Jugend und SM

Bei SM denkt man zuerst einmal an Sex und Porno, Schmerzen und Lust sowie Macht und Untergebenheit. Auch viele Jugendliche verspüren solche Gefühle, manchmal sogar schon sehr früh. Oft fühlen sie sich deswegen abgestempelt oder gar pervers und haben so ihre Zweifel, wenn sie beispielsweise ihre wilden, heißen und geilen Fantasien vom Fesseln und Peitschen haben. Für die meisten Eltern betroffener Jugendlicher ist das natürlich erstmal ein Schock.
Aber auch die Jugendlichen selbst sind großteils total mit ihren Emotionen überfordert und empfinden das Ganze einfach als eine Nummer zu groß, da sie auch kaum eine Chance haben, mit Jemandem darüber zu sprechen.

Was bedeutet SM

SM steht als Abkürzung für Sadomasochismus. Die Bezeichnung Sadomasochismus besteht widerum aus einer Zusammensetzung der beiden Begriffe Sadismus und Masochismus, womit die jeweilige Ausrichtung hinsichtlich des aktiven oder des passiven Erleben’s beschrieben wird.
Bei SM geht es also nicht einfach um sinnloses Verprügeln und Einschlagen auf den Partner oder den Gegenüber, damit man seine Aggressionen los wird.
In der Regel wird unter SM eine sexuelle Devianz verstanden, bei der Menschen durch die kontrollierte Zufügung von Schmerz, Macht oder Demütigung, Lust oder Befriedigung erleben.

Verbreitung von SM

Im Gegensatz zu den meisten anderen sexuellen Präferenzstörungen ist SM eine Beziehungsparaphilie, die in der Regel auf das Ausleben innerhalb einer Beziehung ausgerichtet ist und jeweils ein Gegenstück benötigt, um ausgelebt zu werden.
SM tritt unabhängig vom Geschlecht und der sexuellen Orientierung auf. Feststellen läßt sich jedoch, daß zwischen 5 und 25 Prozent der Bevölkerung regelmäßig Sexualpraktiken ausüben, die mit der Lust an Schmerzen sowie mit Macht und Ohnmacht in Verbindung stehen. Der Bevölkerungsanteil mit entsprechenden Fantasien wird jedoch regelmäßig höher beziffert.

Ursachen und Entstehung von SM

Eine allgemeingültige Ursache für die Entstehung sadomasochistischer Vorlieben läßt sich nicht finden. Dennoch gibt es zu den Ursachen und der Entstehung des SM verschiedene Theorien, welche sich in der Regel auf die jeweilige Ausprägung des Sadismus oder des Masochismus beziehen.
Insbesondere wird aber bei sadistischen Gewalttätern und extremen Masochisten häufig ein Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch in der Kindheit zitiert.
Tiefenpsychologisch wird eine Störung in der Ablösung von der Mutter vermutet. Diese äußert sich in der Angst, sich von der Mutter lösen zu müssen und andererseits der Angst davor, es nicht zu können. Deshalb werden die ambivalenten Gefühle am Sexualpartner ausgelebt.
Auf der masochistischen Seite hingegen äußert sich diese Angst nicht durch Aggressivität, sondern durch Unterordnung. Man bestraft sich sozusagen selbst für die negative Emotion gegenüber der Mutter.
Andere Theorien gehen von einer individuellen biographischen Entstehung aus, in der man die Verbindung von Lust und Schmerz als lustvoll erlebt.
Allerdings konnte bisher keine dieser theoretischen Ansätze nach wissenschaftlichen Standard’s bewiesen werden.

Ab welchem Alter entdeckt man die SM-Leidenschaft

Viele SM-Liebhaber entdecken ihre Neigungen bereits schon in jungen Jahren. Feststellen läßt sich, daß sich Einige mit dem Thema bewußt schon ab neun, andere dann so ab 11 Jahren beschäftigen. Zur ersten direkten Konfrontation mit dieser Leidenschaft kann es aber schon dann kommen, sobald die Kinder oder Jugendlichen ihre ersten sexuellen Selbsterfahrungen erlebt haben.

Welche Altersgruppe fällt unter jugendlich

Die Altersgrenze der jugendlichen SM-ler beschränkt sich auf 27 Jahre, da alle über 27 nicht mehr als jugendlich gelten.
Die Altersklasse der meisten SM-Jugendlichen, die jedoch die Hilfe der Organisationen aufsuchen liegt meistens zwischen 17 und 22 Jahren.
Der Altersdurchschnitt der SM-Jugend im Allgemeinen, liegt etwa bei 20 bis 21 Jahren.

Probleme der Betroffenen

Bei manchen Personen und in manchen Gruppen gilt Aggression ja als „cool“, aber wer sich auf das Thema SM einläßt sollte verstehen, daß Aggression und Dominanz zwei grundlegend verschiedene Paar Schuhe sind.
Zudem haben es Jugendliche in der Pubertät oftmals nicht unbedingt leicht, da sie schon genug mit sich selbst und ihrer Umwelt zu tun haben. Da ist zum Einen die Abnabelung von den Eltern, evtl. noch der Schule, der Berufseinstieg und die Freunde, die außerdem Verwirrung stiften. Man kann also sagen, daß die Jugendlichen noch nicht gerade emotional und in ihrer Persönlichkeit gefestigt sind, was für die betroffenen Jugendlichen natürlich noch eine zusätzliche Belastung darstellt.
Die Gesprächspartner durch Gleichaltrige sind vermutlich auch eher dünn gesät, und bei den Älteren wird es meist wohl ebenfalls ein Problem werden.
Sehr Vielen ist SM zwar ein Begriff aus diversen mehr oder doch viel weniger guten Beiträgen aus dem Fernsehen, aber was genaues weiß man oft nicht.
Die Wahrscheinlichkeit auf Jemanden zu treffen, der SM eher als pervers ansieht, ist da sehr hoch. Da kann man als Jugendlicher schon von Glück reden, wenn man auf einen informierten Menschen trifft, der sich mit ihm und seiner Sexualität auseinander setzt. Denn, selbstverständlich ist das nicht. Da kann es dann schon passieren, daß die ersten Schritte in Katastrophen ausarten. Das Thema beim Psychologen zu besprechen liegt meist auch außerhalb des Vorstellungsvermögen’s der Betroffenen.
In solchen Fällen ist da die Gefahr sehr hoch, daß Jugendliche von Älteren regelrecht mißbraucht werden. Die Unreife und das unschuldige Auftreten sowie der Wunsch begehrt und geliebt zu werden sowie das Gefühl etwas Besonderes zu sein, werden dann schamlos ausgenutzt. Auf diese Weise werden oft die Ressourcen der jungen Menschen ausgebeutet und ihre persönliche Entwicklung häufig extrem belastet. Um da noch die Anforderungen des Leben’s zu erfüllen, greift der Eine oder Andere vielleicht schonmal zu Drogen oder bunten Pillchen, sofern sich die Möglichkeit bietet.

Jugendliche unter 18 Jahren haben es wahrscheinlich noch am Schwersten, denn die Zugänge und Infomaterialien sind für diese Jungendlichen zudem nur schwer zugängig oder erhältlich.

Informationen zum Thema Jugend und SM sollten daher auch für die ganz jungen Jugendlichen in angebrachter Form erhältlich sein. Damit die ganze Thematik aber auch richtig kommuniziert und mit den Jugendlichen geklärt werden kann, gibt es dafür bestimmte Anlaufstellen, welche speziell dafür eingerichtet sind.

Hilfsangebote für Jugendliche

Damit die Jugendlichen mit ihrer „Lust“ nun nicht alleine gelassen werden, gibt es inzwischen Organisationen, Einrichtungen und Vereine, welche auch sogenannte Beichtmütter für jugendliche „SM-Süchtige“ zur Verfügung stellen. Diese informieren und helfen beim Einstieg in die SM-Szene. Sie sind oft die einzige Möglichkeit, bei denen Jugendliche offen über ihre Neigungen sprechen, denn natürlich fragen sich die Betroffenen auch, ob sie unnormal sind. Sie müssen aber erst ihre Lust verstehen, um mit ihrer Neigung umgehen zu können. Für die Jugendlichen sind diese Anlaufstellen deshalb oft wie eine zweite Familie, denn den „Neueinsteigern“ ist die Herzlichkeit und Fürsorge dort eine große Hilfe und zeigt ihnen, daß sie verstanden und ernst genommen werden. Dort wird nicht gefesselt oder in Lack und Leder gepeitscht, sondern den Jugendlichen erklärt, wie sie mit ihrer Lust umgehen können, ohne sich dabei zu verletzen oder als „krank“ abgestempelt zu werden. Solche SM-Einrichtungen für Jugendliche werden auch oftmals von Psychologen oder einer 24-Stunden-Hotline für Notfallseelsorge unterstützt, an die sich nicht selten verzweifelte Jugendliche wenden, deren Eltern ihre Neigung herausfanden. Außerdem wird in den meisten Einrichtungen durch strenge Kontrollen darauf geachtet, daß Pädophile oder „Bordellsüchtige“ fern bleiben und Diejenigen rausfliegen, die sich nicht an die Regeln halten. Einige dieser Einrichtungen oder Vereine haben auch eigene Jugendschutzbeauftragte, die regelmäßig von einem Rechtsanwalt auf die juristische Legitimität überprüft werden, um zu zeigen, daß sie es ernst meinen und nicht als Kontaktbörse fungieren, sondern Beratung bieten. Die Verbände erklären Hilfesuchenden zudem, wie SM ohne negative Folgen Spaß machen kann, denn beispielsweise will ja auch richtiges Fesseln gelernt sein.

Im deutschsprachigen Raum bieten inzwischen in allen größeren Städten, Gruppen und Organisationen, Hilfe und Selbsthilfe für jugendliche SM-Anhänger an.
Für die ländlichen Gegenden sind überregionale Organisationen tätig, welche meist über Webseiten oder Telefondienste erreichbar sind.

Für homosexuelle Jugendliche werden zusätzlich oft noch spezielle Coming-out-Gruppen angeboten, in denen hilfesuchende Jugendliche alle Fragen zum Thema besprechen können und darüber hinaus oft auch Anschluß zu Gleichgesinnten finden.

Eine der größten überregionalen SM-Organisationen im deutschsprachigen Raum für Hilfesuchende nennt sich SMJG, und ist ein tätiger eingetragener Verein, der speziell Jugendarbeit in den Bereichen SM und Sexualaufklärung leistet.
Die Gruppe richtet sich dabei gezielt an interessierte Jugendliche und junge Erwachsene. Die SMJG ist bei Fragen jederzeit per E-Mail unter „smjg-team@smjg.org“ oder über das Kontaktformular der Homepage erreichbar. Alle Informationen dieser Gruppe sind ebenfalls auf deren Webseite „www.smjg.org“ zu finden, wie zum Beispiel, welche Vereine in der Umgebung der Betroffenen tätig sind oder wann und wo der nächste Informations-Stammtisch stattfindet. Ebenso kann man sich bei akuten Problemen und Notfällen auch direkt an das dort eingerichtete Sorgentelefon wenden.

Fazit – Anmerkung

Für junge Einsteiger der SM-Lust ist ein Stammtischabend nur empfehlenswert. Denn SM-Neigungen existierten auch ohne Zuspruch der Eltern. Zudem wirkt eine positive Reaktion der Umwelt auf die Betroffenen erleichternd. Dadurch fühlen sie sich oft befreit sowie in ihrem Selbstvertrauen bestätigt und können so auch optimistisch in die Zukunft blicken.

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