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Von blutroten Versprechen und intimen Momenten: Ein Redaktionsartikel von Andrea

Lange tobten sie als flüsternde Kopfgeister durch meine Phantasie und oft habe ich mit hundert Ausreden den sinnbildlichen Schwanz eingezogen, wenn nette Menschen mir meine Bedenken vor 4 cm blankem Horror nehmen wollten:

nein, als Trockentraining im Freundeskreis wollte ich meine "erste Nadel" nicht erleben. So gänzlich unerotisiert, nur um zu wissen, was ich so gar nicht glauben wollte, " dass das Durchstechen von Haut angeblich überhaupt nicht weh täte...", nein meine Lieben, ohne mich, das könnt Ihr gerne jemand anderem erzählen... Eine spitze, scharfe Kanüle, langsam unter die Haut geschoben, das kann nicht unter "nette, harmlose Spielvariante" fallen - völlig unmöglich!

Erwischt hat sie mich schließlich völlig unverhofft, mitten im Spiel, mit verbundenen Augen und einem ungewohntem Gefühl an der Brust, das ich erst nach zweimaliger Wiederholung als Stich jener langersehnten Nadel zuordnen und nach dem Lüften der Augenbinde bewundern konnte. Da steckten sie nun in meiner Haut, erzählten Geschichten größter Intimität und besiegelten die Atemlosigkeit mit zartroten Blutstropfen, die mein Geliebter mit großer Zärtlichkeit ableckte. So schön wie gemalt und in die hinterste Herzkammer auf ewige Zeiten liebevoll eingebrannt.

Den großen Schrecken haben Nadelspiele seitdem für mich verloren. Geblieben aber ist der gespannt-schöne Grusel vor dem Moment in dem die Einmalkanüle meine Haut durchdringt. Und die Augenbinde möchte ich bitteschön dabei behalten dürfen, wenn ich das intime Geschenk der Erlaubnis zur kleinen "Körperverletzung" vergebe und es mit Lust und Respekt von anderer Seite genommen und vorsichtig damit umgegangen wird.

Und es sind ganz besondere Augenblicke in denen ein klein wenig Blut fließt. Blut, das auf uns beide eine sinnlich-zärtliche Wirkung hat und uns ein breites Lächeln aufs Gesicht zaubert. Es muss wohl wie so oft an den Endorphinen liegen, die uns bei diesen kleinen Körpereingriffen nicht durch Schmerz, sondern durch Psyche ins Zauberkarussell der Gefühle werfen. Mich völlig in die sichere Hand (nicht zu vergessen: den klaren Verstand !) meines Partners zu begeben, meinen Körper in dieser Form seinen bedächtigen "verletzenden" Handlungen auszuliefern, unsere Emotion im wahrsten Sinne des Wortes "unter die Haut gehen zu lassen", das ist pure Zärtlichkeit mit ungewöhnlichen Mitteln.

© Andrea

Zusatz: es erscheint mir wichtig darauf hinzuweisen, dass Nadelspiele ebenso wie andere SM Praktiken klares Einverständnis des Bottoms benötigen und einige wichtige Regeln benötigen. Dünne Einmalkanülen sollten steril sein und nur einige Millimeter horizontal unter der Haut gestochen werden. Gesicht und andere "schlecht gepolsterte" Körperstellen sind dafür nicht geeignet, ebenso wie das Stechen in Nähe von Nervenbahnen (z.B. Rücken/Wirbelsäule/ Gelenke/ Hüfte etc.) . Aus medizinischer Sicht ist von vertikalem Stechen deshalb komplett abzuraten. Und selbstverständlich sollten sich polygam spielende Partner vor möglichen HIV oder Hepatitisinfizierungen durch Blutaustausch schützen. Interessant und hilfreich ist hierzu Amelias fundierter Praxisartikel "Nadelspiele", den ich hiermit allen Interessierten ans Herz legen möchte.

 

 
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