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Heute war ein schöner Tag. Warm, wie im Hochsommer, bis in den Abend hinein. Auf der riesigen Wiese hinter dem Haus, in dem ich wohne, wurde Heu gemacht.
Ich habe, nachdem es dunkel wurde, eine Flasche meines geliebten Weißwein genommen und habe mich in das frische Heu gelegt, was wunderbar geduftet hat. Dort bin ich liegen geblieben, bis die Flasche Wein leer war und ich die Sterne über mir nicht mehr so klar sehen konnte...
Jetzt hoffe ich, dass der Weißwein nur meinen Blick, aber nicht meine Gedanken verklärt hat, denn ich habe mir an diesem Abend die Frage gestellt, in welcher Form mich BDSM durch meinem Leben begleitet und was für einen Einfluss es auf dieses hat. Und dabei ist mir aufgefallen, wie viele unterschiedliche Stufen von BDSM es doch gibt.
Ich meine, es ist kein Geheimnis. Aber wer macht sich schon die Mühe, sich das mal richtig bewusst zu machen - wahrscheinlich nur ich, nach einer ganzen Flasche Wein...
Einmal gibt es doch den ganz "normalen" Blümchensex, der mit vereinzelten Elementen aus dem SM angereichert wird. Dies hat sicherlich wenig mit BDSM zu tun. Und doch. Ist es nicht auch eine Art von Unterwerfung, was manche Leute in einer "normalen" Beziehung von ihrem Partner verlangen, bzw. wie sie diesen behandeln, oder was sie von ihm erwarten? Hmm, ich mag nicht näher darauf eingehen, da es - wenn ich es tatsächlich auf BDSM übertragen würde - mit Sicherheit der falsche BDSM wäre. Und außerdem sind meine Erfahrungen mit dieser Art von Beziehung so lange her, bzw. so dürftig - so richtig kann ich mich daran gar nicht mehr erinnern.
Dann gibt es den ganz großen Bereich der Personen, für die BDSM eine Menge Möglichkeiten bietet, aus ihrem grauen Alltag zu fliehen. Oder ihr "leibliches Vergnügen" abwechslungsreicher zu gestalten. Dazu zähle ich jetzt alle die Leute, die - vorsichtig ausgedrückt - "nur" bestimmte Praktiken ausüben und nach dem Orgasmus wieder in ihr "normales" Leben zurückkehren. Und ich zähle auch die Leute dazu, die überall in den Kontaktanzeigen zu finden sind: "Suche andersartiges Masoweib... " oder "Dominanter Mann sucht die devote Frau für perverse Erziehung zur Lustsklavin, Hure, Sau..."
An alle diese Leute denke ich als Erstes, wenn ich zum ersten Mal mit BDSM in "Berührung" komme. Die nicht normal scheinen, aber trotzdem die normalsten Menschen der Welt sind. Wie Dein Nachbar von nebenan, dem man auch nicht ansieht, dass er nach 23.00 Uhr seiner Frau an einer Hundeleine um den Hals hinterher kriecht... Viele Leute, die mit BDSM beginnen, bleiben in dieser Phase hängen und können auch ihr Leben lang darin glücklich werden, solange sie den richtigen Partner finden, mit dem sie ihre Phantasien ausleben können.
Die nächste Stufe sind für mich die Leute, bei denen BDSM nicht um 20.00 Uhr beginnt und um 24.00 Uhr wieder endet. Die Leute, die in einer 24/7-Beziehung leben. Oder die Leute, denen man Teile ihrer Dominanz oder Devotheit auch im "normalen" Leben anmerkt. Und die Leute, die begriffen haben, dass sich BDSM immer auf der Basis der Freiwilligkeit abspielt.
Aber es gibt leider auch Leute, die BDSM krankhaft leben. Bei denen BDSM an Selbstzerstörung grenzt, sowohl körperlich wie seelisch. Die befinden sich in jedem Fall in einer großen Gefahr und ich denke, wenn uns so ein Mensch begegnet, dann sollten wir seine Neigung nicht ausnutzen, sondern ihm lieber helfen, zurück in vernünftige Bahnen zu finden. Solche Leute können im BDSM keine Erfüllung finden, sondern höchstens den Tod.
Ja, aber was wollte ich eigentlich sagen, was ich für mich festgestellt habe, als ich mir im duftenden Heu den Sternenhimmel angesehen habe? Alle - mich eingeschlossen - reden immer von Grenzen. Aber was sind diese Grenzen tatsächlich? Ist es das, wenn ich mit meinem Partner ein Codewort ausmache und ich es in irgendeiner Situation benutzen muss?
Ständig wollen alle Leute diese Grenzen "verschieben" oder an sie "herangeführt" werden. Gut, es gibt sicherlich eine körperliche Grenze. Aber kann ich meine Erfüllung im BDSM nur erreichen, wenn ich ständig mit diesen Grenzen "spiele"?
Sind diese Grenzen vielleicht nicht eher ein Zeichen dafür, wie viel Selbstbewusstsein ich habe? Selbst-bewusst-sein. Ich habe das jetzt extra so geschrieben. Mir-selber-bewusst-sein, wer ich bin und was ich will. Eine Grenze bedeutet doch immer einen Widerstand. Sich gegen etwas stellen. Meistens gegen sich selber. Oder im BDSM gegen seinen Partner.
Ich stelle jedenfalls fest - mit klarem, nüchternen Kopf - daß der Widerstand gegen mich selber immer kleiner wird.
(c) Ina
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