst du dich somit in die Reihe der mit diesen Verhalten so umfangreich beschriebenen Subs ein. Die Leidtragenden sind fast ausschließlich die dominanten Frauen.

Mir ist in diesem Zusammenhang bisher nur ein Fall bekannt, in dem eine Subfemale von ihrem Dom wegen Familienproblemen davon lief. Ein Wochenende führte dazu, dass Dein Handeln von Einfältigkeit geprägt wird. Wir haben uns darüber unterhalten. Du weißt es also genau, welche Zeit und Kraft ich aufwendete, um dir Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Und dabei nehmen mich die täglichen Aufgaben sehr in Anspruch, habe somit mehr mit mir selbst zu tun. Dominante Menschen benötigen ebenfalls Phasen der Erholung, Regenerierung, des Alleinseins oder der normalen zärtlichen Zweisamkeit. In gemütssensiblen Stunden könnte ich manchmal am liebsten stundenlang heulen. Dann fehlt mir die starke Schulter an der Seite, zum Anlehnen, wie oft habe sie schon vermisst.

Meine innerliche Verfassung, nein, so richtig hast du es nicht gespürt; solltest du auch nicht. Ein Wochenende macht dich zum Entscheider über Dein und mein zukünftiges Leben. Auch du scheinst nun von dem Glauben beherrscht zu sein, eine Domina hat es sehr leicht. Sie braucht nur, aus der Vielzahl der Subs einen anderen auszuwählen. Hast du es mir nicht immer hoch angerechnet, die Zeit und Kraft von meiner Seite, die notwendig war, um uns aufeinander einzustimmen? Die Auswahl fiel vor Jahren auf dich, weil es unsere damalige beiderseitige familiäre Situation Gemeinsamkeiten zuließ. Dadurch war die über Jahre hinweg erfolgreich verlaufende partnerschaftliche Entwicklung möglich - zu unserem gegenseitigen Nutzen.

Jetzt, ab sofort, wendest du dich stärker Deiner Familie zu und glaubst von Freitag auf Montag eine neue Herrin gefunden zu haben. Und mir, Deiner bisherigen Herrin, entziehst du mit wenigen Sätzen die Macht über dich - meinem Sklaven. So muss ich mir ab heute, wiederholt für lange Zeit, das Leben anders organisieren. Es wird Monate dauern, bevor überhaupt an die Auswahl eines neuen Sklaven gedacht werden kann. Und dieses Vorhaben wird enorme Kraft kosten. Nein, du kannst es dir nicht vorstellen! Es stellen sich noch viele weitere Fragen. Ich kann und will diese aber nicht beantworten. Du hast dir, ohne Rücksicht auf mich, Deiner bisherigen Herrin, die einfachste Lösung gesucht. Ich hätte nie gedacht und habe es auch nicht gespürt, dass du in solchen schwierigen Situationen so egoistisch aber auch einfältig handelst.

Jedoch wenn nunmehr die letzten 13 Jahre in meinen Gedanken kreisen, stoße ich auf eine etwas merkwürdige Äußerung von dir. Damals, vor Jahren fragte ich: "Welche Gedanken bewegen dich, wenn du allein in der Bretagne am Pointe de Perne stehst?" Eine von Deinen vielen Antworten fiel mir sofort wieder ein: "An dieser Stelle endet der Kontinent Europa."

Ich sagte: "Nein, für mich ist der Atlantik, das Meer zu Ende." Danach hast du meine Sichtweise durch breite Erklärungen über die Weite des Meeres belächelt. Mir wurde damals ein wenig klar: Nur Deine Gedankenwelt zählt. Ich hoffe Du kannst diese mit Deiner neuen Herrin besser verwirklichen. Trotz des mir zugefügten Schmerzes: Ich wünsche es dir. Vielleicht findest du bei ihr die notwendige Ruhe.

(Sklave) M., sei gewiss, auch dieser Brief hat mir Zeit und Kraft abverlangt - mehr Kraft als sonst. Aber unsere gemeinsame Zeit, ich kann sie nicht einfach abhaken. Sie ist mir zu wertvoll. In mir haben sich Stimmungen breit gemacht. Ich fühle mich schuldig aber auch betrogen, verführt und ebenso missbraucht. Deine Nähe wird mehr fehlen. Trotzdem bist du mir schon fremd.

Es verabschiedet sich Lady S.

(c) Simon

 

 

 
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