BDSM – Outing

Das eigentliche Outing beginnt bei sich selbst. Dazu muß man sich aber erst eingestehen können, daß man nunmal „anders“ ist und damit leben kann. Das Ganze ähnelt einem inneren Kampf, wobei am Anfang die Phantasie steht.

Jeder lernt bereits als Kind, daß Gewalt abnormal und nicht richtig ist. Und nun hat man diese Phantasien von Vergewaltigung, verletzen und demütigen, oder von verletzt oder gedemütigt zu werden.

Ist man „normal“

Jeder Mensch hatte schon irgendwann mal Vergewaltigungsphantasien, auch die, die nichts mit BDSM am Hut haben. Deshalb ist es auch vollkommen in Ordnung, sich seinen „Vergewaltiger“ im privaten Hirnkino zusammenzubasteln und sich von ihm „zur Strecke“ bringen zu lassen. Das heißt aber noch lange nicht, daß man abnormal ist. Viele Menschen haben solche Phantasien. Und selbst wenn es noch stärkere Phantasien sind, die in Richtung BDSM gehen, ist man immer noch normal. Sex hat nämlich nichts mit normal oder abnormal zu tun, solange alles auf beiderseitigem Einverständnis geschieht.

Wie geht es weiter

Viele Leute kommen per Zufall in die Welt des BDSM, wie beispielsweise per Internet, per Chat oder Real-Life, sowie über Medien oder reale Kontakte. Aber selbst das Interesse an dem Thema bedeutet nicht, daß man es auch praktizieren würde. Viele wollen es lieber bei der Phantasie belassen.

Allerdings gibt es dann auch den Weg, wo Viele sagen, daß sie es ausprobieren wollen. Aber wie immer, langsam und nichts überstürzen. Doch selbst zu diesem Zeitpunkt kann man noch nicht wissen, ob man somit auch wirklich „seinen Weg“ gefunden hat. Und ausprobieren ist auch in Ordnung, aber bitte mitteilen, daß man noch keine Erfahrungen hat. Nichts ist nämlich schlimmer, als ein abstürzender Top oder Bottom, weil er gerade das erste Mal geschlagen hat oder geschlagen wurde, im Chat aber beispielsweise behauptete, er hätte schon so viel Erfahrung.

Ist es dann endlich soweit, daß man sagt, man will das, muß man sich erst mit sich selbst auseinander setzen. Wahrscheinlich hat man das eh schon den ganzen Weg gemacht, den man bisher gegangen ist, aber diesmal geht es ans Eingemachte. Schließlich muss man jetzt akzeptieren, daß man so ist, wie man ist. Vor Allem aber muß man es respektieren. Dazu gehört, sich klarzumachen, daß man vollkommen normal ist, auch wenn man auf BDSM steht, und daß man trotzdem vollkommen unabhängig ist, auch wenn man devot ist. Aber auch, daß man kein schlechter Mensch ist, weil man einen anderen Menschen schlägt, noch dazu mit dessen Einverständnis, sind Dinge, die einem früher oder später durch den Kopf gehen.

Nichts muß, aber alles kann passieren

BDSM hat nichts mit Gewalt zu tun. Als Dom ist man kein Gewaltverbrecher, wenn man in beiderseitigem Einverständnis handelt. Vorsicht ist allerdings die Mutter der Porzellankiste. Daher besser zu langsam als zu schnell.

Am Besten redet man vor der Session über die bevorstehenden Aktivitäten. Der Bottom kann natürlich auch während der Session öfter mal gefragt werden, ob noch alles in Ordnung ist. Denn nicht nur Schläge zerren an der Psyche, sondern auch verbale Demütigungen. Der Bottom sollte sich deshalb klar machen, daß es nur ein Spiel ist, und daß man in Wirklichkeit intelligent ist. Also, das Gesagte nicht als Tatsache annehmen, denn es gehört zum Spiel.

Es ist auch kein Fehler ein Safeword auszumachen. Man sollte sich niemals einreden lassen, daß ein Dom, der SM beherrscht, kein Safeword braucht. Das Safeword ist sozusagen der letzte Ausstieg, also die Notbremse.

Soweit sollte es aber auch gar nicht erst kommen. Denn wenn ein Sub einmal das Safeword benutzen muß, hat der Dom meist schon über die Stränge geschlagen und die Grenzen des Bottoms überschritten.

Das Safeword sagt man in der Tat nämlich nur dann, wenn man die Grenzen erkennt, vor Allem aber, wenn sie überschritten werden. Es schadet daher nie, sich selbst Grenzen zu setzen, und diese Linie besser zu eng als zu weit zu ziehen. Während einer Session kann man sie nämlich immer noch weiter ziehen.

Absturz

Ein Absturz kann Jedem passieren, egal ob Top oder Bottom, egal ob Mann oder Frau. Jeder kennt wahrscheinlich das Gefühl, etwas getan zu haben, was ihm jetzt über den Kopf wächst, und man nun selbst nicht mehr mit der Situation fertig wird.

Ein Absturz in der BDSM-Szene kann direkt nach einer Session geschehen, aber auch erst Tage später. Ein solcher Absturz kann Selbstvorwürfe oder Depressionen beinhalten. In so einem Augenblick sollte man deshalb nicht unbedingt alleine sein. Helfen kann auch, mit dem Sessionpartner darüber zu reden.

Es ist vollkommen normal, daß einen etwas bedrückt, was eigentlich Spass gemacht hat. Das ist eben typisch Mensch. Sollten die Depressionen allerdings zu lange dauern, ist es vielleicht besser, einen Psychologen aufzusuchen. Diesbezüglich sollte man auch keine Scheu haben, ihn zu fragen, ob er sich mit der Materie auskennt.

Mein eigenes Outing bei Anderen

Hat man sich nun entschlossen, auch in der Öffentlichkeit dazu zu stehen, und möchte damit gleich bei seinen Freunden beginnen, sollte dies behutsam und langsam geschehen. Selbes gilt auch bei der Familie. Schließlich ist es harter Tobak, den man ihnen gibt. Man sollte ihnen seinen Standpunkt mitteilen und erklären, daß es einem wichtig ist, daß sie es wissen. Auch sollte man sich ihre Meinung anhören. Doch richtige, echte Freunde akzeptieren, wie man ist.
Auch die Familie wird vielleicht anders reagieren, als man es erwartet hat. Möglicherweise fällt es einem selbst auch leichter, mit einer Vertrauensperson als seelische Unterstützung, vor der Familie zu sprechen. Bedenken sollte man aber auch, daß die Eltern nicht aus der Steinzeit kommen.

Schlußwort

Natürlich kann man sich auch in der Arbeit outen. Der Chef hat nämlich nicht das Recht, einen wegen seiner sexuellen Neigungen zu feuern, sofern diese nicht unbedingt während der Arbeit im Betrieb ausgelebt werden. Normalerweise hat den Arbeitgeber die sexuelle Neigung aber gar nicht zu interessieren.

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